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Keine Aussprache Springer und die Achtundsechziger finden nicht zusammen

22.08.2009 ·  Die geplante Aussprache zwischen dem Verlag Axel Springer und seinen einstigen Gegnern aus der Studentenbewegung findet nicht statt. Kaum einer der Wortführer der Achtundsechziger wollte der Einladung folgen.

Von Harald Staun
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Wir hatten uns schon so gefreut auf die Neuauflage des sogenannten Springer-Tribunals, die im Oktober dieses Jahres fortsetzen sollte, was im Februar 1968 abgebrochen wurde: die Diskussion um die Rolle des Zeitungskonzerns bei den Studentenunruhen. Nachdem die immer älter werdenden Achtundsechziger 41 Jahre lang keine Anstalten gemacht hatten, den Streit zu Ende zu bringen, hatte originellerweise Springer selbst die Initiative übernommen und Anfang Juli in die Berliner Verlagszentrale geladen. Ach ja, einen aktuellen Anlass gab es damals auch: Nach den Stasi-Enthüllungen über den Polizisten Karl-Heinz Kurras war die Neubewertung der Vergangenheit dringend geboten.

Wie es nun aussieht, war es allerdings strategisch doch eher ungeschickt von Springer-Chef Mathias Döpfner, der Einladung einen Monat vorher, in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die Aufforderung vorauszuschicken, dass sich „die uneinsichtigen Protagonisten der 68er-Bewegung mal bei unserem Haus entschuldigen“. (siehe auch: Mathias Döpfner: „Springer ist Unrecht widerfahren“)

Am Samstag nämlich sagte Springer sein eigenes Tribunal ab, weil kaum einer der Wortführer der Achtundsechziger der Einladung folgen wollte. In einer Pressemitteilung zeigt sich der enttäuschte Gastgeber aufgebracht über die plötzliche Harmoniesucht der ehemaligen Krawallbrüder: „Die maßgeblichen Akteure der 68er-Bewegung haben unser Gesprächsangebot leider zurückgewiesen“, erklärt Döpfner: „Bemerkenswert finden wir, dass ausgerechnet diejenigen, die immer den offenen Diskurs gefordert haben, diesen nun verweigern.“

Laut einer Vorabmeldung des „Spiegels“ gehörten unter anderem Christian Semler, Daniel Cohn-Bendit und der Schriftsteller Peter Schneider zu den Debattenverweigerern. „Das Ganze erscheint mir eher als Versuch des Springer-Konzerns, sich reinzuwaschen“, begründet Schneider seine Absage. Und nach dem unfreundlichen Auftakt hätte er das Tribunal anfangs sowieso für einen Witz gehalten. Zwar hätten ihn Döpfner und Schmid in einem Gespräch am Mittwoch durchaus von der Ernsthaftigkeit ihres Interesses überzeugt, aber sehr eigene Vorstellungen von den Rahmenbedingungen der Veranstaltung gehabt. Statt eines „Hearings unter der Beteiligung anderer Medien“ habe die Diskussion auf eine „interne Veranstaltung“ mit etwa fünfzig geladenen Gästen hinauslaufen sollen, die lediglich in der „Welt“ zusammengefasst worden wäre. Andere Medien hätten für ihre Berichterstattung auf eine ausführliche Dokumentation im Internet zurückgreifen sollen.

Thomas Schmid, Chefredakteur der „Welt“ und Initiator des neuen Springer-Tribunals, will nach den Absagen der ehemaligen Weggefährten nun offensichtlich notfalls alleine weiter über seinen Arbeitgeber Gericht halten: „Wir werden es uns nicht nehmen lassen, über die damaligen Geschehnisse zu diskutieren, wann, wo und wie wir das für richtig halten.“

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