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Montag, 13. Februar 2012
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Kommunikation in Afghanistan Die Klingeltöne der Taliban

05.01.2010 ·  In Afghanistan wird nicht nur mit militärischen Mitteln gekämpft. Die Nato und die Taliban suchen die Öffentlichkeit für sich zu gewinnen. Die Taliban gewinnen dabei an Boden.

Von Severin Peters
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Getötete Zivilisten sind keine gute Werbung für den Einsatz der westlichen Streitkräfte in Afghanistan. Der umstrittene Tanklaster-Angriff von Kundus hat die Unterstützung der Deutschen für den Afghanistan-Einsatz weiter unterhöhlt. Der Bundespräsident und die SPD haben den deutschen Soldaten zwar Weihnachtsgrüße entrichtet. Doch gewinnt die Debatte über einen Abzug der Bundeswehr an Fahrt, abzulesen an den Äußerungen aus Regierung und Opposition, welche die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am vergangenen Wochenende zusammengetragen hat.

„Raus aus Afghanistan“ ist mit einem Mal die Losung, Entwicklungsminister Dirk Niebel fordert einen Zeitplan für den Abzug, der verteidigungspolitische Sprecher der SPD, Rainer Arnold, spricht davon, dass der Einsatz in Afghanistan in seiner jetzigen Form nicht mehr lange durchzuhalten sei, die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, hat sich in ihrer Neujahrspredigt gegen den Einsatz ausgesprochen, will das aber nicht als Plädoyer für einen sofortigen Abzug verstanden wissen.

Auch die Skepsis der Afghanen wächst - der Luftschlag in Kundus, die von Fälschungsvorwürfen begleiteten Wahlen, die Sicherheitslage verschlechtert sich, der Rückhalt der internationalen Truppen schrumpft. Dabei ist jedem Offizier und Diplomaten klar: Ohne die Unterstützung der afghanischen Bevölkerung ist der Krieg gegen die Taliban nicht zu gewinnen.

Die Professionalität der Taliban

Der Kampf um die Herzen und Köpfe der Afghanen ist einer mit klaren Fronten. Die Nato ist bemüht, ihren Einsatz als Unterstützung des afghanischen Volkes darzustellen. Die Taliban wiederum haben einen Kommunikationsapparat aufgebaut, dessen Professionalität selbst Nato-Militärs hinter vorgehaltener Hand Respekt zollen. Zu jedem Vorfall melden sich Taliban-Sprecher umgehend zu Wort und finden Gehör in den internationalen Medien. So dementierte ein Taliban-Vertreter im Gespräch mit Agence France Presse, dass die Aufständischen etwas mit der Entführung zweier französischer Journalisten zu tun hätten. Die beiden Fernsehmitarbeiter waren in der vergangenen Woche gemeinsam mit drei afghanischen Begleitern nördlich von Kabul verschleppt worden. Der Sender France 3 teilte mit, die Entführten seien am Leben und wohlauf.

Die Taliban produzieren Zeitschriften und Broschüren, sie pressen Filme über Heldenmythen des Widerstands auf DVD und verteilen Audiokassetten mit aktuellen Predigten. Und sie verbreiten ihre Mitteilungen über das Mobiltelefon: „Handys sind in Afghanistan weit verbreitet. Die Taliban bieten patriotische Gesänge als Klingeltöne und mp3-Download an“, berichtet Nick Grono, der Vizepräsident der International Crisis Group, die internationale Konflikte erforscht. Im Zentrum der Kommunikationsstrategie der Taliban steht die Instrumentalisierung von Luftangriffen der Nato. Die wichtigste Aufgabe der Taliban-Sprecher ist die rasche Veröffentlichung überhöhter Opferzahlen nach Nato-Operationen. Diese werden von afghanischen und auch westlichen Medienvertretern häufig übernommen, wenngleich die Skepsis gegenüber den frisierten Angaben wächst. Doch das jüngste Beispiel zeigt: Bis der Westen belastbare Fakten veröffentlicht, vergehen Tage, wenn nicht Wochen. „Die Reaktion der Nato auf Presseanfragen ist viel zu schwerfällig“, meint Nick Grono.

