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Klimt-Dokumentation auf Arte Der Kuss, die Kunst, der Klimt

Seine Berühmtheit ist ungebrochen, er bleibt der Star des Jugendstils: Arte zeigt ein filmisches Porträt von Gustav Klimt, in dem es sehr österreichisch, also ein wenig mysteriös zugeht.

© dpa Vergrößern Dieses Bild hat wahrlich unser Alltagsherz erobert: In den Souvenirshops von Museen und Galerien gibt es den „Kuss“ auch als Kühlschrankmagneten

Vielleicht sind die Werke keines anderen Künstlers, auch nicht Picassos, so häufig verewigt auf Regenschirmen und Schals, Kühlschrankmagneten und Notizbucheinbänden, geformt in Kitschporzellan und gepresst in Schlüsselanhänger, von den Postermotiven ganz zu schweigen. Sein in Gold getauchtes Gemälde „Der Kuss“ ist die auf der ganzen Welt verständliche Darstellung innigster Vereinigung zwischen Mann und Frau, seine Zeichnungen nackter Frauen sind zum Inbegriff entgrenzter Erotik geworden. Am 14. Juli hat sich der Geburtstag von Gustav Klimt, dieses bis heute unbestrittenen Stars des Wiener Jugendstils, zum hundertfünfzigsten Mal gejährt. Seine Berühmtheit ist ungebrochen.

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Der Film von Herbert Eisenschenk spürt ihm nach, auf sehr österreichische Weise, was in diesem Fall heißt: Ein klein wenig mysteriös muss der Mann schon bleiben dürfen, wenngleich wortreich umrankt von Spezialisten und Kennern. Sehr artig ist das gemacht, mit diskreten Spielszenen und verständlichen Erläuterungen, die sich an ein allgemein interessiertes Publikum wenden, ohne ambitionierte Deutungsphrasen, mit viel Bildmaterial und einigen Details, die man nicht so ohne weiteres weiß: zum Beispiel, dass der frühe Klimt Entwürfe für Geldscheine machte, die bis heute in einem Tresor der Österreichischen Nationalbank aufbewahrt sind; sie wurden damals abgelehnt. Sehenswert wird die Dokumentation allemal durch die Kamerafahrt über jene Deckengemälde des gerade zweiundzwanzigjährigen Künstlers im Wiener Burgtheater, zu denen man sonst nur aus zwölf Meter Entfernung hinaufschauen kann.

Die harten Fakten bleiben außen vor

Klimts Entwicklung aus dem Historismus heraus wird gezeigt. Es ist der Weg, den der junge Mann aus ärmlichen Verhältnissen der Wiener Vorstädte, ausgebildet seit seinem vierzehnten Lebensjahr, bis hin zu den atemraubenden Sphären seiner Meisterschaft geht. Sie macht ihn und seine Kunst zum Skandalon in ebenjener gehobenen Gesellschaftsschicht, die ihn zunächst anbetete - und deren Umarmung er sich schließlich obstinat entwand.

Die Stichworte sind die Gründung der Wiener „Secession“ im Jahr 1898, dann sein „Beethovenfries“ dort 1902 mit den zuvor nie gesehenen Darstellungen von Dämonen und Fratzen, alten Leibern und Verzückungen bis hin zu den sogenannten „Fakultätsbildern“ für die Universität 1905, deren Radikalität eine Parlamentdebatte provozierte. Klimt zog sie schließlich zurück, zahlte auch das immense Honorar zurück; sie kamen in ein Lager, wo sie 1945 verbrannten, heute nur noch in schwarzweißen Reproduktionen erhalten. Hernach hat sich, das sagt der Film am Ende ohne weiteren Kommentar, das jüdische Großbürgertum in Wien Gustav Klimts und seiner Kunst angenommen.

Etwas zu viel Platz eingeräumt ist den allfälligen Aspekten und Kosten des Verschickens oder Verleihens von Klimt-Werken heute, sei es bloß vom Oberen in das Untere Belvedere in Wien, sei es bis nach Venedig oder Tokio. Nichts gesagt wird über die immensen Versicherungswerte. Und wo dann der aktuelle Kunstmarkt ins Spiel kommt, gibt es zwar die Sequenz aus einer Wiener Auktion, in der eine Klimt-Zeichnung versteigert wird, und raunende Hinweise auf horrende Preise. Aber die harten Fakten bleiben außen vor: Musste doch, nach unrühmlichen Weigerungsversuchen, der österreichische Staat unter anderen eines von Klimts absoluten Hauptwerken, nämlich das Porträt „Adele Bloch-Bauer I“, das bis dahin im Oberen Belvedere hing, an die Erben der jüdischen Familie Bloch-Bauer in Amerika restituieren. Jetzt ist diese „Goldene Adele“ - für genannte 135 Millionen Dollar - im Besitz von Ronald Lauder und in der „Neuen Galerie“ in New York zu betrachten.

Gefährtin auf Augenhöhe

Natürlich sind auch Klimt und die Frauen ein Thema. Er hat sie gemalt in herrlichen Porträts - die ganz hohe Schule jener Ambivalenz des Fin de Siècle, zwischen fatal und fragil. Die Modelle in seinem hermetischen Atelier hat er immer wieder gezeichnet, auf wohl mehr als viertausend Blättern, in einer Offenheit, die manche Gemüter noch immer schockiert, anderen eine Feier des Geschlechts in genialischen Strichen ist. Nicht hochmütig handelt der Film dieses Kapitel ab, vor allem Marian Bisanz-Prakken, die zuständige Kuratorin an der Albertina in Wien, findet die angemessenen Erklärungen. Dass Klimt die Frauen begehrt hat, ist bekannt, seine belegten und unbelegten Affären kommen zur Sprache. Die Gefährtin auf Augenhöhe war ihm, bis zu seinem Tod nach einem Schlaganfall am 6. Februar 1918, Emilie Flöge, die einen Modesalon in Wien hatte, eine selbständige Geschäftsfrau war, nicht angewiesen auf die Unterstützung durch einen Mann. Sie wahrscheinlich ist im Gemälde „Der Kuss“ verewigt.

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Was die Dokumentation beinah völlig ausblendet, ist das Wien Sigmund Freuds und der Psychoanalyse, dessen Atmosphäre untrennbar mit Klimts Schaffen verknüpft ist. Gerade einmal Arthur Schnitzlers Bühnenstück „Der Reigen“ wird kurz erwähnt, als ähnlich skandalträchtig wie Klimts Beethovenfries. Dafür wird, zum guten Schluss, Gustav Klimt halt doch als „der Geheimnisvolle“ hinübergerettet, den der Filmtitel verheißt - eingeschlossen in eine „Mauer aus Gold“. Nötig gewesen wäre das nicht.

Gustav Klimt - Der Geheimnisvolle läuft an diesem Mittwoch um 21.45 Uhr bei Arte.

Quelle: F.A.Z.

 
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