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Aktualisiert: 16.04.2014, 09:16 Uhr

Offener Brief an Eric Schmidt Warum wir Google fürchten


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Der hohe Preis der Gratis-Kultur

Denn die Sorge vor der wachsenden Fremdbestimmung durch diese eine allesbestimmende Spinne im Netz treibt nicht irgendwelche analogen Dinosaurier um, die das Internet nicht verstanden und deshalb Angst vor allem Neuen haben. Es sind vielmehr die Digital Natives, und darunter die jüngsten und bestinformierten, die mit der immer vollständigeren Kontrolle durch Google ein wachsendes Problem haben.

Dazu gehört auch die Fiktion von der Gratis-Kultur. Im Internet, in der schönen bunten Google-Welt, scheint so vieles kostenlos: von Suchdienstleistungen bis zu journalistischen Verlagsangeboten. In Wahrheit zahlen wir mit unserem Verhalten. Mit der Berechenbarkeit und kommerziellen Verwertbarkeit unseres Verhaltens. Wer heute einen Autounfall hatte und das in einer E-Mail schreibt, kann morgen das Angebot eines Herstellers für einen Neuwagen auf sein Handy gesendet bekommen. Schrecklich praktisch.

Wer heute auf Websites über Bluthochdruck surft und über sein Fitnessarmband Jawbone automatisch seine notorische Bewegungsarmut verrät, kann übermorgen eine höhere Gesundheitsversicherungsprämie gewärtigen. Gar nicht praktisch. Nur schrecklich. Es könnte sein, dass es gar nicht mehr so lange dauert, bis immer mehr Menschen erkennen, dass die Währung des eigenen Verhaltens einen hohen Preis fordert: die Freiheit zur Selbstbestimmung. Und es deshalb besser und billiger ist, mit etwas ganz Altmodischem zu zahlen: einfach nur mit Geld.

Man kann sich auch zu Tode siegen

Google ist die weltmarktbeherrschende Großbank der Verhaltenswährung. Keiner kapitalisiert sein Wissen über uns so erfolgreich wie Google. Das ist eindrucksvoll und gefährlich.

Lieber Eric Schmidt, Sie brauchen meinen Rat nicht, und natürlich schreibe ich hier aus der Perspektive des Betroffenen. Ich bin Partei. Als Profiteur von Googles Traffic. Als Profiteur von Googles automatisierter Werbevermarktung. Und als potentielles Opfer von Googles Datenwissen und Marktmacht. Dennoch: Weniger ist manchmal mehr. Und man kann sich auch zu Tode siegen.

Monopole haben in der gesamten Wirtschaftsgeschichte langfristig nicht überlebt. Entweder sind sie an der Selbstzufriedenheit gescheitert, die der eigene Erfolg gebiert. Das ist im Falle Googles nicht wahrscheinlich. Oder sie sind durch Wettbewerb geschwächt worden. Das erscheint im Falle Googles kaum möglich. Oder aber sie sind durch politische Initiativen eingeschränkt worden. IBM und Microsoft sind die jüngsten Beispiele.

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Ein anderer Weg wäre die freiwillige Selbstbeschränkung des Siegers. Ist es wirklich klug, zu warten, bis der erste ernstzunehmende Politiker die Zerschlagung Googles fordert? Oder, noch schlimmer: bis die Bürger Ihnen die Gefolgschaft verweigern – solange sie noch können? Wir jedenfalls können es schon nicht mehr.

Herzlichst
Ihr Mathias Döpfner

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