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Loriot Natürlich war es toll

01.07.2009 ·  Gibt es noch etwas, was über Loriot zu sagen wäre? Eigentlich nicht, doch die ARD und ihre Reihe „Deutschland, deine Künstler“ hält das nicht davon ab, dem Übervater deutschen Humors ein weiteres Denkmal zu setzen.

Von Jörg Thomann
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Gut die Hälfte der Dokumentation über den deutschen Künstler Vicco von Bülow ist vorüber, da geschieht etwas Unerhörtes: Jemand kritisiert Loriot. Und zwar nicht der Meister selbst in seiner bekannten selbstironischen Art, sondern einer seiner einstigen Mitstreiter.

Heinz Meier ist es, einst meistbeschäftigter männlicher Nebendarsteller in Loriots dramatischen Werken, ob als kahles Familienoberhaupt Hoppenstedt oder als verwirrter Lottogewinner Erwin Lindemann. Nun, bald achtzig Jahre alt, rammt Meier einen Brückenpfeiler nach dem anderen ins deutsche Welthumorerbe Loriot. Er erzählt von der ersten, „enttäuschenden“ Begegnung mit ihm, von den gemeinsamen Dreharbeiten, die „dermaßen humorlos und trocken“ verlaufen seien, und vom Schauspieler von Bülow, der - etwa als Weinvertreter Blühmel - „gnadenlos chargiert“ habe: Wer sich das an seiner Bühne geleistet hätte, so der ehemalige Theaterleiter Meier, „den hätte ich nie wieder genommen“. Doch die Unesco muss nicht einschreiten: Am Ende kann sich auch der Grantler Meier die Ehrfurcht nicht verkneifen. „Das, was wir gemacht haben“, sagt er, „das war natürlich toll.“

Alles gesagt?

Wer es zum Protagonisten der Dokumentarreihe „Deutschland, deine Künstler“ bringen möchte, deren zweite Staffel mit dem Loriot-Film startet, sollte neben seinem künstlerischen Rang ein beträchtliches Maß an Popularität mitbringen. Diesmal werden Anne-Sophie Mutter, Iris Berben, Kurt Masur, Christoph Schlingensief und „Tote Hosen“-Frontmann Campino bedacht. Claudia Müller fiel mit der Loriot-Folge nicht die leichteste Aufgabe zu. Nach den Würdigungen zu Vicco von Bülows Fünfundachtzigstem im vergangenen November, darunter ein neunzigminütiges ARD-Porträt, nach der Veröffentlichung seines Gesamtwerks auf DVD und angesichts der nicht mehr ganz kurzen Liste „letzter“ Loriot-Interviews scheint es verwegen, noch unbekannte Seiten des Künstlers beleuchten zu wollen. Nicht zuletzt Vicco von Bülow selbst findet, dass nunmehr eigentlich alles gesagt sei.

Und tatsächlich beschert uns das wiederum letzte Interview, das von Bülow Claudia Müller für ihren Film gewährt hat, mancherlei Wiederholungserlebnisse. Noch einmal hören wir die launige Replik, die Viccos Vater auf dem Sterbebett dem Sohne auf dessen Satzanfang „Ich kann mir nicht vorstellen ...“ gab („Du brauchst dir nicht vorstellen, ick kenne dir ja“), noch einmal hören wir von der Vermutung des Knaben, es sei üblich, dass Mütter stürben, wenn ihre Kinder sechs sind. Was prägend war für Leben und Schaffen, wird im Film sorgsam aufgelistet: die Menschen und die Möpse, die großen Themen des Scheiterns im Allgemeinen, der scheiternden Kommunikation im Speziellen und der scheiternden Kommunikation zwischen den Geschlechtern im ganz Speziellen, die fortdauernde künstlerische Auseinandersetzung mit dem Alter. Handverlesene Gesprächspartner wie Stefan Lukschy, langjähriger Freund und Regisseurskollege von Bülows, oder der Loriot-Bewunderer Hape Kerkeling steuern Anekdoten und Analysen bei.

Überraschend ist das nur selten und doch, wie könnte es anders sein bei diesem Gegenstand, unterhaltsam. Auch den angestrebten „Werkstatt-Charakter“ erreicht der Film, indem er aufzeigt, dass das komische Genie sich ohne harte Humorarbeit kaum hätte entfalten können. „Jede Art der Komik, die man wiedergeben möchte, ist ein Konstrukt und geht über den Intellekt“, sagt Loriot. Und dann, ganz beiläufig, erfährt man doch noch etwas, was nur ganz wenigen bekannt gewesen sein dürfte: Im Jahr 1989, nach Herbert von Karajans Tod, haben die Berliner Philharmoniker, mit denen Loriot eine langjährige lose Liebesbeziehung verbindet, ihm tatsächlich eine feste Partnerschaft angeboten. Darüber hätte man dann doch gern ein wenig mehr gewusst.

Deutschland, deine Künstler läuft jeweils mittwochs und donnerstags um 22.45 Uhr im Ersten. Den Auftakt machen heute Abend Loriot und morgen Anne-Sophie Mutter.

Quelle: F.A.Z.
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