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Veröffentlicht: 24.02.2013, 16:00 Uhr

Kika-Serie „Wolfblood“ Warte nur, bis Vollmond ist

Die Serie „Wolfblood“ klingt schaurig, ist sie aber nicht. Wenn Eltern und Kinder die Rollen tauschen, ist das vielmehr komisch. Moralisch wird es natürlich auch.

von
© ZDF/BBC/Giles Keyte Menschenkinder, aber wölfisch: Bobby Lockwood und Aimee Kelly.

Vampire, Werwölfe, Untote. Sie sind als Protagonisten längst nicht mehr der Unterhaltungswelt der Erwachsenen vorbehalten. Sie bevölkern die Dramen, die vom Heranwachsen handeln, es gibt die Vampir-Barbiepuppe, den Lego-Vampir und den Lego-Werwolf und auch Playmobil hält das entsprechende Personal vor. Insofern geht die vom ZDF und der BBC produzierte Serie „Wolfblood - Verwandlung bei Vollmond“, die heute beim Kinderkanal Kika Premiere feiert, sogar hinter den Stand der Generation Harry Potter zurück. Und das ist auch gut so, an schaurigen Schauwerten, mit denen man dem Nachwuchs heute offenbar nicht mehr früh genug kommen kann, herrscht im Programm schließlich kein Mangel.

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Maddy (Aimee Kelly) und Rhydian (Bobby Lockwood), die Helden von „Wolfblood“, sind auch gar keine Blutsauger, in ihren Adern fließt vielmehr Wolfsblut. Und das beginnt bei Vollmond zu kochen, so dass sich die äußere Hülle der Wolfskinder ihrer zweiten Natur anverwandelt. Die freilich kann auch in Momenten der Bedrängnis zum Vorschein treten, was die ahnungslosen Mitmenschen - in diesem Fall sind das zunächst die Mitschüler an der Schule der Kleinstadt Stoneybridge - selbstredend befremdet und erst Recht für Gefahr sorgt.

Kein Mensch soll des Menschen Wolf sein

Es ist schon witzig, wie die junge Maddy in der ersten Szene in dunkler Nacht ums Haus schleicht und zwei Wölfe, die gerade ausbüxen wollen, mit bösem Blick in den Keller zurückscheucht. So gehen Teenager für gewöhnlich nicht mit ihren Eltern um, vor allem sollten sie es tunlichst vermeiden, Mutter eins auf die Nase zu geben. Andererseits durchwühlen die üblichen Altvorderen auch nicht den Müll nach Hühnchenresten. Und so hält am nächsten Morgen die Tochter ihren Eltern eine Gardinenpredigt, nicht umgekehrt.

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Mit dem jungen Rhydian, der bei einer Pflegefamilie lebt und sich an der für ihn neuen Schule in der gelernten Außenseiterrolle findet, taucht gleich der romantische Held auf, welcher der patenten Maddy in Wolfsangelegenheiten einiges voraus hat, als Mensch aber von ihr lernen kann. „Wir sind keine Monster. Du bist von Geburt an so, du bist kein Freak“, gibt sie ihm mit auf den Weg. Auf der anderen Seite gäbe es für Maddy keinen Besseren als Rhydian, um bei Vollmond ihre erste „Verwandlung“ zu erleben. Der Neugier der anderen, den unweigerlich sich einstellenden Attacken, wissen die beiden sich gemeinsam zu erwehren. Von seinem Spruch „so ein Rudel ist nichts für mich“ wird der einsame Rhydian noch Abstand nehmen. In dieser sehr ansehnlichen Jugendserie soll kein Mensch des Menschen Wolf sein.

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