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Komödie „Arschkalt“ bei Arte In der norddeutschen Tiefkühlebene

 ·  Leichte Kost mit Mr. Frost: André Erkaus Film „Arschkalt“ ist ein wunderbarer Klamauk, der trotzdem rühren kann. Und er zeigt Herbert Knaup in einer Paraderolle als Grantler.

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© ZDF/Marion von der Mehden Vergrößern Das Leben ist kalt und hart - aber die drei von der Gefrierstelle landen auf einem aufblasbaren Iglu: Johannes Allmayer, Elke Winkens und Herbert Knaup in „Arschkalt“

Haben Sie sich auch schon immer gefragt, wie es in der Seele eines Tiefkühl-Lieferanten wohl aussieht? In André Erkaus Film „Arschkalt“ erfahren wir es. Rainer Berg, der Name suggeriert es schon, ist ein reiner Eisberg. Mürrisch sitzt er in seinem Lieferwagen mit der Aufschrift „Mr. Frost“, raucht, wo man nicht rauchen darf, und ist maximal unwirsch zu den Leuten, an deren Türen er klingelt, um Gefriergut loszuwerden. Ein Kind ruft ihm zu: „Guck mal, ich hab ’nen Luftballon!“ - Mr. Frost sagt „Nee“ und zersticht ihn.

Das Schicksal des Pangasius-Filets

Das ist alles so dick aufgetragen, dass es schon wieder lustig ist. Und wird noch lustiger, als Mr. Frost ein Kollege in den Eiswagen gesetzt wird - das war nun das Letzte, was der Eigenbrötler wollte, der bei seinen Fahrten durch die Norddeutsche Tiefebene gern Wettermeldungen aus Helsinki oder Nordpolen im Radio verfolgt. Zudem ist der junge Mann an seiner Seite eine Nervensäge und ein Tolpatsch, der im Gefrierlager erst mal den Gabelstapler gegen den Stromkasten fährt und somit die Kühlkette beim Pangasius-Filet unterbricht. Dies führt zu großen Verwicklungen.

Zur Verwirrung in Bergs bislang so gleichmäßig unterkühltem Leben trägt vor allem eine neue Vorgesetzte aus Holland namens Lieke van der Stock bei, die hart durchgreift: Berg muss den ungeliebten jungen Kollegen binnen zwei Wochen einarbeiten, sonst kann er sich eine andere Stelle suchen. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich auf der zwischenmenschlichen Ebene endlich einmal wieder etwas Mühe zu geben.

Zu allem Übel hat Berg auch noch einen kranken Vater im Heim, der glaubt, der Sohn führe das längst in Konkurs gegangene Familienunternehmen weiter - eine Fabrik für Thermostate und Plattenfroster („Seit 45 Jahren die Nr. 1 im Norden!“). In ebendieser Fabrik, die inzwischen eine Ruine ist, möchte der Vater seinen Geburtstag feiern und hat schon Gäste eingeladen. Der junge Kollege Tobias (Johannes Allmayer) hingegen muss 22 000 Euro auftreiben, um das Friseurgeschäft seiner Schwester zu retten. Und Chefin Lieke (Elke Winkens) steht unter Druck wegen des Pangasius-Problems. Gemeinsam schlittern die drei einer Katastrophe entgegen, landen allerdings zunächst nur auf dem weichen Dach eines aufblasbaren Iglus, wo sie in nächtlichem Rausch über das Dasein sinnieren. Wenig später geht durch ein Missgeschick die Flauschbude in Flammen auf.

Berückende Tiefkühl-Ästhetik

Herbert Knaup ist die perfekte Besetzung für den grantelnden Lieferanten Berg, und Johannes Allmayer schafft genau das richtige Gegengewicht zu ihm mit seiner immer leicht aufmüpfig-naiven Miene. Auch die anderen Schauspieler wie Elke Winkens, Thorsten Merten und Peter Franke tragen dazu bei, dass der Klamauk, der in den meisten Fällen wohl schrecklich schiefgehen würde, überraschend gut gelingt. Sein eigenes, hanebüchenes Drehbuch inszeniert der frühere Theaterschauspieler Erkau so geschickt, dass Tragik in der Komik aufblitzt, selbst wenn man die Geschichte keine Minute lang ernst nimmt.

Was den Film so sehenswert macht, ist aber auch seine berückende Tiefkühl-Ästhetik: Allein der Vorspann ist ein kleines Kunstwerk, auch weil den Bildern aus dem ewigen Eis, die später leitmotivisch immer wiederauftauchen, lauter gute, lakonische Sätze aus dem berufenen Munde Herbert Knaups unterlegt sind - zum Beispiel gleich der erste: „Ich denke, im Leben ist alles eine Frage der richtigen Temperatur.“

Der emotionale Eispanzer schmilzt

Während der kalte Herr Berg lange die Vorzüge der Tiefkühlung und des Schockgefrierens preist („An tiefgekühlter Haut prallt alles ab“), sich wünscht, ein Fischstäbchen zu sein, und am Arbeitsplatz die Temperatur zum Unmut seiner Kollegen noch herunterregelt („Das ist hier ein Gefrierlager und kein Gewächshaus“), wird sein emotionaler Eispanzer im Laufe dieser Geschichte, wie es sie wohl wirklich nur in einer norddeutschen Filmkomödie geben kann, langsam aufgebrochen. Das zu sehen macht Freude und sorgt sogar, was bei derartigen Filmen selten der Fall ist, zwischen allem Quatsch für Momente der Rührung.

„Arschkalt“ läuft am 15. Februar um 20.15 Uhr bei Arte.

Quelle: F.A.Z.
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