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Veröffentlicht: 16.04.2017, 16:55 Uhr

Letzte Folge von „Girls“ Grenzen sind zu überschreiten

Nach „Sex and the City“ setzt „Girls“ den Maßstab, wie von Frauen in New York erzählt wird. Jetzt läuft die letzte Episode der Serie. Zu harmonisch wird sie sicher nicht, einem Versprechen Lena Dunhams zum Trotz.

von Julia Dettke
© Craig Blankenhorn/HBO via AP So wird von Frauen in New York erzählt: Lena Dunham in „Girls“.

„Sex and the City“ war die Serie, in der die Frauen selbst beim Sex einen BH trugen. „Girls“ ist die, in der sie auch sonst einfach ständig nackt sind (die Männer übrigens auch). Vor allem zu Hause, manchmal auch draußen. Beim Tischtennisspielen in einer fremden Wohnung (Hannah), beim Joghurtessen auf der Couch (Jessa), unter Drogen auf dem Nachhauseweg von einer Party (Shoshanna). Keiner, der hier nackt ist, ist es auf eine sexy Art. Sondern auf eine „Nimm das!“-Art. Es sieht nicht gut aus. Es soll nicht gut aussehen. Genau das ist der Punkt.

So ähnlich lautete neulich der Versuch, einem Freund zu erklären, was das Gute, das Wichtige, das Neue und Herausragende an „Girls“ ist. Weil das, auch fünf Jahre nach der allerersten und ganz kurz vor der allerletzten Folge, noch nicht jedem klar zu sein scheint. Natürlich wurde die Serie viel gelobt und vor allem wahnsinnig viel besprochen, gerade ganz am Anfang, gerade für ihren Feminismus. Auch weil Lena Dunham so jung war, als sie sie konzipierte, gerade mal vierundzwanzig. Aber das Lob kam oft von oben herab, so als sei ihr da eher aus Versehen etwas Wertvolles gelungen, mit diesem ungefilterten Ausdruck der Lebensfragen von vier Mittzwanzigerinnen in New York. Dazu kam, dass Dunham ständig mit ihrer Rolle als Hannah verwechselt wurde. Dabei wusste Lena Dunham von Anfang an genau, was sie tat.

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Wie genau, das wird deutlich, wenn man sich jetzt die allererste Folge noch mal ansieht, in der Marnie ihrem damaligen Freund Charlie morgens ihre Beißschiene in die Hand spuckt. Er nimmt sie strahlend in Empfang, kommentiert: „Oh, du hast ein Geschenk für mich?“ In der nächsten Szene sitzt Marnie auf dem Rand der Wanne, in der Hannah gerade badet. Hannah ist nackt, Marnie hat ein Handtuch um. „Es ist so unfair, dass du ständig meine Brüste siehst und ich nie deine, wenn es eigentlich umgekehrt sein müsste“, sagt Hannah. Darin steckt schon das ganze Programm von „Girls“: die Regeln der Enthüllung neu zu schreiben.

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Und dabei geht es natürlich nicht nur um die Nacktheit, sondern darum, wie genau sie weiß, was sie mit dieser Nacktheit will, wie sie sie als Leitmotiv etabliert, um von Grenzen und Grenzüberschreitung und Ausdrucksfähigkeit zu erzählen. Enthüllung ist in „Girls“ immer beides auf einmal: Geschenk und Zumutung. Eine Zumutung zum Beispiel, als Hannah in der Mitte der Serie einen Rückfall in ihre Zwangsstörung erleidet und ihre Psyche dabei noch schonungsloser ausstellt als sonst ihren Körper. Die Folge, in der sie sich das Wattestäbchen so tief ins Ohr bohrt, dass sie zum Notarzt muss, war wohl die am schwersten erträgliche Folge überhaupt.

Gerade weil „Girls“ einen zwischendurch so hat leiden lassen, ist es ziemlich gut, dass sich jetzt, kurz vor dem Ende, doch noch ein Hauch von Harmonie andeutet. Hannah ist schwanger, als Single. „Latching“ heißt die letzte Folge, und wie Dunham Hannahs stillenden Körper inszeniert, wird sicher ein Ereignis. „Wir verlassen sie jedenfalls in besserem Zustand als dem, in dem wir sie kennenlernten“, sagt Lena Dunham. Zu harmonisch wird das Ende an diesem Sonntag trotzdem nicht, das zeigen die wenigen Sekunden aus dem Finale, die HBO schon veröffentlicht hat. „Tja, du hast dich dafür entschieden, und das ist die erste Entscheidung, die du nicht mehr rückgängig machen kannst. So stick with it!“, hört man Hannahs Mutter.

Rückgängig machen lässt sich zum Glück auch die Erfindung von „Girls“ nicht mehr. Wer das nächste Mal von Frauen in New York erzählt, für den ist „Girls“ der Maßstab.

© YouTube/HBO
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