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Offener Brief an Eric Schmidt : Warum wir Google fürchten

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In anderen, vor allem nichtjournalistischen Bereichen findet der Kunde sogar fast ausschließlich durch Google den Weg zum Anbieter. Das heißt im Klartext: Wir – und viele andere – sind von Google abhängig. Google hat in Deutschland zurzeit einen Suchmaschinen-Marktanteil von 91,2 Prozent. Da ist die Aussage „wenn Google euch nicht passt, könnt ihr euch ja auslisten lassen und woandershin gehen“ in etwa so realistisch wie die Empfehlung an einen Atomstromgegner, doch einfach auf Strom zu verzichten. Das kann er – solange er nicht den Amish People beitreten möchte – im wahren Leben eben nicht.

Die Mitarbeiter von Google sind zwar immer ausgesucht freundlich zu uns und zu anderen Verlagen, aber auf Augenhöhe reden wir nicht miteinander. Wie sollten wir auch? Google braucht uns nicht. Aber wir brauchen Google. Und auch wirtschaftlich bewegen wir uns in anderen Galaxien. Mit vierzehn Milliarden Jahresgewinn macht Google etwa zwanzigmal so viel Profit wie Axel Springer. Pro Quartal erwirtschaftet der eine mehr Gewinn als der andere in einem ganzen Jahr Umsatz. Unsere Geschäftsbeziehung ist die des Goliath Google zu dem David Axel Springer. Wenn Google einen Algorithmus ändert, bricht bei einem unserer Tochterunternehmen in wenigen Tagen der Traffic um 70Prozent ein. Das ist ein realer Fall. Und dass dieses Tochterunternehmen ein Wettbewerber von Google ist, ist dabei sicher Zufall.

Unsere Werte, unser Menschenbild, unsere Gesellschaftsordnung

Wir haben Angst vor Google. Ich muss das einmal so klar und ehrlich sagen, denn es traut sich kaum einer meiner Kollegen, dies öffentlich zu tun. Und als Größter unter den Kleinen müssen wir vielleicht auch in dieser Debatte als Erste Klartext reden. Sie haben es selbst in Ihrem Buch geschrieben: „Wir sind überzeugt, dass Portale wie Google, Facebook, Amazon und Apple weitaus mächtiger sind, als die meisten Menschen ahnen. Ihre Macht beruht auf der Fähigkeit, exponentiell zu wachsen. Mit Ausnahmen von biologischen Viren gibt es nichts, was sich mit derartiger Geschwindigkeit, Effizienz und Aggressivität ausbreitet wie diese Technologieplattformen, und dies verleiht auch ihren Machern, Eigentümern und Nutzern neue Macht.“

Die Diskussion über die Macht von Google ist also keine Verschwörungstheorie von Ewiggestrigen. Sie selbst sprechen von der neuen Macht der Macher, Eigentümer und Nutzer. Bei den Nutzern bin ich da langfristig nicht so sicher. Da folgt auf Macht schnell Ohnmacht. Und genau deshalb müssen wir diese Diskussion im Interesse eines langfristig gesunden Ökosystems der Digital-Ökonomie jetzt führen. Das betrifft den Wettbewerb. Aber nicht nur den ökonomischen, sondern auch den politischen. Es betrifft unsere Werte, unser Menschenbild und unsere Gesellschaftsordnung weltweit und – aus unserer Perspektive – vor allem die Zukunft Europas.

Wem gehören die Daten?

Nach Lage der Dinge wird Ihr Konzern in den verschiedensten Bereichen unseres professionellen und privaten Alltags, im Haus, im Auto, im Gesundheitswesen, in der Robotronik eine führende Rolle spielen. Das ist eine riesige Chance und eine nicht minder große Bedrohung. Ich befürchte, es reicht einfach nicht, wie Sie es tun, zu behaupten, Sie wollten aus der Welt einen „besseren Ort“ machen.

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