04.04.2008 · Seit Hape Kerkeling nicht mehr nur Quoten-, sondern auch Auflagenkönig ist, gilt er als eine Art Nationalheiligtum, von dem man nur das Größte erwartet. Seine neue RTL-Reihe „Hallo Taxi“ aber ist eine kleine, leise Sendung.
Von Jörg ThomannEigentlich hätte RTL sich freuen müssen. Kurz bevor der Sender heute Abend in der neuen Sendung „Hallo Taxi“ Hape Kerkeling als Taxifahrer Günther Warnke auf Düsseldorfs Straßen schickt, war der Star plötzlich in aller Munde, ohne dass sein Haussender eine aufwendige PR-Kampagne starten musste. Dumm nur, dass der Anlass ein für RTL eher unerfreulicher war: Die Nachricht nämlich, dass Kerkeling zarte Bande zum ZDF geknüpft hat, die sich durchaus zu einer innigen, womöglich monogamen Beziehung verfestigen könnten (Hape Kerkeling auf dem Weg zum ZDF). Gar nicht recht sein kann es RTL, wenn Kerkelings Taxi-Einsatz nun als Abschiedstour verstanden wird.
Alle wollen Hape Kerkeling - und manche bekommen ihn, ohne damit gerechnet zu haben. Zum Beispiel die ahnungslosen Fahrgäste, die ins Taxi Günther Warnkes steigen, hinter dessen Maske aus Hornbrille, Ledermütze, Schnäuzer und falschen Zähnen Deutschlands derzeit populärster Komiker steckt. Sechs versteckte Kameras halten das Geschehen im Wagen fest, wenn sich Warnke als amtierender Rülpsweltmeister vorstellt und nach der Einnahme des legalen Hilfsmittels Brausepulver eine Kostprobe seiner Kunst gibt oder mit einem neuen Kunden an Bord erst einmal in die Waschanlage fährt.
Dem Fahrer ausgeliefert
Eine Taxifahrt erzeugt künstliche Nähe zwischen Fremden, der Mensch auf der Rückbank liefert sich dem Fahrer bereitwillig aus. „Hallo Taxi“ spielt mit dieser Situation, wirklich zu befürchten haben die Fahrgäste aber nichts. Wie sein älterer Bruder Horst Schlämmer ist Günther Warnke eine Nervensäge mit reinstem Herzen, der sich zu Beginn fürsorglich erkundigt, ob es eilig sei; nur wer verneint, wird von Warnke chauffiert. Die Gäste sollen nicht bloßgestellt werden, wohl aber sich öffnen, wenn Warnke zum rheinischen Smalltalk ansetzt.
Die Konstellation erinnert an die „Berliner Nacht-Taxe“ im RBB-Fernsehen, deren unmaskierter Fahrer, Kerkelings Komikerkollege Michael Kessler, den Gästen anbietet, sie umsonst ans Ziel zu befördern, wenn sie ein wenig aus ihrem Leben erzählen - woraus sich häufig außergewöhnliche Gespräche entwickeln. So weit bringt es Kerkeling zumindest in der Auftaktfolge von „Hallo Taxi“ nicht. Schon gar nicht bietet die Sendung das von RTL versprochene „brüllend komische Feuerwerk“, sondern sorgt eher für kontinuierliches Schmunzeln.
Seit Kerkeling nicht mehr nur Quoten-, sondern auch Auflagenkönig ist, gilt er als eine Art Nationalheiligtum, von dem man nur das Größte erwartet. „Hallo Taxi“ aber ist eine kleine und leise Sendung, und Kerkeling hat sie gewiss genau so angelegt. Dass RTL das nicht verstanden zu haben scheint, könnte ein Grund dafür sein, sollte er tatsächlich demnächst das Weite suchen.
Jörg Thomann Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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