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Kultserie „Twin Peaks“ : So sieht also das Böse aus

Er weiß nicht, was soll es bedeuten: Kyle MacLachlan spielt den FBI-Agenten Dale Cooper. Bild: Suzanne Tenner/SHOWTIME

Mit „Twin Peaks“ haben David Lynch und Mark Frost die Fernsehserie vor einem Vierteljahrhundert revolutioniert. Nun kehren sie zurück und zeigen erneut, was radikales Fernsehen ist.

          Vorhang auf. Special Agent Dale Cooper ist wieder da. Wie prophezeit, kehrt er nach fünfundzwanzig Jahren zurück nach Twin Peaks, den Ort, an dem alles begann – die unheilvolle Geschichte des Mordes an der jungen Schönheitskönigin Laura Palmer und die Geschichte der modernen Fernsehserie, insbesondere des Fantasy- und Mystery-Genres, die bis heute von alldem zehrt, was David Lynch und Mark Frost sich damals ausdachten.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ihre surrealistische Erzählweise, die nicht von einem Kriminalfall handelte, sondern von einem scheinbar idyllischen Ort, an dem das Böse in die Menschen fährt, nahm vorweg, was heute Standard ist: Kein Bild steht für sich selbst, kaum ein Handlungsfaden hat ein Ende, keine Figur lässt sich auf einen Nenner bringen. Am Ende von zwei Serienstaffeln bleibt die entscheidende Frage offen: Ist Laura Palmer, deren Mörder zwischenzeitlich gefunden schien, gar nicht tot? Sie erscheint Agent Cooper jedenfalls mit besagter Prophezeiung: Wir sehen uns wieder.

          Der Dale Cooper von heute freilich ist nicht der, den die Fans aus dem Jahr 1991 in Erinnerung haben. Damals spielte Kyle MacLachlan einen freundlichen, höflichen, charmanten, literweise schwarzen Kaffee trinkenden jungen FBI-Agenten, der einem Geheimnis auf die Spur kommt, das mit normaler Polizeiarbeit nichts mehr zu tun hat. Am Ende, als er zu obsiegen scheint, erleidet er die größte Niederlage. Er verlässt mit seiner zuvor gekidnappten Freundin zwar die „Schwarze Hütte“ im Wald, den Ort des Bösen, an dem auch der Geist „BOB“ umgeht. Doch fährt der Geist, der sich der Menschen bemächtigt, um seinen Taten zu begehen, in – Dale Cooper.

          Der neue und der alte Dale Cooper

          Dieser neue Dale Cooper erinnert nicht nur der äußeren Erscheinung nach – mit verklebter Rockermatte, in Lederjacke und Stiefeln – nicht an den korrekt gekleideten FBI-Agenten von einst, er mordet kaltblütig und hinterlässt eine Spur der Verwüstung. Der echte Dale Cooper ist in einem Zwischenreich gefangen und hat Gesprächspartner, die in verzerrter Slow Motion scheinbar wirres Zeug reden, inklusive Laura Palmer, die ihm sagt, dass sie weder tot noch lebendig sei und er nun gehen könne. So kehrt er zurück, ins Leben eines anderen, staunend wie ein Kind, sogar unfähig, sich die Schuhe zu binden, wiederholt langsam die Worte seines jeweiligen Gegenüber und sagt immerfort: „Call Help“.

          Ihr Tod überschattet alles in Twin Peaks: Laura Palmer.

          Im fernen New York sitzen derweil zwei junge Leute in einer Betonhalle vor einem von Kameras umringten Glaskasten, in dem irgend etwas erscheinen soll. Den Augenblick will der anonyme Auftraggeber der sinnlos erscheinenden Anordnung nicht verpassen. Tagelang lässt die Erscheinung auf sich warten, dann taucht sie auf und – richtet ein Blutbad an.

          In Twin Peaks hat der Sheriff indes von der „Loglady“, einer älteren Dame, die mit einem seherisch begabten Holzscheit spricht, erfahren, dass „etwas fehlt“, etwas, das mit dem Fall Laura Palmer zu tun hat. Also holen der Sheriff und seine Helfer die Unterlagen aus dem Keller und grübeln, was fehlt. Agent Cooper fehlt seit den Ereignissen von damals. Doch jetzt ist er, was in Twin Peaks noch niemand weiß, gleich zweimal da und wird – so viel darf man nach den ersten Folgen der neuen Serie erwarten – sich selbst und den Dämon jagen.

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