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Beruf Youtuber : Videos aus dem WG-Zimmer

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Zwischendurch eine Schleife

Er brauchte aber etwas, um die neuen Fans und Abonnenten, die ihm dieser Hit bescherte, bei Laune zu halten; etwas, das er – bei allem Hang zur Prokrastination – einigermaßen regelmäßig produzieren konnte. In einem kleineren Zweitkanal hatte er schon damit begonnen, mit einer Loopmaschine zu spielen. Aus einzelnen Geräuschen, Effekten, Rhythmen und Melodien, die er einspielt und die endlos wiederholt und kombiniert werden, setzt er nach und nach Songs zusammen: „Ein Loop zwischendurch“. Und weil auf Youtube die Nähe zum Publikum besonders groß und wichtig ist, fragte er die inzwischen hunderttausend Fans auf seinem Hauptkanal, ob das etwas wäre, was ihnen auch gefallen würde.

Die Resonanz war gut, und so gibt es nun regelmäßig Loops zwischendurch, oft mit Gästen, die, während er mit Knöpfen und Instrumenten hantiert, Gesang beisteuern. Passend zur Pollensaison hat er gerade mit einem Kollegen namens Gniechel einen Allergikersong produziert, der im Wesentlichen aus geloopten Schniefern, Schnupfern und Hustern besteht.

Im wahren Leben ist Marti Fischer nicht ganz so hyperaktiv wie in seinen Videos, in denen er alles, was gelingt oder schiefgeht, mit Grimassen, Sprüchen oder Geräuschen kommentieren muss. Das ist nicht ganz unanstrengend und scheint die These zu bestätigen, dass eine ordentliche Aufmerksamkeitsdefizitstörung die beste Voraussetzung fürs Machen und Ansehen von Youtube-Videos ist. Sein Kopf ist voll von Otto-, Helge-Schneider- und Bulli-Reflexen und -Klamaukfetzen, „dieses ganze Püree hat sich irgendwann in mir manifestiert und wollte wieder heraus“, sagt er. „Ich glaube, ich höre mich selbst auch sehr gern sprechen, was für den Job sehr wichtig ist. So eine gewisse Selbstverliebtheit ist ganz praktisch.“

Traum von „gesunder Regelmäßigkeit“

Er produziert alles in seinem schmalen, 15-Quadratmeter-WG-Zimmer in Berlin-Prenzlauer-Berg, neben dem ungemachten Bett, zwischen Gerümpel, Kleiderschrank und einem Regal, auf dem der „Secret Talent Award“ in Form eines Springteufels steht. Seine Mitbewohner sind auch Youtuber, die mit Knowhow, Technik und Kritik helfen.

Demnächst zieht er mit dem größten Teil seiner Technik in ein Büro. Er ist Teil einer Gruppe ambitionierter Web-Video-Macher, die sich „301 plus“ nennen und gemeinsame Arbeitsräume beziehen wollen. Fischer malt sich das aus als einen Traum von Professionalität und Kreativität: „Da werde ich jeden Tag drinsitzen und amtlich mein Ding durchziehen, stringent und kontinuierlich an meinen Youtube-Videos und den ganzen Projekten arbeiten.“ Von einer „gesunden Regelmäßigkeit“ träumt er. Und davon, irgendwann mit einigen der bekannten Leute, die er imitiert und parodiert hat, gemeinsam Videos und Musik zu machen. Das große Youtuber-Netzwerk Mediakraft wird er, wie so viele bekannte Kollegen, im Herbst verlassen.

„Youtube ist eine der besten Möglichkeiten, sich in einem audiovisuellen Medium auszudrücken, wie man es möchte, ohne dass einem einer sagt, was man zu tun und zu lassen hat“, sagt Fischer. „Und die beste Möglichkeit für den direkten Kontakt mit den Zuschauern.“

Online funktioniert diese Nähe besser als im analogen Leben. Als er im vergangenen Jahr bei den Videodays in Köln die verrückte Idee hatte, den Backstagebereich zu verlassen und einfach mal den Merchandising-Stand zu besuchen, musste er den Versuch trotz Begleitung eines eigenen Sicherheitsmannes abbrechen. Er wurde von zu vielen Fans belagert, die ein Selfie wollten oder ein Autogramm oder ihm ihr Handy hinhielten, damit er mit der Freundin sprach, die leider nicht kommen konnte.

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