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Letztes Mal: Dieter Pfaff als „Bloch“ Eine Verbindung für das ganze Leben

In der letzten Folge der Fernsehserie „Bloch“ kann man sehen, welche Lücke der kürzlich verstorbene Schauspieler Dieter Pfaff im deutschen Fernsehen hinterlässt. Sie ist sehr groß.

© WDR/Frank Dicks Vergrößern Da geht sie hin, ein letzter Blick: Bloch (Dieter Pfaff) und seine Lebensgefährtin Clara (Ulrike Krumbiegel)

Wenn Jens (Devid Striesow) sich halbwegs abgeregt hat, geht er schwimmen und zählt die Fliesen im Becken. 4285 sind es auf seiner Strecke, „ein paar können sie abziehen, wegen des Startsprungs“. Beim Zählen ist Jens, der Versicherungsmathematiker, der selbstberufene Fachidiot, sich seiner selbst sicher. Genauigkeit schlägt Gefühlschaos, Chaos und blinde Wut: Immer wieder schubst Jens seine schwangere Freundin Andrea (Birgit Minichmayr), boxt sie. Tritt zu. Schlägt ihren Kopf gegen die Wand, bis sie blutet. Gleichwohl hält sie fest zu ihm. „Wir lieben uns“, sagt Jens. Aber auch von Krieg ist die Rede.

In der Selbsthilfegruppe säßen nur „Brutalos“, sagt er, und: „Ich flippe nicht ohne Grund aus.“ Bloch (Dieter Pfaff) soll ihn vor seinem Täter-Ich schützen. Und vor allem Andrea und das Baby. Doch Bloch stellt ganz andere Fragen als erwartet. „Was muss man machen, um Sie aggressiv zu machen? Was tut Andrea?“ Der Psychologe ist bereit, mit Jens zu arbeiten. Aber Andrea soll zu den Gesprächen hinzukommen. „Menschen ertragen schlimme Dinge, um schlimmere zu vermeiden“, sagt Bloch zu ihr. Sie spielt lieber das gewohnte Täter-Opfer-Spiel. Jens habe ein Problem, nicht sie, sagt sie.

Der Versuch kluger Diplomatie

Ein Nachruf ist diese Folge der Reihe „Bloch“ nun geworden, nachdem Dieter Pfaff vor kurzem verstorben ist, und sie führt vor Augen, wie groß die Lücke ist, die er hinterlässt. Als bedürfe es hierzu noch eines unumstößlichen Beweises, ist „Das Labyrinth“ spielend in der Lage zu zeigen, was Fernsehen sein kann, wenn es sich, wie es Regisseur Dror Zahavi hier tut, ganz kammerspielmäßig auffasst und seinen Darstellern und den Zuschauern nur selten und genau im richtigen Moment eine Totale zum Luftholen gibt, ansonsten aber mit der Kamera (Hubert Schick) und den Dialogen (Drehbuch: Jochen Greve und Johannes Rotter) so nah an den Figuren bleibt, dass es richtig weh tut.

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Um die Auseinandersetzung zwischen drei, eigentlich vier Personen geht es in „Das Labyrinth“, gespielt von vier Ausnahmeschauspielern: Pfaff, Minichmayr, Striesow und Ulrike Krumbiegel als Blochs Partnerin Clara. Zwei Paare, zweimal Beziehungsprobleme, zwei unterschiedliche Lösungswege. Stellungskrieg oder Waffenstillstand. Der Versuch von Friedensverhandlungen. Nebenkriegsschauplätze, Seitenscharmützel, Selbsthass und Selbstfindung. Minichmayr und Striesow: eine schlagende Verbindung. Pfaff und Krumbiegel: der Versuch kluger Diplomatie.

Alles in der Schwebe

Dieses Mal geht es für Bloch selbst ums Ganze. Der Psychologe, der immer den Problemen der anderen bis zur Selbstbeschädigung nachgespürt hat, dem seine massige Gestalt keinen ausreichenden Schutz zu bieten schien vor den Zumutungen und Defekten, die das Unglück anderer im Gepäck hat, wird von Andrea unter Druck gesetzt, als sie merkt, wie er ihr nicht auf den Leim, sondern auf den Grund geht. Für Bloch ist sie die schwierigere Aufgabe, aber Birgit Minichmayr, eine großartige Menscheneinfühlerin, macht Andrea gerade nicht zum leicht zu klassifizierenden Fall, sondern zeigt ihren übergroßen Hunger nach Bestätigung, ihre aggressiv zur Schau gestellte Sexualität, ihr krankhaftes Klammern, ihren Kontrollzwang und den immerwährenden Drang, sich als Opfer zu fühlen, auf furiose Weise. Das Weib, der Untergang.

Für Bloch wird Andrea zur Existenzfrage. Als sie sich erkannt und in die Enge getrieben fühlt, beschuldigt sie den Therapeuten der versuchten Vergewaltigung. Bloch droht der Entzug der Approbation. Dabei hat er privat ganz andere Sorgen: Clara hat ein Verhältnis. Wie Dieter Pfaff die Verletztheit seiner Figur durch ihre äußerliche Ruhe hindurch sichtbar macht, wie er als Therapeut seiner selbst unzulänglich bleibt und letzten Endes doch erfolgreich, das zeigt noch einmal, was (und wen) wir mit Dieter Pfaff verlieren. Hier wird sein Bloch in den Krieg mit einer zu jeglichem entschlossenen Gegnerin gezogen. Fern von harmlosem Gutmenschentum, fern vom naiven Alles-verstehen-heißt-alles-Verzeihen erforscht er die Bedingungen der Möglichkeit von Andreas’ Unglück. Und von Jens’ Unglück. Von Claras Unglück. Und von Blochs Unglück. Für eines der beiden Paare wird es einen Weg in die Zukunft geben. Im anderen Fall bleibt alles in der Schwebe.

Wer nie einen „Bloch“ gesehen hat, der schaue wenigstens „Das Labyrinth“. In memoriam Dieter Pfaff.

Bloch - Das Labyrinth läuft am Mittwoch, 13. März, um 20.15 Uhr im Ersten.

Quelle: F.A.Z.

 
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