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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Logistikfirma GLS blamiert sich Nachtreten gegen Günter Wallraff

 ·  Alles, was der Logistikfirma GLS zur RTL-Reportage „Günter Wallraff deckt auf“ einfällt, ist mehr als lahm. „Einseitige Berichterstattung“, heißt es. Das ist reiner Zynismus.

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Was für eine lahme Replik. Was fällt der Logistikfirma GLS zu der Reportage von Günter Wallraff ein, die von der Ausbeutung der Paketfahrer handelt, die für GLS, wie bei RTL zu sehen, für einen Hungerlohn zwölf bis vierzehn Stunden pro Tag unterwegs sind? „Einseitige Berichterstattung.“ Wow. Und noch besser: Man akzeptiere „keine despektierlichen Äußerungen über Subunternehmen und deren Fahrer in ihrem Unternehmen.“

Das ist der reine Zynismus. Denn über die Fahrer und die Subunternehmer, die sich totschuften für nichts oder am Ende mit einem Berg von Schulden dastehen, hat sich Wallraff mitnichten „despektierlich“ geäußert. Dafür über „Verhältnisse wie im Frühkapitalismus“, für die GLS verantwortlich sei. In Wallraffs Stück aufzutauchen, traute sich niemand aus der Geschäftsführung der Firma, auch in der nachfolgenden „Stern TV“-Runde glänzten sie durch Abwesenheit.

Der Ertrag bleibt ungeschmälert

Aber am Tag darauf von hinten durch die Brust ins Auge nachtreten: ganz groß. Dabei hat der alte Mann noch einmal gezeigt, wie es geht. Sah er zuerst als mickriger Paketfahrer eher unfreiwillig komisch aus, wurde sein Report von Minute zu Minute besser, schilderte er doch, wie das Ausbeutungssystem funktioniert: GLS delegiere die unternehmerische, die soziale Verantwortung und das finanzielle Risiko an die Subunternehmer, die um nichts besser dastehen als die Fahrer. Inklusive Stundenlohn von 3,14 Euro und brutto 1300 Euro am Ende des Monats, wenn man von GLS nicht noch Strafen nach dem unternehmenseigenen ominösen „Bußgeldkatalog“ aufgebrummt bekommt.

Günter Wallraff ist nicht der Erste, der solche Verhältnisse schildert. Der NDR hat es im vergangenen Jahr in dem Stück „Die Paketsklaven“ auch schon getan, auch mit einem Reporter undercover, auch aus der Perspektive der Betroffenen. Insofern ist die Attitüde von RTL (“seine Enthüllungen haben Deutschland verändert“) etwas übertrieben und Wallraffs Erstaunen, dass ihn (auch mit Perücke) niemand erkennt, ein unfreiwilliger Ausweis nicht unterentwickelter Eitelkeit. Aber das schmälert den Ertrag seines Stücks mitnichten. Es kann nicht genug Reportagen über Scheinselbständigkeit, Ausbeutung und moderne Sklaverei in der Dienstleistungsgesellschaft geben. Soll er weitermachen, der Mann, der „bei ,Bild’ Hans Esser war“.

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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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