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„Markenchecks“ im Ersten : Testprobiert und abgehakt

  • -Aktualisiert am

Rewe legte eine Beschwerde gegen den „Edeka/Rewe-Check“ ein Bild: WDR

Die „Markenchecks“ im Ersten sind zwar beim Publikum beliebt, provozieren aber auch Kritik, weil sie sich die Verbraucheraufklärung ziemlich einfach machen.

          Als das Erste Mitte Juni die neue Staffel seiner „Markenchecks“ begann, glich das einem wahren Expertenexzess: In 45 Minuten kamen ein Materialprüfer von der Versuchs- und Prüfanstalt, ein Sachverständiger der Maler- und Lackiererinnung, ein Gutachter der Landwirtschaftskammer, ein Sachverständiger für Garten- und Landschaftsbau, ein Elektriker, ein Experte der Innung Sanitär- und Heizungstechnik Rhein-Erft, ein Holzforscher, ein Universitätsprofessor mit dem Fachgebiet Moorlandschaften und eine lettische Naturschützerin zu Wort. Am Ende des „Bauhaus-Obi-Checks“ wussten die Zuschauer: Billiges Werkzeug aus dem Baumarkt ist schlechter als teures, die Beratung ist mal so, mal so, beim Fachhändler gibt’s auch gute Preise - und der Ökofaktor der großen Ketten ist „ausbaufähig“.

          Nirgendwo sonst im deutschen Fernsehen wird mit so großem Aufwand an so kleinen Erkenntnisgewinnen gearbeitet. Die „Markenchecks“ erfreuen sich dennoch großer Beliebtheit - zumindest beim Publikum. Zweimal im Jahr produziert die Redaktion von Detlef Flintz derzeit neue Folgen. Zuletzt lief schon der zweite „Aldi-Check“, der mit 4,62 Millionen Zuschauer die meistgesehene Sendung des Tages war.

          2011 erfand der WDR-Journalist die Reihe fürs Dritte Programm und wählte den Anglizismus „Check“, weil ein klassischer „Test“ im Zweifelsfall juristischen Kriterien genügen müsste. Nach dem Wechsel ins Erste sorgte die Reihe zunehmend für Verstimmung - bei den „gecheckten“ Unternehmen. Der Reiseveranstalter TUI erklärte nach der Ausstrahlung des „TUI-Checks“ im Januar, man sei „schockiert über die Art und Weise, wie dieser Beitrag gestaltet wurde“. Die Supermarktkette Rewe legte eine Beschwerde gegen den „Edeka/Rewe-Check“ ein, die derzeit im Schneckentempo durch die Sendergremien gereicht wird. Auf einem Kongress machte der Pressechef von Coca-Cola Deutschland im Frühjahr seinem Ärger über den „Coca-Cola Check“ Luft.

          Fast alle „Markenchecks“ sind identisch aufgebaut

          Die Unternehmen beklagen, ihre Positionen zu kritischen Themen würden stark verkürzt dargestellt oder durch den Schnitt in einen falschen Zusammenhang gerückt. Sie vermuten, es gebe ein fertiges „Drehbuch“ zur Sendung, bevor das Team zu Aufnahmen vorbeikomme. Über Pressemitteilungen und soziale Netzwerke schaffen die Firmen Gegenöffentlichkeit.

          Flintz hält dagegen: „Wir versuchen, mit einer freundlich-positiven Stimmung in jede neue Sendung einzusteigen - aber das ändert nichts an der Tatsache, dass wir den Unternehmen kritisch auf die Finger schauen wollen.“ Die Vermutung, in der Redaktion stehe das Fazit von Anfang an fest, weist er zurück: „Wir gehen völlig ergebnisoffen an eine Recherche heran. Es gibt keine festen Thesen im Vorfeld.“

          Dass sie vor einem Millionenpublikum zur Hauptsendezeit im deutschen Fernsehen angegangen werden, ist für viele Firmen ungewohnt. Vielleicht sind die Empfindlichkeiten deshalb so groß. Richtig ist aber auch, dass fast alle „Markenchecks“ identisch aufgebaut sind. Anfangs wird über Geschmäcker, Preise, Image und Werbewirkung geredet - am Ende katapultiert der „Markencheck“ seine Zuschauer aus der Fußgängerzone in Entwicklungsländer, wo die Redaktion Dumpinglöhne und miese Arbeitsbedingungen bei Zulieferfirmen anprangert, die auf das Unternehmen zurückfallen. Gewerkschafter und Umweltaktivisten bestätigen die Zustände. Als Masche mag Flintz den Ablauf aber nicht verstanden wissen: „Wir wollen nicht krampfhaft im Dreck wühlen. Das Problem ist eher, dass viele große Markenhersteller, was das Thema soziale und ökologische Rahmenbedingungen angeht, Nachbesserungsbedarf haben.“

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