25.02.2009 · Soll der Vertrag von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender nur aus parteipolitischen Gründen nicht verlängert werden? Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck beschuldigt Roland Koch und Angela Merkel, Brender politisch zu instrumentalisieren.
Von Thomas HollErstmals öffentlich und in scharfer Form hat sich der rheinland-pfälzische Ministerpräsident und Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrats, Kurt Beck (SPD), in den Streit um die Verlängerung des Vertrags von Chefredakteur Nikolaus Brender eingeschaltet. Beck beschuldigte indirekt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), über die Mehrheit der Unionsvertreter im Verwaltungsrat und den stellvertretenden Vorsitzenden, Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU), aus machttaktischen und parteipolitischen Gründen die Vertragsverlängerung Brenders verhindern zu wollen (siehe auch: Was haben Sie gegen Nikolaus Brender?). „Es ist nicht aus der Luft gegriffen, dass die Quellen für ein solches Verhalten nicht in erster Linie in der Hessischen Staatskanzlei zu suchen sind, sondern in Berlin.“
Das dahinterstehende Machtkalkül, „über drei Banden gespielt, eine neue Besetzung des ZDF-Hauptstadtstudios zu erreichen“, werde indes nicht aufgehen, sagte Beck am Mittwoch in Mainz. „Wenn dieses Kalkül nicht aufgeht und nur der Schaden für den Sender bleibt, sollte man es lassen. Dieser Appell geht tief ins Kanzleramt.“ In Berlin sei die „Basis“ für die Verhinderungsstrategie nach dem Motto „Den nicht, koste es, was es wolle“. Beck vermutete auch eine Verzögerungsstrategie, mit der erst Brender verhindert werden solle, um dann die Neubesetzung des Chefredakteurspostens und des Hauptstadtstudios nach der Bundestagswahl am 27. September zu entscheiden. Da werde jetzt „mit großen Kanonenkugeln hineingeschossen, um einschüchternd zu wirken“.
Parteipolitische Gründe
Brender sei jedoch ein „hervorragender Journalist“. Die SPD-Seite im Verwaltungsrat habe ihn bei seiner Berufung „mitgetragen, ohne zu fragen, ob er uns politisch nahesteht“. Gleichzeitig wies Beck Berichte über seinen angeblichen Unmut gegen den Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Peter Frey als „blanken Unfug“ zurück: „Dass ich mit ihm über Kreuz sei, ist frei erfunden.“ Die von Koch im Gespräch mit dieser Zeitung genannten fachlichen Bedenken gegen den 60 Jahre alten Brender nannte Beck „vorgeschoben“. Man werde „immer Kritikpunkte gegen jemand finden, wenn man sucht“. Es gebe nicht „annähernd einen Grund, eine solche Entscheidung gegen eine Person zu rechtfertigen“.
Die nun entstandene Situation bedeute „einen Rückfall in Zeiten, von denen ich dachte, sie sind überholt“. ZDF-Intendant Markus Schächter habe ihn wissen lassen, dass er beabsichtige, auf der Sitzung des Verwaltungsrats am 27. März eine Vertragsverlängerung Brenders vorzuschlagen. Vor Weihnachten 2008 habe es erste Hinweise an ihn gegeben, berichtete Beck, dass es von Unionsseite Bedenken gegen Brender gebe. In den folgenden Wochen habe es deshalb „eine Vielzahl von Vier-Augen-, Sechs-Augen-Gesprächen und was man noch so machen kann“, gegeben. Dennoch „hat man uns signalisiert, dass die Unionsseite nicht gewillt ist, Brenders Vertrag zu verlängern“.
Er werde trotzdem „die Zeit bis zum 27. März nutzen, darauf hinzuweisen, was es für das ZDF bedeutet, wenn wir eine solche Situation herbeiführen, wie wir sie vor der letzten Intendantenwahl hatten“. Die Vertreter der SPD im Verwaltungsrat machten keinen neuen Personalvorschlag. Dies sei allein Sache des Intendanten: „Was sollen denn die Mitarbeiter des ZDF denken, wenn man nur genügend parteipolitisch Druck machen muss, und dann wird derjenige fallengelassen wie eine heiße Kartoffel. Das sieht der Intendant genauso.“
Beck der scheinheilige
Wolfgang Faßbender (Orwell84)
- 25.02.2009, 18:23 Uhr
Jaja der Herr Beck...
Christian Ruf (Neuling2008)
- 25.02.2009, 18:33 Uhr
Alarm bei den Linken
Rudolf Valentino (Rudi24)
- 25.02.2009, 19:27 Uhr
Leiter des ZDF Hauptstadtstudios, Dr. Peter Frey, neuer Chefredakteur des ZDF ?
Günther Janssen (GuGJanssen)
- 25.02.2009, 20:59 Uhr
Jetzt wissen wir, was Sache ist.....
wolf haupricht (emilgilels)
- 26.02.2009, 00:55 Uhr
Thomas Holl Jahrgang 1960, politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.
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