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Offener Brief an Eric Schmidt Warum wir Google fürchten

Zum ersten Mal bekennt hier ein deutscher Manager die totale Abhängigkeit seines Unternehmens von Google. Was heute die Verlage erleben, ist ein Vorbote: Bald gehören wir alle Google. Ein Offener Brief an Eric Schmidt.

© dpa Vergrößern Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer SE, schreibt Eric Schmidt, warum die Angst vor Google berechtigt ist.

Lieber Eric Schmidt,

in Ihrem Text „Die Chancen des Wachstums“ in der F.A.Z. antworten Sie auf einen Beitrag, den dieselbe Zeitung ein paar Tage zuvor unter dem Titel „Angst vor Google“ veröffentlicht hat. Sie erwähnen darin immer wieder den Verlag Axel Springer. Ich möchte im Sinne der Transparenz mit einem offenen Brief antworten, um ein paar Dinge aus unserer Sicht zu beleuchten.

(English version: Why we fear Google - an open letter to Eric Schmidt by Mathias Döpfner)

Wir beide kennen uns seit vielen Jahren, haben, wie Sie schreiben, lange und oft über das Verhältnis zwischen den europäischen Verlagen und Google diskutiert. Wie Sie wissen, bin ich ein großer Bewunderer des unternehmerischen Erfolgs von Google. In nur wenigen Jahren, seit 1998, ist ein Unternehmen entstanden, das weltweit beinahe 50.000 Menschen beschäftigt, letztes Jahr rund sechzig Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftete und aktuell eine Marktkapitalisierung von über 350 Milliarden Dollar hat.

Google ist alternativlos

Google ist nicht nur die größte Suchmaschine der Welt, sondern mit Youtube auch die größte Video-Plattform (die gleichzeitig die zweitgrößte Suchmaschine ist), mit Chrome der größte Browser, mit Gmail der meistgenutzte E-Mail-Dienst und mit Android das größte Betriebssystem für mobile Geräte. Ihr Artikel weist zu Recht darauf hin, welche fabelhaften Impulse Google für das Wachstum der Digitalökonomie gegeben hat. Im Jahr 2013 hat Google vierzehn Milliarden Dollar Gewinn gemacht. Ich ziehe vor dieser herausragenden unternehmerischen Leistung den Hut.

In Ihrem Text weisen Sie auf die Vermarktungskooperation zwischen Google und Axel Springer hin. Auch wir haben uns darüber gefreut. Der eine oder andere Leser hat das nun aber so interpretiert, dass Axel Springer offenbar schizophren sei: Einerseits ist Axel Springer Teil einer europäischen Kartellklage gegen Google und streitet mit dem Konzern über die Durchsetzung des deutschen Leistungsschutzrechts, das den Inhalte-Diebstahl verbietet, andererseits profitiert Axel Springer nicht nur von dem durch Google entstehenden Traffic, sondern auch bei der Vermarktung von Restplätzen seiner Online-Werbung von Googles Algorithmus. Das stimmt. Man kann das schizophren nennen. Oder liberal. Oder, und das ist die Wahrheit, um es mit einem Lieblingswort unserer Bundeskanzlerin zu sagen: alternativlos.

David und Goliath begegnen sich nicht auf Augenhöhe

Wir kennen keine Alternative, die auch nur ansatzweise vergleichbare technologische Voraussetzungen zur automatisierten Werbevermarktung bietet. Und wir dürfen auf diese Einnahmequelle nicht verzichten, weil wir das Geld dringend für technologische Zukunftsinvestitionen brauchen. Weshalb immer mehr andere Verlage das Gleiche tun. Wir kennen auch keine Suchmaschinen-Alternative zur Sicherung oder Steigerung unserer Online-Reichweite. Ein großer Anteil journalistischer Qualitätsmedien erhält seinen Traffic überwiegend via Google.

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