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Larry Hagman gestorben Ich war Schauspieler, nichts weiter

Er war ein Mann der Extreme. Unter seinem Rollennamen J.R. Ewing kennt ihn die ganze Welt. Und mit der Fernsehserie „Dallas“ glaubte er, den Zusammenbruch des Ostblocks bewirkt zu haben: Zum Tod von Larry Hagman.

© dapd Vergrößern Unter seinem Rollennamen J. R . Ewing weltbekannt: Larry Hagman (1931 - 2012)

Berühmte Seriendarsteller, die nicht dauerhaft den Sprung ins Charakterfach schaffen, leiden oft darunter, künstlerisch nicht voll anerkannt zu sein. Anders Larry Hagman. Der König der Seifenoper, der als „Dallas“-Bösewicht „J.R.“ Anfang der achtziger Jahre Weltruhm erlangte, sah seine Tätigkeit eher pragmatisch. „Mit vierzig“, heißt es freimütig in seiner Autobiographie, „hatte ich keine Illusionen mehr. Ich war Schauspieler, nichts weiter. Ich wollte meinen Lebensunterhalt verdienen.“

Zeitlebens ein Partymensch

1931 in Weatherford/Texas geboren, aufgewachsen in Fort Worth, hatte Hagman zunächst vor, in die Fußstapfen seiner berühmten Mutter Mary Martin zu treten und Theatererfolge am Broadway zu feiern. Die großen Träume aber schminkte sich der junge Mann nach ersten Auftritten schnell ab, um seine Kapriolen schon bald eher abseits der Bühne zu schlagen. Zeitlebens blieb Hagman ein Partymensch. Schon als Jugendlicher trank und rauchte er viel und wurde deswegen von nicht weniger als fünfzehn Schulen verwiesen.

Larry Hagman © dapd Vergrößern Sie war bezaubernd und er schwer von Begriff: Barbara Eden als Jeannie und Larry Hagmann als Major Nelson (1967).

Die Schauspielerei betrachtete er eher als Mittel zum Zweck, um das „Leben soweit wie möglich zu genießen“. Mitte der sechziger Jahre gelang ihm als leicht trotteligem Serienheld Major Nelson, der von einem weiblichen Flaschengeist (Barbara Eden) verfolgt wird, in „Bezaubernde Jeannie“ der Durchbruch in Hollywood. Hagman stieg zum Liebling des amerikanischen Fernsehpublikums auf, brauchte aber schon damals täglich Aufputschmittel und Alkohol, um überhaupt in Gang zu kommen.

Ein anderer war als „J.R.“ vorgesehen

Zur Rolle seines Lebens verhalf ihm mehr als zehn Jahre später eine Laune des Schicksals. Ursprünglich hatte David Jacobs, der Autor von „Dallas“, den Schauspieler Robert Foxworth für den Part des Öl-Barons John Ross Ewing vorgesehen. Im letzten Augenblick jedoch entschied sich Jacobs gemeinsam mit dem Regisseur Leonard Katzman für einen anderen. Vielleicht, weil Hagman mehr dem Bild des harten Kerls entsprach.

Larry Hagman © dapd Vergrößern Ein neuer Typ von Fiesling: Larry Hagman als J. R. Ewing in der Fernsehserie „Dallas“ (1981).

Schon zum Vorsprechen erschien der Texaner stilecht mit Cowboyhut. Seine Partyexzesse waren in Hollywood mittlerweile legendär. Vielleicht aber war es auch einfach nur Hagmans breites Grinsen, das Jacobs und Katzman beeindruckte. Jenes All-American-Boy-Grinsen, das wenig später bis zu dreihundert Millionen Menschen weltweit vor dem Fernseher bannte und das Hagman selbst dann noch tapfer auf Pressekonferenzen präsentierte, als er schon von einer Erkrankung gezeichnet war.

