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Konferenz re:publica : Da sein, wenn entschieden wird

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Ein anderes Afrika: Erik Hersman berichtet auf der re:publica über das Digitale auf dem dunklen Kontinent Bild: dpa

Die re:publica ist mehr als eine Netzkonferenz. Auf ihr werden drängende Fragen unserer Zeit von einem ihrer Antriebe aus diskutiert: der Digitalisierung.

          Am Morgen des zweiten Tages der re:publica konnte man das Gefühl haben, nicht auf einer Netzkonferenz, sondern auf einem Motivationsseminar für angehende Führungskräfte zu sein. Catherine Barba, französische Unternehmerin, die großen Erfolg mit der Entwicklung digitaler Handelsplattformen hat, berät das Publikum in Sachen „Entrepreneurship“, Unternehmertum also. Neben scheinbar banalen Hinweisen wie dem, man solle seine Kunden lieben, gibt sie einen Ratschlag zur Stressbewältigung: Wann immer ihr die Dinge über den Kopf zu steigen drohten, schaue sie sich auf ihrem Smartphone bei Google Earth die Erdkugel aus Weltraumperspektive an - das rücke dann alles wieder in Verhältnismäßigkeit.

          Vorträge wie dieser zeigen, dass die Veranstaltungen der re:publica es nicht nötig haben, ihren Bezug zu „Internetthemen“ ständig zu explizieren. Die dreitägige Konferenz, die von Montag bis Mittwoch zum siebten Mal stattfindet, war ursprünglich ein Forum von Internet- und Technikenthusiasten, um sich über szene-interne Dinge auszutauschen. Das ist sie längst nicht mehr, schließlich ist das Internet längst selbstverständlicher Teil des Lebens der meisten Menschen, Infrastruktur unseres Alltags - und somit immer dann Teil des Themas, wenn es darum geht, darüber nachzudenken, in was für einer Art von Gesellschaft wir leben wollen. Die re:publica ist keine Netzkonferenz mehr, sondern ein Forum zur Erörterung drängender politischer und gesellschaftlicher Fragen unter dem Aspekt des Digitalen.

          Abseits der Wohlstandsfantasien von Wildheit und Savanne

          Catherine Barba denkt zur Entspannung an die Weltkugel. Aber auch für den globalen Rundumschlag, der bei der diesjährigen re:publica versucht wird, ist sie ein gutes Sinnbild. Dem Motto „In-side-out“ gemäß geht es um Innen und Außen, „virtuellen“ und „realen“ Raum, aber vor allem sollen verstärkt nichteuropäische Gesellschaften einbezogen werden. Der sich selbst als „White African“ bezeichnende, im Sudan und in Kenia aufgewachsene Technologie-Blogger Erik Hersman hielt am Montagmorgen einen Vortrag über seine Arbeit: Er arbeitet in verschiedenen afrikanischen Ländern an der Einrichtung sogenannter „iHubs“, von Orten also, an denen die Menschen in Afrika verlässlichen Zugang zum Internet und zu technischer Ausstattung haben, um selbst Konzepte entwickeln zu können.

          Als Beispiel innovativen Denkens führt er einen Mann aus Ghana an, der aus Abfällen eine Maschine entwickelt hat, mit der man Kartoffeln schälen kann. Solche Beispiele lassen die Urromantik des „Hackertums“ in ungewohntem Kontext auferstehen, in einem Afrika, das man immer noch als problembeladenen, hilfsbedürftigen Kontinent zu betrachten neigt: die Vorstellung, mit den technischen Mitteln, die man hat, Dinge umzubauen - „crazy stuff“, verrücktes Zeug, so nennt es Hersman, zu erschaffen. Die Projektionen, die er während seines Vortrags auf der Leinwand laufen lässt, zeigen vor allem eines: ein anderes Afrika-Bild. Keines der entwicklungshilfebedürftigen Kinder und Frauen, sondern ein selbstbewusstes Bild, durch das ein eigens für den Markt in Nairobi entwickeltes kostengünstiges Auto von „Moebius Motors“ zu Elektrobeats über afrikanische Landstraßen fährt, ohne dass dabei westliche Fantasien von Wildheit und Savanne bedient würden.

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