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Krimiserie „Stralsund“ : Schöner fluchen am Arbeitsplatz

Zugriff? Katharina Wackernagel und Wotan Möhring warten noch. Bild: Georges Pauly

An der Ostsee ist das Klima rauh. Zumindest in der Serie „Stralsund“, in der es um ein „Tödliches Versprechen“ geht. Die gute Besetzung sorgt für einen unterhaltsamen Fernsehabend, auch wenn das Ende allzu absehbar ist.

          Was für ein Beginn. Ein junger Mann verlässt die Fähre. Am Hafen führt er ein Telefongespräch. Den Kommissar nehmen ein paar üble Figuren vor einer Spielhalle auseinander. Sein älterer Kollege humpelt am Tatort und um einen Wagen herum, direkt am Ufer der Ostsee. Drinnen ein Toter mit Kopfschuss. Die Kollegin befragt ein paar Zeugen, einer fällt ihr auf, der gut Deutsch spricht, aber offenkundig nicht von hier ist. Schon wird sie mit der Pistole bedroht, bekommt eins auf den Schädel. Wacht auf, der Humpelnde beugt sich besorgt über sie, der eben noch Bedrängte (der nebenbei ihr Lebenspartner ist, von dem sie vielleicht ein Kind erwartet) eilt ins Präsidium, sein freier Tag ist dahin. Und der Chef? Tobt. Wie stets, aber für seine Verhältnisse noch moderat. Ein ganz normaler Arbeitstag im Kommissariat in Stralsund. Die klassische Exposition eines Fernsehkrimis.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass die letzte, dritte Folge der „Stralsund“-Reihe lief, in der die Kommissare Nina Petersen (Katharina Wackernagel) und Benjamin Lietz (Wotan Wilke Möhring) wieder ein Paar wurden. Noch ein Jahr länger ist es her, dass sie auseinander waren und ihr Kollege Karl Hidde (Alexander Held) bei einem Bombenanschlag ein Bein verlor. Das muss man im Gedächtnis behalten, will man die Feinheiten der Figurenkonstellation mitbekommen, für welche die Hauptdarsteller zu gleichen Teilen zuständig sind - Vierter im Bunde ist Michael Rotschopf, der den Kommissariatsleiter Gregor Meyer sehr schön als leicht arroganten, aber ganz und gar nicht ins Klischee des borniert-unfähigen Angebers passenden Chef spielt.

          Bestens besetzt

          Alexander Held als geplagter Schmerzensmann, der partout nicht im Rollstuhl sitzen will, ist ohnehin eine Wucht. So beiläufig wie bestimmt grüßt sein Hidde den ihm verhassten Meyer mit „Arschloch“, dass es eine Freude ist. Das spielt Alexander Held genauso selbstverständlich weg, wie er gerade vor einer Woche in „Die Kronzeugin - Mord in den Bergen“ einen dubiosen LKA-Beamten gab und davor, in Lars Beckers „Nachtschicht“, einen gescheiterten Anwalt: lauter Kleinode der vom ZDF auf dem Montagssendeplatz besonders gepflegten Fernsehfilmkultur.

          Der Film also ist bestens besetzt - auch mit Mateusz Dopieralski in der Rolle des Litauers Vitas (der junge Mann vom Hafen, der bald eine, dann die nächste Geisel nimmt und eine Rechnung zu begleichen hat) und mit Jörg Schüttauf als von diesem verschlepptem Polizisten, von dem bald klar wird, dass er derjenige ist, der etwas auf dem Kerbholz hat. Die Geschichte (Buch: Martin Eigler und Sven S. Poser; Regie: Eigler) aber ist nicht so richtig aufregend. Die Verfolger sind zwar untereinander bestens vernetzt, alle mit allen stets in Funkkontakt und einem Knopf im Ohr, was für die hiesigen Krimis als technische Revolution erscheint, aber sie kommen natürlich trotzdem ein um das andere Mal zu spät. Und das bis zum bitteren, für den Zuschauer absehbaren Ende.

          Ob Nina Petersen wirklich schwanger ist, wie ihr Freund meint, wissen wir dann immer noch nicht. Dass dieser Kommissar Benjamin Lietz wegen seiner Spielschulden noch richtig Ärger und Schwierigkeiten bekommen wird, ahnen wir hingegen mit einiger Gewissheit. Auf die Fortsetzung aber werden wir wohl wieder ein Jahr warten müssen. Und besonders Alexander Helds herrlich sich selbst behauptenden Hidde vermissen. „Arschloch!“: Das bekommt der Chef garantiert wieder zu hören. Zu Recht.

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