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Kriegsberichterstattung Hässliche Bilder

Israel verweigert ausländischen Reportern derzeit den Zutritt zum Gazastreifen: Die meisten Berichte und Fotos stammen von palästinensischen Reportern - kontrolliert durch die Hamas. Acht ausgewählte Reporter dürfen nun erstmals wieder in die Kriegszone.

© AFP Vergrößern Risiko Reporterleben: Journalisten suchen in Aschkelon Schutz vor einem Raketenangriff

Auch am Donnerstag blieb der Gazastreifen für die Mehrheit der ausländischen Korrespondenten geschlossen. Erst an diesem Freitag darf womöglich eine erste Gruppe von Reportern als „Pool“ in die Region fahren. Das setzte das Oberste Gericht gegenüber der israelischen Armeeführung durch. Bisher konnten nur einige ständig in Gaza stationierte Journalisten über den Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas direkt berichten. Die meisten Bilder und Texte aus dem Gazastreifen stammen von palästinensischen Fotografen und Reportern, die sich dem Druck der dort herrschenden Hamas beugen, wenn sie überhaupt als Journalisten arbeiten wollen. Die Hamas lässt keine Pressefreiheit zu.

Jörg Bremer Folgen:    

Aber auch Israel hat bisher wenig für die Interessen einer freien Presse in dem Küstenstreifen getan. Seit der großangelegten Militäroperation Anfang November gegen einen Hamas-Tunnel, durch den offenbar israelische Soldaten entführt werden sollten, hielt Israel die Grenzen nicht nur für Hilfslieferungen und Treibstoffe geschlossen. Auch Diplomaten und Journalisten wurde die Einreise mit Hinweis auf ihre eigene Sicherheit und die Gefährdung des israelischen Personals an den Grenzkontrollpunkten durch die Raketen und Granaten der Hamas untersagt. Die „Foreign Press Association“ (fpa), die Vertretung der etwa vierhundert ausländischen Reporter in Israel, hat diese Praxis von Anfang an bekämpft: mit Eingaben gegen die Armee, einem Vortrag bei Ministerpräsident Olmert, einem offenen Brief von Chefredakteuren aus aller Welt und jetzt mit einer Beschwerde vor dem Obersten Gericht.

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Acht Reporter dürfen rein

Diese Instanz wies nun den Staat Israel an, die Region zumindest für einen bestimmten Teil der ausländischen Reporter zu öffnen. Die Regierung soll „pools“ mit bis zu acht Teilnehmern zulassen, die gemeinsam den Erez-Grenzposten im Norden von Gaza passieren dürfen, wenn der Übergang ohnehin für Lieferungen humanitärer Güter an die Palästinenser geöffnet wird. Allerdings gilt diese Regelung nur für die Dauer des derzeitigen Kriegs. Mithin wird sich das Gericht weiterhin mit der Petition der fpa für einen allgemein freien Zugang zu jeder Zeit befassen müssen.

Fürs Erste aber können die ausländischen Reporter die Entscheidung als Sieg über das israelische Militär feiern. Es werden allerdings nur fpa-Mitglieder als Kandidaten für einen Besuch im Gazastreifen zugelassen, und der fpa ist denn auch die Aufgabe zugewiesen, die jeweils acht Journalisten unter allen Kollegen auszusuchen. Überdies verpflichtet sich Israel nicht dazu, jederzeit die Ausreise wieder möglich zu machen. Die jetzt einreisenden ersten acht Reporter werden deshalb wahrscheinlich für längere Zeit im Gazastreifen festsitzen.

Die „hässlichen Bilder“ werden zunehmen

Unterdessen betreibt Israel seine eigene Medienarbeit besser denn je, nicht zuletzt, um die Botschaft von den durch die Raketen der Hamas bedrängten israelischen Bürger weltweit zu verbreiten. Stärker noch als im Libanonkrieg von 2006 wird das entsprechende Engagement koordiniert: zwischen Außenministerium, Armeesprecher, dem Koordinator des Militärs in den besetzten Gebieten und dem Amt des Ministerpräsidenten.

Das nationale Informations-Amt NID unter der Leitung von Yarden Vatikai sammelt sämtliche Berichte. Anders als in früheren Krisen gebe es eine „enge Zusammenarbeit und abgesprochene Botschaften“, sagt Vatikai. Das Amt ist gegründet worden, nachdem im Bericht einer Richterkommission unter Oberrichter Winograd nach dem Libanonkrieg Kritik an der Berichtspolitik der Regierung geübt worden war. Die Sprecher der verschiedenen Regierungsämter absolvierten eigens ein Training für ihre gemeinsame Arbeit.

Der erfolgreichen Koordination im NID sei es zu verdanken, dass die israelischen Perspektiven in diesem Konflikt „dramatisch deutlicher“ präsentiert würden als jemals zuvor, sagt der Vizesprecher des Außenministeriums, Aviv Shir-On. Am vergangenen Sonntag hätten CNN, BBC, Sky News, Fox, Al-Jazeera English and France 24 dem Krieg im Gazastreifen insgesamt 335 Sendeminuten gewidmet und dabei israelischen Sprechern dreimal mehr Zeit eingeräumt als palästinensischen, sagt Shir-On: „Die israelische Aufklärung arbeitet derzeit gut.“ Doch werde sich das mit der Zunahme hässlicher Bilder ändern - „schon für sich ein Grund für (diplomatische) Verhandlungen“.

Auch der Hamas kommen Journalisten ungelegen

Das Bild dürfte sich auch ändern, wenn wieder mehr ausländische Reporter in den Gazastreifen dürfen. Allerdings ist noch unklar, wie die islamistische Hamas darauf reagieren wird. Als kürzlich für einige Wochen die israelische Journalistin Amira Hass von „Ha'aretz“ aus dem Gazastreifen berichtete, schien das der Hamas nicht zu behagen. Sie legte ihr rasch nahe, die Region wieder zu verlassen, weil man „nicht für ihre Sicherheit sorgen könne“.

Hamas ist nicht an einer realistischen Einschätzung der Lage interessiert. Sie setzt auf Propaganda. Auch sie zog darum in den letzten Tagen ihren Nutzen daraus, dass nur so wenige und meist palästinensische Reporter aus dem Gazastreifen berichten konnten.

Quelle: F.A.Z.

 
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