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Literatur Frau Kuttner aus Berlin ist da

15.09.2006 ·  Ihre Kolumnen sind lustig. Manchmal. Oft aber auch nicht. Das ist egal. Die Kuttner, die kann's. Steht auf einer Bühne in Darmstadt, berlinert, ulkt, reißt Schoten. Selbstbewußt. Doch mit einem Moment ist sie weg, ihre Souveränität.

Von Felix Wadewitz
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Ihre Kolumnen sind lustig. Manchmal. Oft aber auch nicht. Das ist egal. Die Kuttner, die kann's. Steht auf einer Bühne in Darmstadt, berlinert, ulkt, reißt Schoten. Wenn spontan, dann komisch. Wenn vorgelesen, dann naja.

Sarah Kuttner. Für manche ist sie „diese Fußball-Tussi“, weil sie bei der WM ein paar Einspielfilmchen für die ARD gemacht hat. Andere sehen in ihr die einzig denkbare Harald-Schmidt-Nachfolgerin. Ihr selbst ist das wurscht: „Du hast eh keine Kontrolle darüber, wie die Leute dich sehen.“ Kuttner sitzt in den Katakomben der Darmstädter Centralstation, raucht und redet. Und das ziemlich schnell. Auch das ,weeßte' am jedem zweitem Satzende ist vertraut.

Gleich wird sie aus ihrem Buch „Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens“ vortragen. Sie wird Leute auf die Bühne holen und sehen, was passiert. Sie wird Fragen beantworten, die das Publikum zuvor auf Karteikarten geschrieben hat. Sie wird die Show unterbrechen, weil sie pinkeln muß. Und sie wird schlagfertig sein. Das kann sie am besten. „Das ist mein Talent, so bin ich eben“, sagt sie. „Das hab' ich geerbt.“ Diese Schlagfertigkeit hat sie berühmt gemacht. Ihre Selbstironie macht sie zu einer Ausnahme. Kuttner ist 27 Jahre alt - in dem Alter fangen andere gerade an, Praktika zu machen. Sie dagegen hat bereits das Ende ihrer ersten Fernsehshow erlebt.

„Ich habe etwas gespart“

Vor fünf Jahren setzte sich Kuttner bei einem Casting gegen 1500 Mitbewerber durch und wurde Moderatorin beim Musikkanal Viva. Dort ließ sich vor laufender Kamera einen Weisheitszahn ziehen und interviewte Musiker. Was man halt so macht bei Viva. Dann kam „Sarah Kuttner - Die Show“ - und das Feuilleton rastete aus vor Begeisterung. Kuttner redete, witzelte, polarisierte und stellte ein paar Bands vor. Plötzlich war sie für diese Zeitung „Leitfigur der unter 30-Jährigen“; für den „Spiegel“ und die „Spex“ hieß sie „Stilikone“ und „vorlaute Heilige ohne irdische Konkurrenz“. Das ist ziemlich viel auf einmal.

Im August kippte Kuttners neuer Arbeitgeber MTV die Show aus dem Programm. Begründung: zu teuer, zu wenig Mainstream, zu tiefe Quote. Das Klingelton-Publikum wird nun nicht weiter mit Roger-Willemsen-Interviews und subtiler Kritik an „Bild-Zeitung“ und Co. belästigt.

„Ich bin eher trotzig als traurig“, sagt Kuttner über das Ende der Show. „Das war mein Baby. Und dann das. Wenn ich es zur Adoption frei gegeben hätte, okay. Aber das, das war eine Entführung.“ MTV hätte sich solch eine Sendung ruhig weiter leisten können. Jetzt schaut sie kaum noch Musikfernsehen. „Früher habe ich das aus beruflichen Gründen gemacht, um zu sehen wie die Kollegen so drauf sind.“ Und nun? „Ich habe etwas gespart. Bin eigentlich sehr entspannt, obwohl ich ,arbeitslos' bin.“ Wie gehts weiter? Sie wäre nicht die erste, die nach der Absetzung der eigenen Sendung das Fach wechseln würde. Schauspielerei vielleicht? „Ein Gefühl sagt mir, ich könnte das. Aber ich werde mich nicht vordrängeln. Bin ohnehin lieber mein eigener Regisseur.“

Günther Jauch muß nicht aus ihr werden

Also Fernsehen. „Ja, ich führe Gespräche - das klingt so hochtrabend, ist aber so. Und überlege, was ich will: Privatfernsehen oder öffentlich-rechtlich; große Sendung oder lieber nicht. Das ist schon ein großer Schritt weg vom behüteten Musikfernsehen, wo man viel machen kann, ohne den ganz großen Quotendruck zu haben.“ Große Karrierepläne habe sie aber nicht in der Schublade, ein Günther Jauch müsse nicht aus ihr werden. Etwas Geld verdienen, zufrieden sein, das wär's schon. Vielleicht könnte sie einfach bei Harald Schmidt anfangen, als Dauergast. Allein ihre Auftritte in seiner Show lohnen die Erstanschaffung eines Fernsehgeräts. Fünf Mal war sie dort und stets auf Augenhöhe mit dem Meister. „Viele Leute haben hysterische Angst vor ihm - ich eben nicht. Bei Schmidt entlarven sich die Leute höchstens selbst.“ Die ewigen Vergleiche, was soll's. „Ganz doof sind wir ja beide nicht.“

Die Frau Kuttner aus Berlin. Zeitungsinterview hier, Besuch eines Radiosenders dort. Die Medienspielchen macht sie mit. Bis zu einem bestimmten Punkt. Was war da noch zwischen ihr und Benjamin von Stuckrad-Barre? „Das geht dich einen Scheißdreck an!“ Sie lacht laut. So eine Frechheit. Privat ist privat.

Für einen Moment die Souveränität weg

Vor dem Hauptstadtpublikum hatte sie noch Bammel. Das ist so verwöhnt. „Bei Darmstadt mache ich mir da keine Sorgen.“ Sie muß ja nur vorlesen und komisch sein, was soll da groß passieren. Die Show läuft gut, die Leute kichern an den richtigen Stellen. Dann wird Kuttner von Katharina aus dem Publikum proviziert. So ein bißl moderieren, das könne ja jeder. Da ist sie plötzlich für einen Moment weg, die Souveränität. „Jeder, der das denkt, sollte sich mal auf so eine Bühne stellen“, blafft Kuttner. Es klingt verletzt. Das, was sie macht, kann nicht jeder. Diese Anerkennung ist ihr dann doch wichtig.

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