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Krimi „Unter Verdacht“ bei Arte : Mit allen Wassern weißgewaschen

Gehen den Wasserspekulanten an den Kragen: Langner (Rudolf Krause, links), Eva Maria Prohacek (Senta Berger) und Dr. Reiter (Gerd Anthoff) Bild: ZDF/Bernd Schuller

Die interne Ermittlerin Prohacek und ihr Kollege Langner stechen eigentlich aus dem unübersichtlichen TV-Krimikosmos heraus. „Unter Verdacht - Das Blut der Erde“ weiß mit den Ermittlern aber so gar nichts anzufangen.

          Im deutschen Fernsehen gibt es mittlerweile ja sehr viele Krimiserien. Im Grunde sind es längst zu viele, wer vermag schon den Überblick zu behalten über all die Teams aus den diversen „Sokos“, „Polizeirufen“ und „Tatorten“, über neu nominierte und schon wieder abgesetzte Kommissare? Eben.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Und doch gibt es ein Paar in diesem unübersichtlich gewordenen Krimikosmos, das zwar dazugezählt werden muss, aber irgendwie aus allem rausfällt: Eva Maria Prohacek, der Senta Berger seit 2002 ein ernstes, strenges Gesicht verleiht, und ihr Kollege André Langner, den Rudolf Krause immer schön skeptisch-umständlich in Szene setzt.

          Sie sind keine Kommissare im landläufigen Sinn. Sie sind interne Ermittler. Ihre Gegner bewegen sich nicht außerhalb der Polizeireviere, sondern in ihnen, oftmals auch hier wie dort, und so kommt es, dass Prohacek und Langner meist an zwei Fronten kämpfen, denn ihre Ermittlungsarbeit in den eigenen Reihen stößt selten auf Begeisterung bei den Kollegen. Eher im Gegenteil.

          So ist es auch in diesem Fall, dem als Ausgangspunkt ein Einbruch in dem voralpenländischen Städtchen Brunnharting dient. Der Täter gibt einen Schuss ab, aus der Dienstpistole eines Polizisten. Dem Kollegen (dessen Diktion für Nichtbayern leider kaum zu verstehen ist) wurde die Pistole geraubt, sagt er. Erst nachdem Langner ihn - für seine Verhältnisse - äußerst harsch angeht (“Das glaubt Ihnen doch kein Mensch!“), gesteht der Beamte, dass er genau weiß, wo ihm die Schusswaffe abhandengekommen ist. Und damit hätte der Fall für die beiden Ermittler eigentlich erledigt sein können. Aber das ist er nicht, denn zu diesem Zeitpunkt sind erst fünfzehn Minuten vergangen, und das ist dann doch zu wenig.

          Hanebüchen vereinfachend dargestellt

          Wohl deswegen hat das Drehbuch (Rainer Berg) aus der Not, ursprünglich keine neunzig Minuten füllende Idee zu haben, eine Tugend zu machen versucht. Mehr als für den Räuber und die Dienstpistole interessiert sich Eva Maria Prohacek jedenfalls plötzlich für das Einbruchsopfer, einen gewissen Toni Schiermeier (Friedrich von Thun), der verdächtig ist, weil er keine Anzeige erstatten will. Wie der Zufall so will, und der Zufall muss oft herhalten in diesem Film, schwimmt bald eine Leiche im nahen Wasserreservoir. Ein kleines Kind stirbt in den Armen seiner Mutter, angeblich soll das Trinkwasser schuld sein - jenes Trinkwasser, das durch die von Herrn Schiermeier verwalteten Wasserwerke fließt.

          So wird aus einem Pistolenschuss bald ein Stück über korrupte Provinzpolitiker, geldgierige Manager, verfilzte Verhältnisse und kapitalistische Methoden. Das ist leider hanebüchen vereinfachend dargestellt und fällt nebenbei auch nicht in den Zuständigkeitsbereich der internen Ermittlerin Prohacek. Aber es gibt einen Trost: In der Schlussphase des Films (Regie: Andreas Herzog) winden sich nämlich die Honoratioren der Stadt, allesamt alt gewordene, aber jovial gebliebene Männer, unter den bohrenden Fragen der Kommissare - und das ist so erfreulich flott geschnitten und von allen Beteiligten so schön scheinheilig gespielt, dass man um ein Haar vergessen hätte, wie wenig dieser Film sonst mit seinen besonderen Ermittlern anzufangen weiß.

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