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Krimiserie aus Dänemark : Besessenheit, die nie fanatisch wirkt

Sarah Lund (Sofie Gråbøl) versucht Kodmani (Ramadan Huseini) zu einer Aussage zu bewegen Bild: Tine Harden

Sarah Lund ist zurück: In Søren Sveistrups meisterlichem neuen Mehrteiler klärt die Kommissarin eine Mordserie an ehemaligen Mitgliedern einer Eliteeinheit im Afghanistankreig auf.

          Zweierlei unterscheidet die mehrteiligen Fernsehthriller des 1968 in der Nähe von Kopenhagen geborenen Søren Sveistrup von allen anderen kriminalistischen Serien, ganz gleich, ob sie wie seine "Kommissarin Lund" ebenfalls in Skandinavien spielen oder irgendwo sonst im globalen Verbrechenskosmos zwischen Los Angeles, London und Schanghai.

          Jochen Hieber

          Redakteur im Feuilleton.

          Zum einen ist Sveistrup nie der Regisseur seiner Filme, als Drehbuchautor gleichwohl immer der Herr des Verfahrens und als das Hirn der Handlung der Chef aller Szenen und Bilder. Weltweit singulär ist seine Arbeit überdies durch das permanente Engführen einer Verbrechensfolge und deren Aufklärung mit dem realistischen Alltag des politischen Betriebs - von der Interaktion zwischen Agenten und Regierungsapparat etwa bei Kiefer Sutherlands "24" unterscheidet sich "Kommissarin Lund" durch institutionelle Hierarchiefreiheit: Dänemarks zivile Polizei arbeitet unabhängig von der in gleicher Sache ermittelnden Sondereinheit des Justizministeriums.

          Das dänische Fernsehen, seine norwegischen, schwedischen und mit dem ZDF auch deutschen Produktionspartner bieten Sveistrup nun aufs Neue ein Maximum an Unabhängigkeit. Wie vor zwei Jahren in der ersten, damals zehn hundertminütige Folgen umfassenden Staffel von "Kommissarin Lund" (F.A.Z. vom 31. Oktober und 21. November 2008) können sich sein Regieteam, seine Kameraleute, die beiden Co-Autoren und er selbst auch jetzt wieder opulent entfalten - fünf Folgen und 550 Minuten lang haben Sofie Gråbøl als titelgebende Kommissarin und ihr neuer, gleichrangiger Partner Ulrik Strange (Mikael Birkjaer) Zeit, um die mysteriöse Mordserie an ehemaligen Mitgliedern einer dänischen Eliteeinheit im Afghanistan-Krieg allmählich zu verstehen und eventuell auch aufzuklären.

          Sarah Lund (Sofie Gråbøl) wird von ihrem Kollegen nach dem Attentat erstversorgt

          Klare Abgrenzung zu Henning Mankell

          Handwerklich geht Sveistrup dabei bewusst einen anderen Weg als seine zumindest hierzulande (noch) bekannteren Kollegen Henning Mankell, Jussi Adler-Olsen oder der 2004 gestorbene Stieg Larsson. Schreiben und schrieben jene ihre Krimis und Thriller zunächst als Romane, die für die Verfilmung dann auf neunzig Minuten oder zwei Stunden konzentriert, also reduziert werden, so will Sveistrup bis heute von gedruckten Fassungen seiner Stoffe und Geschichten nichts wissen. Er kann es sich leisten, seine Romane ohne Umweg über den Buchhandel direkt für den Bildschirm zu erzählen.

          Der unleugbare Vorteil: Die Figuren lassen sich höchst differenziert zeichnen, die Handlung kann sich wahrhaft episch entwickeln. Aber auch das Risiko liegt auf der Hand. Leser sind allemal geduldiger als Fernsehzuschauer. Über etwas langatmige Buchpassagen geht man mehr oder weniger bereitwillig hinweg, Redundanzen auf dem Bildschirm verleiten hingegen rasch zum Abschalten oder zum Sprung auf den nächsten Kanal.

          "Kommissarin Lund - Das Verbrechen II" muss sich um derart Abtrünnige allerdings kaum Sorgen machen. Einmal gebannt in den Kosmos dieses Fünfteilers, wird man ihn bis zum Ende nicht mehr verlassen wollen. Zu Beginn wird Anne Dragsholm, eine Rechtsanwältin, ermordet aufgefunden - was zunächst wie das düstere Finale eines Beziehungsdramas wirkt, erweist sich bald als Hinrichtung aus offenbar politischen Motiven. Rasch festgenommen wird der Islamist Kodmani (Ramadan Huseini), auf dessen Internetportal sich ein gruselig erpresstes Bekennervideo der kurz danach Ermordeten findet - sie klagt Dänemark der Verbrechen in Afghanistan an.

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