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Kochshow „The Taste“ : Die Fernsehköche sollten den Löffel beiseite legen

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Die Juroren bewerten Löffelgerichte. Denkt wirklich jemand, auf diese Weise fände man den „besten Koch Deutschlands“? Bild: Sat.1

Die Kochshows im Fernsehen sind ein Problem. Sie züchten das Berufsbild des „Event-Kochs“ heran und füttern kulinarische Spießer. Der neueste Auswuchs nennt sich „The Taste“.

          Der Sender Sat.1 hat eine neue Kochshow im Programm, die sich einer Sache widmet, die im Fernsehen schwierig zu vermitteln ist: dem Geschmack. Bilder, Musik oder kognitive Inhalte sind kein Problem. Aber wir können nun einmal nicht riechen und schmecken, was da so vor unseren Augen abläuft. Das soll „The Taste“ ändern. „Es geht ausschließlich um den Geschmack, das gab es noch nie“, heißt es zu Beginn. Schon wenig später merkt man: Dies ist ein Kernpunkt der Sendung, vor allem aber deren Kernproblem.

          „The Taste“ stammt aus den Vereinigten Staaten, wo die Sendung im Januar bei ABC Premiere hatte. Es läuft schon eine Fassung in China, Großbritannien folgt nächstes Jahr. Bei Sat.1 wird in sechs Folgen der „beste Koch Deutschlands“ gesucht, aus ursprünglich zehntausend Bewerbern, deren Spektrum von der Hausfrau über den Hobbykoch bis zu diversen Profis reicht. Und weil Letztere eher nicht zu den Spitzenkräften gehören, wird es wohl nur der beste Koch vom Rest werden.

          Das Verfahren ist eine kulinarische Casting-Show. Die Kandidaten haben einen Etat von fünfzig Euro und eine Stunde Zeit, um ihre Gerichte der vierköpfigen, aus Fernsehköchen gebildeten Jury in Form von Löffelgerichten zu präsentieren. Die Zubereitung findet sich also nicht auf einem Teller, sondern auf einem einzelnen Löffel. Diese Löffel werden der Jury in einer „Blindverkostung“ präsentiert. Die Juroren wissen also nicht, ob es sich um einen Amateur oder einen Profi handelt. Sie entscheiden allein aufgrund der Verkostung, ob sie den Kandidaten in ihr Team aufnehmen wollen. Ist die Entscheidung – per Knopfdruck unter dem Tisch – gefallen, bitten sie den Kandidaten herein. In den weiteren Folgen werden die Kandidaten von „ihrem“ Koch betreut und müssen diverse kulinarische Aufgaben bewältigen. Am Ende steht abermals eine Blindverkostung, bei der jeweils die schwächsten Kandidaten ausscheiden. Dem Sieger winken stramme 100.000 Euro als Prämie.

          Die Löffelgerichte überfordern Kandidaten und Juroren

          So weit die Theorie. In der Praxis zeigen sich diverse Schwächen, die mit den Juroren wie mit dem Verfahren zu tun haben. Die vier Preisrichter sind bekannte Fernsehköche, die schon seit Jahren den Bildschirm bevölkern: Lea Linster aus Luxemburg (vorgestellt als „Grande Dame der Spitzengastronomie“), Tim Mälzer („Der Rockstar unter den Fernsehköchen“), Alexander Herrmann („Dr. Koch. Der intellektuelle Feingeist“) und Frank Rosin (der mit seinen Bewertungen wie seinen zwei Michelin-Sternen vorgestellt wird). Die Charakterisierungen der vier lassen allerdings nur einen geringen Zusammenhang mit ihrer realen Performance erkennen: Mälzer und Rosin geben gern mal die Gourmet-Prolls, Herrmann hält sich zurück, und Lea Linster nervt mit dick aufgetragener Tüddelei. Alle zusammen wirken wie Erstklässler mit Hyperaktivitäts-Problemen, manchmal auch wie typisch aufgedrehte Moderatoren, bei denen man als Zuschauer am liebsten einmal nach Doping-Tests rufen würde.

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