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Medien „In zehn Jahren ist Google tot“

Ein Kölner Verlagshaus expandiert: Im Interview spricht der Verleger Christian DuMont Schütte über das kurze Leben von Internetfirmen, junge Zeitungsverweigerer und sein Interesse an der „Süddeutschen Zeitung“.

© Edgar Schoepal Vergrößern Von Kunst umgeben: Christian DuMont Schütte

Verleger Christian DuMont Schütte spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über das kurze Leben von Internetfirmen und seine Hoffnung, dass es die jetzigen Großen übermorgen nicht mehr geben wird.

Die junge Zielgruppe sei nach DuMont Schütte mit Print-Produkten nicht mehr zu erreichen. Denn wer jung ist, geht nicht mehr zum Kiosk und bezahlt für Informationen. Trotzdem ist das Verlagshaus sehr stark an der Süddeutschen Zeitung interessiert und lässt sich auch nicht von dem Kaufpreis von einer Milliarde Euro abschrecken.

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Herr DuMont Schütte, plötzlich werden wir Zeuge von Bieterschlachten um Zeitungen. Wurde deren Tod zu früh besungen?
Mathematisch ist die Sache einfach. Die Auflage der Tageszeitungen sinkt pro Jahr um zwei bis vier Prozent, je nach Titel und Region - daraus ergibt sich: In 25 Jahren sind die Zeitungen tot. Mein Partner Konstantin Neven DuMont und ich könnten hier dann das Licht ausknipsen, nach zwölf Generationen wäre Schluss. Auf der anderen Seite bezahlen selbst versierte Verlage Unsummen für Zeitungen. Von den Geboten der Finanzinvestoren ganz zu schweigen. Da tut sich ein Widerspruch auf.

Wie erklären Sie sich den?
In der Zeitungskrise zwischen 1999 und 2002 hatten die Medienhäuser den Tod vor Augen. Von der Starre erholen sie sich allmählich. Die rückläufigen Ergebnisse sind kompensiert. Man stellt sich endlich pragmatisch die Frage nach den Chancen im Internet: Wie überführen wir den vorhandenen Leserstamm in die neue Medienwelt?

Pariser Zeitungsverkäufer © picture-alliance/ dpa Vergrößern Haben den jungen Kunden verloren: Kioskbesitzer

Die Hoffnung, neue Leser für die Zeitung zu gewinnen, haben Sie folglich aufgegeben?
Richtig ist: Die jungen Menschen sind mit Tageszeitungen nicht ausreichend zu erreichen. Wir wären aber dumm zu sagen, wir hätten die Jugend verloren. Die Verlagshäuser besitzen auch andere Mediengattungen in den Regionen, wie Stadtillustrierte oder Radiosender. Da ist der Schwund der Jugend weniger dramatisch. Mit spezifischen Angeboten müssen wir um diese Zielgruppe kämpfen.

Den Versuch mit einer speziellen Zeitung für die Jugend haben Sie zum Ende des vorigen Jahres eingestellt. Woran lag es?
Nicht an den Inhalten.

Woran dann?
Wir müssen erkennen, dass die Vertriebsform Print für die junge Zielgruppe nicht funktioniert. Sie geht nicht zum Kiosk und zahlt für Informationen.

Trotz dieser Erkenntnis wollen Sie weiter Tageszeitungen kaufen. Die Mehrheit an der „Frankfurter Rundschau“ haben Sie schon, jetzt bieten Sie angeblich für die „Süddeutsche Zeitung“ mit.
An der SZ haben wir in jedem Fall ein Interesse, ein sehr starkes sogar. Wir wären ein geeigneter publizistischer Partner und könnten an die Tradition unseres Hauses anknüpfen. Mit der Kölnischen Zeitung hatten wir schon einmal ein imageträchtiges Blatt von sogar internationalem Ruf. Unser Verlag ist nach dem Krieg gezwungenermaßen aus dem nationalen Markt ausgetreten. Mein Großvater hat gemeinsam mit dem Vater von Alfred Neven DuMont damals richtigerweise entschieden, zunächst lokal wieder aufzubauen.

Der kolportierte Kaufpreis von einer Milliarde Euro wirkt nicht abschreckend?
Nicht, wenn man am SZ-Verlag auch aus publizistischer Sicht Interesse hat.

Ihre Ambitionen in Ehren, aber können Sie als Familienunternehmen solche Beträge stemmen?
Die Frage der Finanzierung können wir erst beantworten, wenn bekannt ist, wie viele der SZ-Gesellschafter überhaupt verkaufen wollen. Das ist im Bieterverfahren bislang nicht sichtbar.

Würden Sie sich im Zweifel mit einem Finanzinvestor verbünden, um den Zuschlag zu erhalten?
Unser Anspruch ist grundsätzlich, dass wir die operative Führung bekommen. Ob wir das notwendige Geld dann am Kapitalmarkt besorgen oder ein Private-Equity-Unternehmen mit ins Boot nehmen, ist zweitrangig.

Steigt ein Private-Equity-Haus ins Mediengeschäft ein, herrscht schnell Heuschreckenalarm. Was ist so schlimm an den Investoren?
Das Hauptargument gegen einzelne Finanzinvestoren ist die Gewinnmaximierung auf Teufel komm raus, auch auf Kosten des publizistischen Anspruches. Natürlich sind Finanzinvestoren lernfähig, was das öffentliche Echo betrifft. Einzelne Player werden vermutlich bald verkünden, dass sie ihre Beteiligungen länger halten. Wahrscheinlich werden sie auch Leute aus der Branche verpflichten, um den Vorwurf zu entkräften, sie hätte keine Ahnung vom publizistischen Geschäft. Als uns neulich die Werbeagentur eines Ministeriums ein unsittliches Angebot machte - Anzeigen gegen wohlwollende Berichte -, da schoss mir durch den Kopf: Wie würde ein Finanzinvestor in so einem Fall reagieren?

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Veröffentlicht: 27.08.2007, 08:42 Uhr

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Von Helmut Mayer

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