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Komödie im Ersten : Drei Frauen räumen auf

  • -Aktualisiert am

Auf großer Fahrt: Claudia Eisinger als Kristin, Gro Swantje Kohlhof als Philomena und Karin Hanczewski als Laura (von links nach rechts). Bild: ARD Degeto/Maor Waisburd

Der Freitagsfilm der ARD zeigt humorvoll, was so mancher schon am eigenen Leib erfahren musste: Familie ist kein Wunschkonzert. Dabei bindet die soziale Herkunft viel entscheidender als die biologische.

          In diesem Dreimäderlhaus war Laura (Karin Hanczewski) immer für die Rolle der „Miss Perfect“ zuständig. Aufgebrezelt wie eine Junior-Unternehmensberaterin, stöckelt sie durch die Elite-Kita, in der für Dreijährige einmal in der Woche „Planspiel Börse“ auf dem Stundenplan steht. Wann es so weit ist? „In zehn Monaten oder elf.“ Dann soll sie sich bitte umgehend auf die Warteliste setzen lassen und sich melden, wenn sie schwanger ist. Inzwischen zeigt sie den Verlobungsklunker herum, den die künftigen Schwiegereltern, Reisebüromagnaten und Lokalgrößen in Paderborn, bezahlt haben. Ihre Zukunft ist strahlend, auch wenn der Zukünftige den Charme eines Schirmständers hat. Dem Superhausfrauendasein mit Unternehmensanschluss steht nichts im Weg.

          Bei Kristin (Claudia Eisinger) läuft auch alles wie geschmiert. Abgehakt: so weit wie möglich von den Eltern weg wohnen. Abgehakt: sich von eigener Familie und Liebe fernhalten. Noch nicht abgehakt, aber im Kommen: Karriere in der wissenschaftlichen Raumfahrttechnik machen. Ganz und gar nicht geplant: vom One-Night-Stand mit dem WG-Genossen, einem Philosophiestudenten im achtzehnten Semester, schwanger werden.

          Familien haben Schwierigkeiten

          Bleibt Philomena (Gro Swantje Kohlhof), das Nesthäkchen. Die Yoga-Ausbildung hat sie auch schon wieder abgebrochen. Vielleicht ein Praktikum bei der Kripo? Das hätte sie besser nicht gemacht. Beim Spaß-DNA-Test im Kriminallabor stellt sich heraus, dass es einen Grund gibt, warum sie sich zwischen ihren zielstrebigen Schwestern fremd fühlt. Sie ist ein Kuckuckskind. Ihr Vater ist der Insel-Postbote Knut (Peter Jordan), der nicht nur Briefe auf die Hallig Langeneß gebracht hat. Blöder geht es kaum, findet Philomena und nimmt sich vor, die Bombe bei der Silberhochzeit ihrer Eltern platzen zu lassen. Selbst vor dem Betrieb eines Ponyhofs schreckten diese nicht zurück, um den Töchtern etwas vorzumachen: reine Blendung.

          Fernsehtrailer : „Familie ist kein Wunschkonzert“

          Früher war der „Freitagsfilm“ der ARD eine sehr seichte Angelegenheit. Die Produktionstochter Degeto lieferte standardmäßig Filme, die einen sanft von der Arbeitswoche ins Wochenende geleiten sollten. Ganze Länder des Lächelns und „Dein ist mein ganzes Herz“ standen auf dem Spielplan. Inzwischen wird nicht nur Operettenäquivalent gezeigt. Familie steht nach wie vor im Fokus, aber jetzt auch mal im Brennpunkt. Familien haben Schwierigkeiten mit Patchwork, sind zerrüttet, müssen mit Schicksalsschlägen, dem Altern, der Einsamkeit und immer wieder der Frage „Kind oder/und Karriere?“ fertig werden. Sozialdramen sollte man dennoch nicht erwarten. Freitags geht es in der ARD humorvoll zu, ansatzweise sogar etwas bissig, und auf eines kann man sich verlassen: Nach dem Läuterungsprozess der Figuren wird es nicht illusionsfrei ausgehen. Familienwerte und anständige Haltung setzen sich durch.

          Der Weg dahin ist das Ziel des Humors, der im Fall von „Familie ist kein Wunschkonzert“ mit gelungenen Beobachtungen und Dialogen punktet. Das Exposé des Films hat als erstes den neuen Stoffentwicklungspreis „Impuls“ der Degeto gewonnen. Für die Autoren Nadine Gottmann und Sebastian Hilger (auch Regie) ist es das erste größere Projekt. Kameramann Christoph Chassée gibt der Fahrt der ungleichen Schwestern von München über Paderborn zur Hallig den richtigen Roadmovie-Anstrich; in den Nebenrollen spielen Steffi Kühnert und Steffen Münster in zwar wenigen, aber pointierten Szenen die Eltern; Morgane Ferru gibt als Charlotte eine bewusstseinserweiternde Tramperin, und Sebastian Fräsdorf ist als Philosophiestudent Rick der herzensgute Kümmerer, der sich vorstellen kann, im neunzehnten Semester in Elternzeit zu gehen, damit Kristin forschen kann.

          Während das Leben der zielstrebigen Schwestern auf den Kopf gestellt wird, findet Philomena das Geheimnis ihres Namens heraus, sinniert über Existentielles beim Begräbnis einer toten Maus und ist so charmant wütend, dass man ihr sofort glaubt, wenn sie erkennt, dass die soziale Herkunft viel entscheidender bindet als die biologische. Dieser Nachwuchsfilm erreicht sein Freitagsziel spielend leicht.

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          Familie ist kein Wunschkonzert läuft heute um 20.15 Uhr im Ersten.

          Quelle: F.A.Z.

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