15.11.2006 · Nach etlichen Verzögerungen ist es soweit: Der arabische Nachrichtensender Al Dschazira hat am heutigen Mittwoch seinen lange geplanten englischsprachigen Kanal gestartet, der es mit Konkurrenten wie CNN aufnehmen möchte.
Von Gina Thomas, LondonNach etlichen Verzögerungen hat der arabische Nachrichtensender Al Dschazira am heutigen Mittwoch seinen lange geplanten englischsprachigen Kanal gestartet, der es mit CNN, Sky und BBC World aufnehmen will. Finanziert vom Emir von Katar, konnte der Sender einige namhafte Rundfunkfiguren mit großen Gagen anwerben, allen voran den Starmoderator Sir David Frost, berühmt für ein Interview mit dem gestürzten amerikanischen Präsidenten Richard Nixon aus dem Jahr 1977, das zur Zeit Gegenstand eines erfolgreichen Bühnenstücks in London ist und demnächst verfilmt werden soll.
Der 66 Jahre alte Frost soll mit einer wöchentlichen Interviewsendung „Frost over the World“ als Zugpferd für Al Dschazira dienen. Für diesen Freitag ist ein Gespräch zwischen ihm und Tony Blair avisiert. Der von Donald Rumsfeld während des Irak-Kriegs als Propagandainstrument verurteilte Sender mit Sitz in Qatar wird auf seinem internationalen Ableger „der Sonne“ folgend, sich auf einen Stab von 700 Mitarbeitern aus 47 Ländern stützend, Nachrichten aus Kuala Lumpur, Doha, London und Washington in vierzig Millionen Haushalte senden. Es ist ein Mischprogramm aus Dokumentarfilmen zum Zeitgeschehen, Sport, Wirtschaft, einer Medienschau und Dikussionsrunden geplant.
Heimische Journalisten
Im Unterschied zu den anderen internationalen Sendern rühmt sich Al Dschazira, Journalisten zu beschäftigen, die in den Ländern, aus denen sie berichten, heimisch sind. Der Start war ursprünglich schon vor einem Jahr geplant. Es heißt, man habe ihn wegen technischer Schwierigkeiten verschieben müssen, doch vermuten manche, daß dem verspäteten Beginn Richtungskämpfe zugrunde lagen zwischen dem arabischen Sender und der englischen Mannschaft. Der englischsprachige Kanal macht keinen Hehl daraus, daß seine Zielgruppe jenes vornehmlich muslimische Publikum ist, das sich eine Berichterstattung aus nahöstlicher Perspektive als Korrektur für die vorherrschende westliche Sicht der Dinge wünscht.
Er sieht sich allerdings auch als Brücke zwischen dem Nahen Osten und dem Rest der Welt und als Forum, das die verschiedenen Seiten miteinander ins Gespräch bringt. Die Programmmacher in London sind sich angesichts des umstrittenen Rufes des arabischen Nachrichtenkanals bewußt, daß sie von Anfang an ihre Zuverlässigkeit und Objektivität unter Beweis stellen müssen.