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Nachrichtensatire „Last Week Tonight“ : Kleiner Fisch im großem Teich

  • -Aktualisiert am

Sucht die alte Form im neuen Format: John Oliver Bild: AP

Die neue amerikanische Nachrichtenserie „Last Week Tonight“ mit dem Briten John Oliver war mit Spannung erwartet. In der ersten Folge galoppiert sie flott durch die Pointen, weiß aber nicht so recht, wohin sie will.

          Mit „Last Week Tonight“ debütierte gestern HBOs neue Nachrichtensatire, und der Gastgeber John Oliver, langjähriger Reporter aus Jon Stewarts „Daily Show“ begrüßte sein Publikum mit den Worten: „Willkommen bei was immer dies hier ist.“ Tatsächlich war das die große Frage im Vorfeld  - ob Oliver es nämlich schaffen würde, sich vom weithin prägenden Format der „Daily Show“ zu emanzipieren, ähnlich wie Stephen Colberts „Colbert Report“ es geschafft hatte, oder ob „Last Week Tonight“ doch bloß eine Abklatsch von Stewarts Nachrichtensatire bei einem anderen Sender sein würde.

          Die ersten Sendung konnte noch keine eindeutige Antwort auf die Frage nach dem Charakter der neuen Sendung geben. Die Sendung, die als Wochen- statt als Tagesrückblick konzipiert ist, ähnelt dem Format der „Daily Show“ stark, ohne allerdings dessen entsetzt-amüsierte Schärfe zu erreichen. John Oliver kommentierte verschiedene, in Einspielern aus dem Nachrichtenfernsehen präsentierte Themen der Woche, darunter die rassistischen Äußerungen vom Trainer der Los Angeles Clippers über den Instagram-Feed einer Freundin („schockierend, dass ein Achtzigjähriger weiß, was Instagram ist!“) und die Heiligsprechung zweier Päpste durch den amtierenden Franziskus in Anwesenheit von Benedikt XVI. („muss schrecklich sein, der viert-beliebteste Papst zu sein – vor allem, wo zwei davon tot sind“).

          Ohne britischen Akzent, aber mit vielen Worten

          Highlight war ein Segment über die anstehenden Parlamentswahlen in Indien, in dem Oliver Parallelen zum noch weit entfernten amerikanischen Wahlzirkus zog und die Frage aufwarf, warum über letzteres, nicht aber ersteres in dem amerikanischen Medien berichtet wird, war meist clever, manchmal bloß grob, aber es persiflierte gekonnt die haarsträubende Gewichtung der amerikanischen Nachrichten in einer zunehmend globalisierten Welt. Und am Schluss beglückte John Oliver seine Zuschauer mit einem wunderbar spitzen und herrlich albernen Interview des pensionierten NSA-Direktors, General Keith Alexander, zu den Gepflogenheiten seiner ehemaligen Behörde und einer neuen PR-Strategie. Auch dies ist ein Stück „Daily Show“, aber hier lief Oliver zu großer Form auf.

          Überraschend war, dass aus der entscheidenden persönlichen Geste des siebenunddreißigjährigen Moderators, seinem britischen Akzent, kaum Kapital geschlagen wurde -  der Europäer mit der kultiviert klingenden Mundart, der sich über die amerikanische Nachrichtenlandschaft echauffiert, hatte Olivers Erfolg in der „Daily Show“ mitbegründet, aber bei „Last Week Tonight“ ist dies offenbar nicht das tragende Konzept.

          Unterm Strich wirkte Olivers Satire hin und wieder allzu wortreich – als traute man dem Zuschauer den eigenen Schluss auf die Pointe nicht so recht zu. Das verwundert vor allem deswegen, weil Oliver mit Tim Carvell den ehemaligen Chefautoren der „Daily Show“ mit zu HBO gebracht hat. Überhaupt machte „Last Week Tonight“ den Eindruck, dass die Show ihren Groove noch sucht, und dass man stärker mit Lampenfieber zu kämpfen hatte, als die Konfiguration – Oliver, Carvell, HBO – das vermuten ließ.

          Im Galopp durch die Pointen

          So ganz mochte sich man in der Premiere nicht festlegen, ob man nun die Nachrichten selbst, ihre Akteure oder die amerikanische Medienlandschaft aufs Korn nimmt, und ein solch unscharfes Potpourri hätte man eher bei einem Network als bei dem renommierten Bezahlsender erwartet.
          Wer sich von „Last Week Tonight“ bei HBO eine neue, vielleicht schärfere Variante der Nachrichtensatire erhofft hatte, wurde zunächst enttäuscht – stattdessen gab´s einen eiligen, unsteten Pointen-Galopp, der Sehnsucht nach der charmanten Schärfe von Jon Stewart oder dem frech überhöhten Witz von Stephen Colbert machte. Bleibt zu hoffen, dass die Show ihr Profil in den kommenden Wochen findet.

          Das Branchenmagazin „Variety“ fragte unterdessen in einer ersten Kritik der Serie, ob John Oliver nicht besser bedient gewesen wäre, auf dem kleinen Kanal Comedy Central, wo auch Jon Stewart zu Hause ist,  die Thronfolge von Stephen Colbert anzutreten, anstatt bereits im vergangenen November auf ein HBO-Angebot aufzuspringen. Dass Colbert zum Nachfolger von David Letterman bei CBS berufen werden würde, konnte damals freilich noch niemand ahnen. Aber nun sei John Oliver , so urteilte „Variety“, eben  ein „kleinerer Fisch in einem viel größeren Teich.“

          Quelle: FAZ.NET

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