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Letzte Letterman-Show : Danke und gute Nacht!

  • -Aktualisiert am

Nach 33 Jahren fiel sein letzter Gruß kurz aus: David Letterman Bild: CBS

Der Grandseigneur der Late Night hat sich verabschiedet: David Letterman zeigte zum guten Schluss noch einmal, was eine solche Show ausmacht. Er bot gleich vier amerikanische Präsidenten auf.

          Die letzten Sekunden überließ David Letterman seiner Lieblingsband. Während die Foo Fighters auf der Bühne des New Yorker Ed-Sullivan-Theater den Titel „Everlong“ spielten, verschwand Amerikas dienstältester Late-Night-Talker schon hinter den Kulissen - nach mehr als 33 Jahren, 6028 Sendungen, fast 20.000 Gästen und 52 Emmy-Nominierungen mit einem schlichten „Danke und gute Nacht“.

          Um bei seinem Abschied keine Wehmut aufkommen zu lassen, hatte Letterman sich in der Nacht zu Donnerstag prominenter Unterstützung versichert. Die früheren amerikanischen Präsidenten George H. W. Bush, Bill Clinton und George W. Bush meldeten sich per Video mit dem verheißungsvollen Satz „Unser nationaler Albtraum hat ein Ende“, bevor ihr Nachfolger Barack Obama ein ebenfalls aufgezeichnetes „Weil Letterman in Rente geht“ hinterherschickte.

          Zehn Dinge, die sie ihm schon immer einmal sagen wollten

          Für die letzte Top-Ten-Liste, jahrzehntelang eine der beliebtesten Kategorien der „Late Show“, versammelten sich die Weggefährten des Achtundsechzigjährigen dagegen persönlich im Studio. Die zehn Dinge, die sie „Dave“ schon immer mal sagen wollten? „Dass er das gleiche Parfum benutzt wie Muammar Gaddafi“, ließ die Moderatorin Barbara Walters als Nummer Neun des Countdown wissen. „Dass er es manchmal übertreibt“, mokierte sich der Komiker Jim Carrey, die Nummer Sechs. „Dass er endlich bewiesen hat, dass auch Männer lustig sein können“, witzelte die Comedienne Tina Fey, hinter Lettermans Dauergast Bill Murray an zweiter Stelle der Liste. Der Emmy-Preisträger („Saturday Night Live“), der im Februar 1982 als erster Gast in Lettermans Sendung „Late Night“ auftrat und insgesamt 44 Besuche absolvierte, hatte den Moderator schon am Vortag mit einem Sprung aus einer mannshohen Torte überrascht.

          So richtig zum Feiern war Letterman in der Nacht zu Donnerstag aber nicht zu Mute. Unter die gewohnt schnoddrigen Späße („Ich hoffe, dass ich jetzt das neue Werbegesicht der Scientologen werde“) mischten sich immer wieder Danksagungen an seinen Freund, musikalischen Direktor und Sidekick Paul Shaffer, das „Late Show“-Team und CBS. Der Sender hatte dem Moderator im Sommer 1993 den Umzug erleichtert, als NBC sich nach Johnny Carsons Abschied als Gastgeber der „Tonight Show“ für Jay Leno als dessen Nachfolger entschied. Letterman, der Carson immer wieder vertreten hatte, soll damals tief gekränkt gewesen sein.

          Dank an seinen musikalischen Direktor: Letterman und Paul Shaffer (links) Bilderstrecke

          Mit seiner Formel aus Begrüßungsmonolog, prominenten Gästen, Video-Clips, Top-Ten-Liste und Einlagen wie „Dumme Tricks mit Tieren“ avancierte er schnell zum Elder Statesman des Nachttalks. Lettermans verschrobener Humor kombiniert mit dem Border Collie Sundance, der einen Plastikbecher halten konnte, oder dem Kleinpferd Spanky, das mit dem Jack Russell Dally auf dem Rücken über Hürden sprang, zog nachts zuletzt fast drei Millionen Zuschauer vor den Fernseher.

          Madonna war nicht amüsiert

          In den talkaffinen Neunzigern schalteten durchschnittlich etwa acht Millionen ein, wenn der frühere Wetteransager aus Indiana die Stars aus der professionellen Reserve lockte. „Sie hat mehr als 80 Millionen Alben verkauft und mit einigen der größten Namen der Unterhaltungsbranche geschlafen“, kündigte Letterman im Jahr 1994 beispielsweise Madonna, eines seiner Lieblingsopfer, an. Die Popdiva revanchierte sich in den folgenden zehn Minuten mit einer Mischung aus Beleidigungen („You are a sick fuck“), Gegenfragen („Wollen Sie mir auf den Geist gehen?“) und Zungenverrenkungen.

          Ganz auf Bösartigkeiten verzichten mochte Letterman aber auch bei seinem 80 Minuten langen Abschied nicht. In dem Segment „Sketche, die wir morgen aufgeführt hätten“ witzelte er in der Nacht zu Donnerstag über die Vermögensverhältnisse der demokratischen Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton und drohte, das Kinospektakel „Mad Max“ durch den Kakao zu ziehen. Vergleichsweise harmlos kamen dagegen die Videos aus dem „Late Show“-Archiv daher, die einen noch nicht ergrauten Letterman bei Laborexperimenten und Weihnachtsvorbereitungen mit Kindern zeigten: „Die Kinder lieben mich, meine Damen und Herren.“

          Ob die Wünsche für seinen Nachfolger Stephen Colbert, das Lob auf CBS-Chef Les Moonves oder der Dank an seine Ehefrau Regina Lasko und den gemeinsamen Sohn Harry im Publikum – so emotional wie bei seinem Abschied erlebte das Publikum Letterman in den vergangenen 33 Jahren selten. Als er im Februar 2000 die Ärzte und Schwestern vorstellte, die ihm bei einer Bypass-Operation zur Seite standen, hatte seine Stimme gebebt. „Vor genau fünf Wochen haben mir diese Frauen und Männer das Leben gerettet“, sagte Letterman damals mit Tränen in den Augen. Auch nach den Terroranschlägen im September 2001 rang der Talker nach Worten, als er New Yorks Einzigartigkeit beschwor und die Bewohner der Stadt aufforderte, Bürgermeister Rudolph Giulianis Appell zu folgen: „Wir sollen zur Normalität zurückkehren, unser Leben wieder aufnehmen und versuchen, New York zu der Stadt zu machen, die sie sein sollte.“

          Acht Jahre später nutzte ein verunsicherter Letterman die „Late Show“, um seine „fürchterlich verletzte“ Ehefrau Lasko nach einer Affäre mit einer Assistentin und dem folgenden Erpressungsversuch um Entschuldigung zu bitten. „Wenn man jemandem weh tut, muss man es auch wieder in Ordnung bringen“, schrieb er sich und seinen Zuschauern ins Poesiealbum. „Ihr habt mir alles gegeben“, verabschiedete Letterman sich jetzt ähnlich gefühlvoll bei seinem Publikum, bevor er zu der Musik der Foo Fighters das Studio am Broadway verließ. „Ich sage heute zum letzten Mal im Fernsehen gute Nacht.“

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