Home
http://www.faz.net/-gsb-6z86g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ligarechte Das klassische Szenario

 ·  628 Millionen Euro geben die Sender künftig je Saison für die Bundesliga aus. ARD, ZDF, Sport 1 und Sky sind am Ball. Die Revolution durchs Internet bleibt aus. Sie dürfte aber nur vertagt sein.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (4)

Die Fußball-Bundesliga setzt auf das „Klassik-Szenario“. Und sie spielt auf Zeit, und das mit einer Fünfer-Abwehrkette, in der vier alte Bekannte und ein Neuling stehen: Die Senderechte für die Spielzeiten 2013 bis 2017 nämlich wurden vergeben an ARD, ZDF, Sport 1, Sky und - den Springer-Verlag. 628 Millionen Euro insgesamt lassen diese sich die Spiele pro Saison kosten. Im Schnitt, das heißt, es beginnt 2013/2014 mit 560 Millionen und endet 2016/2017 mit 673 Millionen Euro. Den Löwenanteil bezahlt der Abosender Sky mit 485,7 Millionen Euro, es folgt die ARD mit (geschätzt) rund hundert Millionen Euro, ZDF und Sport 1 dürften mit jeweils um die zwanzig Millionen Euro dabei sein.

Für die Zuschauer ändert sich so gut wie nichts, vor allem nicht bei der „Sportschau“ im Ersten, die wie bislang samstags von 18.30 Uhr an über die Spiele der ersten Liga berichten kann. Davor gibt es die Liveübertragung bei Sky und - das ist ein Novum - Clips im Internet bei Springers „Bild.de“. Damit deutet sich im Kleinen die Kräfteverschiebung an, die sich bei der nächsten Rechtevergabe richtig bemerkbar machen wird: Das Internet rückt dem klassischen Fernsehen auch beim Fußball auf die Pelle. Was man auch daran ablesen kann, dass sich der Abosender Sky die Rechte am Internetfernsehen (IPTV) gesichert hat, die bislang die Telekom hatte. Sky wirft dafür statt bislang 275 Millionen stolze 485 Millionen Euro in den Topf und sichert sich die Liverechte sowohl im klassischen Fernsehen wie im Internet und bootet die Telekom aus. Das „Liga total“-Programm der Telekom ist bald Geschichte. Der ehemalige Fußballsender Sat.1 taucht auch nicht auf.

Rund eine Milliarde Euro an öffentlichem Geld

Insofern stimmt nicht, was der Präsident des Ligaverbands (DFL), Reinhard Rauball, bei der Verkündung des Ergebnisses am Dienstag in Frankfurt, sagte - dass es nämlich nur Gewinner gebe. Es gibt einen Verlierer, sogar mit Totalverlust, und das ist die Telekom. Sky wiederum hat sich noch einmal gerettet: Als sich die Rechtevergabe herumzusprechen begann, stieg der Aktienkurs sofort, wäre es anders gekommen, läge Rupert Murdochs Sender am Boden.

Es ist das Eigentümliche an den Verhandlungen über die Senderechte an der Bundesliga, dass die vermeintlichen Horrorszenarien - so beschrieben von denen, die dann unterlegen wären - regelmäßig nicht eintreten. Die Telekom, vor der Medienrechtler wild tremolierend warnten, weil der Staat an dem Unternehmen mit 32 Prozent beteiligt ist (“Staatsferne!“), geht vollständig leer aus. Und die Gebührenzahler dürfen weiterhin einen großen Obolus für die mitunter als Grundrecht erscheinende Einrichtung namens „Sportschau“ entrichten. Wobei dieser sich angesichts der Summen, die ARD und ZDF in den nächsten Jahren für den Fußball insgesamt ausgeben, nur eine Teilmenge ist. Inklusive Champions League, für die das ZDF pro Saison 54 Millionen aufwendet, DFB-Pokal, Europa- und Weltmeisterschaften geht nämlich rund eine Milliarde Euro an öffentlichem Geld über den Tisch. Darüber regen sich die Medienrechtler nicht auf.

Das soll ihnen erst einmal jemand nachmachen

Dass ARD (die auch sonntags weiterhin die Liga hat) und ZDF dabei für die Bundesliga nicht bedeutend mehr anlegen als bislang, deutet derweil daraufhin, dass die Liga zwar auf das sogenannte „Klassik-Szenario“ setzt, das klassische Fernsehen aber tendenziell an Wert verliert. Warum sollte man dafür also jetzt noch mehr bezahlen? Den Gegenwert wird man an den Einschaltquoten der „Sportschau“ ablesen können und an den Clicks im Internet, in das Sky und der Springer-Verlag klug investieren.

Christian Seifert, der Vorsitzende der Geschäftsführung der DFL, und sein Team haben, nachdem das Bundeskartellamt die „Lex Sportschau“ aufgehoben und den Markt freigegeben hatte auch für ein Szenario, bei dem das Internet dem Fernsehen vorangegangen wäre, fürwahr trefflich verhandelt. Sie erhalten den Wettbewerb zwischen den Sendern und steigern die Erlöse um fünfzig Prozent. Das soll ihnen erst einmal jemand nachmachen. Und mit dem Thema „Sportschau“ müssen wir uns erst 2017 wieder beschäftigen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

Jüngste Beiträge

Regen in Paris

Von Nils Minkmar

Acht Monate lang durfte Regisseur Patrick Rotman den französischen Präsidenten Hollande begleiten. Entstanden ist ein Film über Regen und Depression. In Frankreichs Kinos scheint er zu floppen. Mehr 5