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Medien Gruner + Jahr stellt „Financial Times Deutschland“ ein

Der Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr zieht sich weitestgehend aus dem Geschäft mit Wirtschaftsmedien zurück. Nach F.A.Z.-Informationen hat der Vorstand beschlossen, die Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ einzustellen und die Zeitschriften „Impulse“ und „Börse Online“ zu verkaufen.

© dpa FTD-Chefredakteur Klusmann vor der Erstausgabe der Zeitung

Nur das Wirtschaftsmagazin „Capital“ will G+J behalten und von Berlin aus fortführen. Offiziell verkünden oder überhaupt bestätigen wollte der Verlag diesen Beschluss am Dienstag nicht. Denn die Entscheidung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrats, der an diesem Mittwoch in Hamburg tagt. Gruner + Jahr (2,3 Milliarden Euro Umsatz) gehört zu 74,9 Prozent dem Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann; 25,1 Prozent liegen bei der Hamburger Verlegerfamilie Jahr.

Johannes Ritter Folgen:

Es gilt als sicher, dass sich die beiden Anteilseigner den Beschlüssen  des Vorstands anschließen. Einen gewissen Widerstand könnte es wegen des drohenden Personalabbaus allerdings von Seiten der Arbeitnehmerbank geben: Die G+J-Wirtschaftsmedien beschäftigen rund 350 Mitarbeiter, darunter 250 Redakteure. Die meisten von ihnen arbeiten für die „FTD“.

Die Zeitung hat nie Geld verdient

Ausschlaggebend für den Rückzug aus den Wirtschaftsmedien ist die schlechte Ertragslage in diesem Geschäft: Sinkende Anzeigenerlöse und fallende Auflagen dürften in diesem Jahr zu einem Verlust von rund 15 Millionen Euro führen, heißt es im Verlag. Davon entfallen gut 10 Millionen Euro auf die „FTD“. Das lachsrosafarbene Wirtschaftsblatt hat in den zwölf Jahren seit seiner Gründung nie Geld verdient und in der Summe Verluste von mehr als 250 Millionen Euro angehäuft.

Julia Jäkel, die erst vor kurzem in den Gruner-Vorstand aufgestiegen ist und dort das Deutschland-Geschäft verantwortet, hat in den vergangenen Wochen noch zahlreiche Vorschläge für eine mögliche Fortführung der „FTD“ in veränderter Form (etwa als reine Online-Ausgabe) geprüft. Doch keines dieser Modelle wurde als wirtschaftlich tragfähig erachtet. Hinzu kommt, dass auch die Gewinne von Verlags-Flaggschiffen wie „Stern“, „Geo“ und „Brigitte“ bröckeln. Dem Vernehmen nach sind überdies deftige Abschreibungen auf Beteiligungen in Spanien und Amerika (Brown Printing) zu erwarten. G+J schwindet also die Ertragskraft und die Geduld, um seine Verlustbringer noch weiter zu alimentieren.

Der Vorstand will sich an diesem Mittwoch vom Aufsichtsrat das Mandat erteilen lassen, die Monatszeitschrift „Impulse“ und das Anlegerheft „Börse Online“ zu verkaufen. Für beide Titel soll es etliche Interessenten geben, heißt es. Das Magazin „Capital“ will Gruner + Jahr behalten, wobei die Redaktion künftig in Berlin sitzen soll. Der Umzug von Hamburg in die Hauptstadt dürfte vor allem arbeitsrechtliche Gründe haben. Der Verlag hatte die Redakteure der vier Wirtschaftstitel vor einigen Jahren aus Kostengründen zu einer Gemeinschaftsredaktion zusammengeführt. Das bedeutet nun, dass man betriebsbedingte Kündigungen eigentlich nur gesamthaft und nicht bezogen auf einzelne Titel vornehmen kann. Ein Neustart von „Capital“ an einem anderen Ort könnte als Krücke dafür dienen, dass sich gekündigte Mitarbeiter neu bewerben können, um ihre Arbeit nach der Schließung der G+J Wirtschaftsmedien GmbH bei einer „neuen“, kleinen Verlagseinheit in Berlin fortzusetzen.

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Quelle: FAZ.NET

 
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