Ein neuer Typ von Fiesling

„Dallas“, das war J.R. Und J.R., das war die personifizierte Schadenfreude, ausgedrückt in Hagmans Lachen, das im Tonstudio extra noch einmal mit einem meckernden „Hähähä“ unterlegt wurde. Damit war 1978 ein neuer Typ Fiesling fürs Fernsehen geboren: der skrupelloseste Intrigant, den die Chronik der Familienserien bis dahin kannte. In dreizehn Jahren bei „Dallas“ verschliss Hagman als ewig böser Mr. Ewing rund dreißig Geliebte, trieb seine Gegner regelmäßig in den Ruin oder in den Selbstmord, zettelte in Südostasien eine Revolution an und entging nur knapp einem Mordanschlag, bis er in der letzten von 350 Folgen schließlich vom Teufel persönlich heimgesucht wurde.

Larry Hagman © dpa Vergrößern Beim Schmieden von Intrigen: Larry Hagman als J.R. Ewing in „Dallas“ (1982).

Dass er für seine Verkörperung eines Machiavelli im Soap-Format glühend verehrt wurde, hat Hagman nicht überrascht. „Frauen lieben J.R., weil sie ihn ändern wollen, Männer, weil sie so sein wollen wie er“, lautet seine oft zitierte, lapidare Erklärung. Manche Kritiker hingegen sahen im Southfork-Scheusal sogar den Prototypen eines geld- und machtgierigen Jahrzehnts, ins Extrem übersteigert – das war allerdings lange vor der New-Economy-Blase und der Finanzmarktkrise, welche die ganze Welt in Bann schlug und in Haftung nahm. Heute wirken „Dallas“ und der darin auftretende Larry Hagman wie die Beschreibung einer guten alten Zeit, als der Kapitalismus noch personifizierbar und überschaubar war.

Wie „Dallas“ den Ostblock erledigte

Es gab aber auch noch einen andere Larry Hagman: Er hat gegen den Vietnamkrieg nicht einfach nur protestiert, sondern mit der „Piece and Freedom Party“ seine eigene Protestpartei gegründet. Mit vierunddreißig Jahren hat er nicht nur aufgehört zu rauchen, sondern wurde Mitglied der militanten Kampagne „Stop smoking for life“. Auf ärztlichen Rat schonte er nicht nur für ein paar Tage seine gereizte Stimme, sondern erlegte sich prompt ein sonntägliches Schweigegelübde auf, das Hagman noch nicht einmal brach, als er seine Mutter zum letzten Mal im Krankenhaus besuchte - an einem Sonntag.

Seine Ranch im südkalifornischen Oja hatte er vollständig auf Solarbetrieb umgerüstet. Wovon der Patriot mit der strikt linkspolitischen Gesinnung überzeugt war, der fünfzig Jahre lang mit seiner Frau Maj Axelsson eine glückliche Ehe führte, das tat er radikal. Gewisse Ähnlichkeiten mit dem Sturkopf aus „Dallas“ hat er nie bestritten.

Um markige Worte nie verlegen

In kühler Geschäftsmanier hatte er seine Gage bei „Dallas“ immer weiter in die Höhe getrieben, bis sein Hang zur Übertreibung zuletzt skurrile Züge gewann. In seiner Autobiographie macht Hagman allen Ernstes die Ausstrahlung von „Dallas“ im Ostblock für den Zusammenbruch des Sowjetimperiums verantwortlich. („Als die Leute sahen, was ihnen fehlte, wurde ihnen klar, was für eine Farce der Kommunismus war.“) Gegen seinen texanischen Landsmann George W. Bush und dessen Irakkriegs-Politik zog er indes zu Felde, indem er den amerikanischen Präsidenten mit seiner Paradefigur verglich: „Für J.R. ist Bush zu unintelligent.“

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Um markige Worte war Hagman, der sich in den neunziger Jahren in Kinofilmen wie „Primary Colors“ versuchte, nie verlegen. Auch bei seinem Gastspiel in der Serie „Desperate Housewives“ und besonders bei seinem letzten Auftritt in der Rolle des J.R., als „Dallas“ in diesem Jahr wieder aufgenommen wurde, gab Hagman einen Mann, dem das Alter Tempo und Lautstärke genommen hat, nicht aber die Lust an der Intrige. Am Freitag ist Larry Hagman im Alter von 81 Jahren in einem Krankenhaus in Dallas gestorben.

Larry Hagman alias Serien-Bösewicht J.R. Ewing ist am Freitag im Kreise seiner Familie gestorben. Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© reuters Vergrößern Fernsehen: J.R.-Darsteller Larry Hagman gestorben

Quelle: FAZ.NET

 
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