Beeinflussung des religiösen Diskurses

Wie die Taliban aus Luftangriffen die Entfremdung der westlichen Besatzer von der afghanischen Bevölkerung herleiten, so stürzt sich die Nato auf islamistische Selbstmordattentate, um die Taliban zu diskreditieren. Zunehmend werden diese in Predigten und Fatwas von afghanischen Geistlichen als „unislamisch“ bezeichnet - die Nato fördert diesen Trend. Auch der afghanische Präsident Karzai greift die Argumentation auf; zu einem Anschlag, der kürzlich in der Provinz Khost verübt wurde, erklärte er: „In einem weiteren unislamischen Akt haben die Feinde Afghanistans dreißig Zivilisten getötet und damit bewiesen, dass sie die islamischen Lehren nicht kennen, die das Töten Unschuldiger ächten.“

Nato-Mitgliedstaaten überwachen die Freitagspredigten einflussreicher Mullahs in ganz Afghanistan. Prediger, die sich nicht an die neuen Fatwas halten und zum Aufstand gegen ausländische Truppen aufrufen, werden dem afghanischen Religionsministerium gemeldet, welches dann Druck ausüben soll. Zwar muss die Nato die Beeinflussung des religiösen Diskurses in der Islamischen Republik Afghanistan den lokalen Behörden überlassen. Doch sie drängt die Regierung, entschieden zu handeln. So sollen die gewaltablehnenden Fatwas in Zukunft in die Schulbücher und Lehrpläne der Koranschulen sowie in das Curriculum der Mullah-Ausbildung einfließen.

Schwächen der Nato-Kommunikation

Die Nato sucht auch den direkten Draht zur afghanischen Bevölkerung. Doch ist das nicht ganz einfach, da es an Übertragungswegen fehlt. Nur wenige Afghanen etwa besitzen ein Radio. Daher ließ die Nato manuell betriebene Kurbelradios verteilen, damit jemand einen Sender wie „Radio der Freiheit“ hört. Doch auch die Taliban sind auf Sendung, wenn die Frequenzen nicht gerade vom Militär gestört werden. Die von der Nato herausgegebene Zeitung „ISAF-News“ erreicht die breite Bevölkerung kaum.

Für den direkten Weg zu den Afghanen ist die Nato nicht gut gerüstet. Sie verfügt über wenige sprachkundige und geschulte Soldaten, welche die Dorfältesten in den Schuras, den lokalen Ratsversammlungen, überzeugen könnten. Der ehemalige Nato-Sprecher Jamie Shea, während des Kosovo-Krieges als „Popstar der Nato“ gefeiert, meint: „Der Mangel an Dari und Paschtu sprechendem Personal ist eine der größten Schwächen der Nato-Kommunikation.“ Bleibt der öffentlichkeitswirksame Angriff auf den Gegner. Ein von der Nato veröffentlichtes Bild, das einen in einer Burka fliehenden Taliban zeigt, wurde von vielen lokalen und internationalen Medien aufgegriffen. Ein Taliban, der die eigenen Moralvorstellungen verrät - das ist eine Geschichte ganz nach Wunsch der Nato-Strategen.

Militärisch mag der Luftschlag bei Kundus für die Taliban eine Niederlage gewesen sein, doch können sie zugleich notieren, dass ihnen der Vorfall propagandistisch zum Vorteil gereicht: In Deutschland sucht man nach Verantwortlichen und debattiert über den Abzug aus Afghanistan.

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Eingeführte

Von Gerhard Stadelmaier

Nachhilfe zuerst: Die „Einführung“ nämlich ist republikweit an allen Theatern das meistgespielte Stück. Es dauert ungefähr eine halbe Stunde. Mehr