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MDR-Intendanz : Frau aus dem Osten mit Vergangenheit

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Erklärt sich vorläufig vor allem den Gremien: Karola Wille Bild: dpa

Karola Wille soll zur Intendantin des MDR gewählt werden. Zu DDR-Zeiten verfasste sie juristische Aufsätze zum Klassenkampf. Darüber reden will sie im Augenblick nicht.

          Transparenz steht beim Mitteldeutschen Rundfunk nicht gerade hoch im Kurs. Das konnte man an den Affären der vergangenen Wochen und Jahre erfahren. Nur scheibchenweise kam ans Licht, was der einstige Herstellungsleiter des vom MDR federführend betreuten Kinderkanals trieb (er hinterzog 8,2 Millionen Euro). Oder dass der gekündigte Unterhaltungschef des MDR, Udo Foht, Produzenten zu dubiosen Zahlungen anhielt. Mit der Transparenz tut sich auch die im zweiten Anlauf vom Verwaltungsrat zur Intendantenwahl am kommenden Montag vorgeschlagene Justitiarin des Senders, Karola Wille, schwer. Zumindest, was ihre DDR-Vergangenheit angeht.

          Nach dem Studium der sozialistischen Rechtswissenschaften an der Uni Jena mit dem Abschluss als Diplomjuristin promovierte Karola Wille 1986 dort zum Thema: „Der Rechtsverkehr in Strafsachen zwischen der DDR und anderen sozialistischen Staaten unter besonderer Berücksichtigung der Übernahme der Strafverfolgung“. Bekanntlich war das sozialistische Recht in der DDR eine „Waffe im Klassenkampf“, mit deren Hilfe die SED ihre Politik durchsetzte, ohne Rücksicht auf international anerkannte Menschenrechte. Noch 1986 wechselte Karola Wille an die Uni Leipzig, zum Institut für Internationale Studien. Dieses hatte den „Klassenfeind“ - die Bundesrepublik - fest im Blick. Am Institut publizierte Karola Wille mit verschiedenen Koautoren in der DDR-Fachzeitschrift „Neue Justiz“ Aufsätze unter der Rubrik „Staat und Recht im Imperialismus“. Ende 1986 verfasste sie gemeinsam mit einem Koautor, den die Hauptverwaltung Aufklärung des DDR-Geheimdienstes als Offizier im besonderen Einsatz (OibE) führte, die Zusammenfassung einer „Internationalen Konferenz zu aktuellen Fragen des Revanchismus in der BRD“.

          Übliche Formulierungen in der DDR

          In der Einleitung des Textes ist zu lesen: „Im politischen und ideologischen Arsenal der aggressivsten und reaktionärsten Kräfte des Monopolkapitals nimmt der Revanchismus einen gewichtigen Platz ein. Er ist ein wesentlicher Faktor in der Strategie des Imperialismus, eine generelle Wende in der Entwicklung des internationalen Kräfteverhältnisses herbeizuführen. Seit dem Herbst 1982 wurde die Ideologie und Politik des Revanchismus durch die herrschenden Kräfte der BRD erheblich verstärkt.“ Noch für die Ausgabe der „Neuen Justiz“ vom August 1989 schrieb Karola Wille mit dem Justitiar des VEB Lüftungs- und Entstaubungsanlagen Leipzig, Ulf Köppen, in der „Neuen Justiz“ einen Aufsatz über „Das Wirken von BRD-Juristen für Frieden und Demokratie“. Dieser Aufsatz endet mit der Einschätzung: „Die staatsmonopolistischen Entwicklungsprozesse in der BRD und ihre rechtlichen Bewegungs- und Ausdrucksformen führen somit ein Richterbild in der Gegenwart ad absurdum, das den Richter als ein von sozialen und politischen Bezügen entfernt handelndes Individuum fordert.“

          Darauf angesprochen, bestätigte Karola Wille, die Texte geschrieben zu haben. Weitere Fragen dazu sowie zu ihrer wissenschaftlichen Karriere in der DDR will die seit 2002 an der Uni Leipzig als Honorarprofessorin für Medienrecht tätige Juristin aber nicht beantworten, zumindest nicht vor der Wahl am Sonntag. Vor fünfundzwanzig Jahren habe sie „in einem Konferenzbericht zum Revanchismus in der BRD Formulierungen gebraucht“, wie sie „damals in der DDR üblich und in Publikationen verlangt waren“. Sie glaube aber, „dass ich in den letzten zwanzig Jahren durch meine Arbeit bewiesen habe, dass ich die Chancen der deutschen Wiedervereinigung, beginnend am Runden Tisch, auch persönlich wahrgenommen und mich nachdrücklich und überzeugt in der demokratischen Gesellschaft engagiert habe“.

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