05.04.2008 · Nach den Stasi-Bekenntnissen von zwei leitenden Redakteuren der „Berliner Zeitung“ hatte deren Chefredakteur Josef Depenbrock eine Untersuchung mit Hilfe des renommierten Forschungsverbundes SED-Staat an der FU Berlin angekündigt. Doch die Forscher haben Bedenken gegen eine Generalüberprüfung.
Von Michael HanfeldDie Stasi-Überprüfung, die der Chefredakteur Josef Depenbrock für die „Berliner Zeitung“ angekündigt hatte, gestaltet sich schwieriger als gedacht. Bis Ende Mai werde man die Ergebnisse eines wissenschaftlichen Gutachtens vorliegen haben, hatte der Anwalt Johannes Weberling, den Depenbrock mit der Sache beauftragt hat, gesagt. Doch das dürfte eng werden: Der renommierte Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin, mit dem Depenbrock zusammenarbeiten wollte, hat das Projekt nämlich abgesagt. Man habe „zeitliche und methodische Bedenken“, heißt es in der Absage des Forschungsverbunds, die Zeitvorstellungen seien „völlig illusorisch“.
Vor allem aber dürfe eine wissenschaftliche Arbeit zum Thema Stasi und Berliner Verlag „auf keinen Fall in den Geruch einer verdeckten Personalüberprüfung geraten“. Damit würde man der künftigen Forschung über den einstigen Spitzelapparat der DDR „einen Bärendienst“ erweisen. Der Forschungsverbund SED-Staat hat in der Vergangenheit maßgebliche Studien zum Wirken der Staatssicherheit der DDR erarbeitet, unter anderem für die ARD und den Norddeutschen Rundfunk.
Untersuchung ohne die FU
Die Redakteure der „Berliner Zeitung“ hatten von vornherein Bedenken gegen eine Generalüberprüfung. Sie haben Anfang der Woche fast einstimmig dafür votiert, dass jeder Redakteur für sich bei der Birthler-Behörde Antrag auf Einsicht in seine Stasi-Akten stellt. Rund neunzig Redakteure hätten dem zugestimmt, nur zwei hätten sich enthalten und zwei seien dagegen gewesen, sagte der Sprecher des Redaktionsausschusses, Thomas Rogalla.
Nötig geworden ist die Überprüfung, weil sich zwei Redakteure, der Seite-3-Chef Thomas Leinkauf und der stellvertretende Leiter des Politikressorts, Ingo Preißler als ehemalige Stasi-IM offenbart hatten.
Die Absage der Berliner Stasi-Forscher kann der Anwalt des Berliner Verlags zwar nicht verstehen, doch gibt sich Johannes Weberling kämpferisch. Man werde die Expertise dann eben ohne die FU erarbeiten, mit zwei Forschern von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). „Dann machen wir das eben mit der Viadrina allein“, sagte Weberling im Gespräch mit der F.A.Z. Am Montagmorgen will der Chefredakteur Depenbrock sein Stasiprüfungs-Konzept vor der Redaktion erläutern. miha.