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Krimireihe Es ist nicht leicht, ein anständiger Mensch zu sein

29.04.2008 ·  Und es kommt härter: Der „Kriminaldauerdienst“ nimmt wieder die Ermittlungen auf und schickt seine Beamten ins Dauerfeuer. Nichts wirkt hier erfunden und nichts in süßliche Harmonie aufgelöst. Es sind Geschichten zum Weglaufen und zum Hinsehen.

Von Michael Hanfeld
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Diese Krimiserie hat nichts, woran man sich gewöhnen könnte. Keine Fälle, die sich nach fünfundvierzig Minuten in Ermittlerglück auflösen, keine Heldentaten am laufenden Band, ja nicht einmal Charaktere, die man rundum sympathisch nennen wollte. Identifikationsfiguren sind Mangelware, leichte Unterhaltung sieht anders aus. Die Truppe, die sich Folge für Folge zum „Kriminaldauerdienst“ versammelt, wirkt mit all ihren Defekten und Abgründen vielmehr so, als hätten die „Sopranos“ bei der Polizei angeheuert. Gerade darin liegt die Stärke des „KDD“, gerade das mögen die Kritiker, und gerade das macht es für das Publikum so schwierig.

Schwierig auch deshalb, weil man beim KDD stets denkt, dass es schlimmer nicht werden kann, und es natürlich doch eine Steigerung gibt. So wie bei Jack Bauer und „24“. Die erste KDD-Staffel etwa endete mit einem Blutbad, das die Arbeit der Polizisten scheinbar für immer zunichtemachte. Der Kronzeuge tot, der Kollege, der als Einziger weiß, welcher ranghohe Beamte korrupt und im Bund mit der Mafia ist, liegt im Koma, und Kommissar Jan Haroska (Manfred Zapatka) wankt sturzbetrunken in die Szenerie auf dem Gendarmenmarkt, mitten hinein in den Todesreigen.

Streifenbeamte im Dauerfeuer

Und nun, zu Beginn der zweiten Staffel, soll der integre Schichtleiter des KDD, Helmut Enders (Götz Schubert), auch noch etwas zusammenlügen, um den schweren Fehlschlag zu kaschieren. Der stellvertretende Polizeipräsident Jacobi (Bernhard Schütz) zwingt ihn dazu, ansonsten geht es der gesamten Truppe an den Kragen. Damit nicht genug, soll Enders auch noch einen Kollegen ans Messer liefern, ein Bauernopfer, der Presse zu Gefallen, wie das in der Politik so üblich ist. Der zitternde Haroska, der seine Alkoholsucht nicht in den Griff bekommt, ist genau der richtige Kandidat und - Enders' bester Freund. Dieser Polizeipräsident weiß, wie man den Pakt mit dem Teufel besiegelt und welchen Preis man für die Seele verlangt. Innensenator will der Mann werden, und er ist auf dem besten Wege dazu. Den aufrechten Polizisten schickt er auf eine Reise ohne Wiederkehr, und mit der Mafia ist er per du.

Das hätte als Grundlage für weitere Episoden eigentlich schon gereicht. Nicht so beim „Kriminaldauerdienst“, der in der anderthalbstündigen Auftaktfolge noch ein halbes Dutzend weitere Katastrophen aufbietet; in die größte davon geraten zwei Streifenbeamte, die zu einem scheinbaren Routine-Einsatz ausrücken und sofort ins Feuer geraten.

Der Dienst endet nie

Erfunden wirken diese Geschichten nicht, denn sie sind nicht erfunden. Von tödlichen Schüssen auf Polizeibeamte, die in Situationen geraten, in denen sie keine Chance haben, handeln Agenturmeldungen bald jeden Tag. Sie oder er hinterlasse zwei Kinder, heißt es an deren Ende. Was solche Geschichten bedeuten, auch jene, die nicht tödlich enden, das zeigt die Serie „Kriminaldauerdienst“. Sie zeigt einen Dienst, der nie endet; sie zeigt Menschen, die nie Ballast abwerfen können, sondern immer noch neuen draufgepackt kriegen und irgendwann unweigerlich an ihre ganz persönliche Sollbruchstelle kommen. Die eine weist sich selbst in die Psychiatrie ein, der Nächste fängt an zu saufen, und der Dritte lässt sich auf ein Spiel ein, dessen Regeln er nicht kennt.

Die Betreuer der Serie im ZDF, Axel Laustroer und Klaus Bassiner, zitieren zu der Moral der Geschichten, die ihre Autoren Edward Berger, Orkun Ertener, Oliver Hein-McDonald und Lars Kraume erzählen, den Dramatiker Luigi Pirandello: „Es ist leichter, ein Held zu sein als ein anständiger Mensch.“ Doch kommt es wohl darauf an, was man unter einem Helden versteht. Die „Helden“, also Akteure vom KDD, seien „Antihelden“, meinen die ZDF-Macher. Vor allem aber sind die Figuren, die Götz Schubert, Saskia Vester und Manfred Zapatka spielen (um nur drei aus dem hervorragenden Ensemble zu nennen), Helden, weil sie die Verhältnisse, in denen sie existieren, arbeiten und kaum je etwas zum Guten wenden können, überhaupt aushalten und nicht einfach auf und davon laufen. Denn zum Weglaufen sind die Geschichten, von denen diese Serie handelt. Und zum Hinsehen.

Kriminaldauerdienst, freitags, 21.15 Uhr, im ZDF.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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