13.12.2007 · Claus Kleber bleibt beim ZDF. Er hat das Angebot, Chefredakteur des „Spiegels“ zu werden, abgelehnt. „Das Fernsehen ist mein Medium“, zitierte das ZDF den Moderator des „heute-journals“ in einer Mitteilung. Ein „Spiegel“-Sprecher sagte zu Klebers Entscheidung: „Wir bedauern die Absage sehr.“
Von Michael HanfeldDas ist eine faustdicke Überraschung und eine schwere Hypothek für den „Spiegel“: Claus Kleber hat das Angebot ausgeschlagen, Chefredakteur des Magazins zu werden. Er bleibt Leiter und Chefmoderator des „heute-journals“ beim ZDF.
Die beiden Hauptgesellschafter des „Spiegel“, die Mitarbeiter KG und der Verlag Gruner + Jahr, hatten sich am vergangenen Freitag darauf verständigt, den Fernsehjournalisten als Nachfolger von Stefan Aust zu verpflichten, dessen Vertrag über den 31. Dezember 2008 hinaus nicht verlängert worden war.
„Er hätte gut zu uns gepasst“
Nach wochenlanger - zunächst geheimer - Suche, schien endlich der richtige Kandidat gefunden. Neben Kleber war zum Schluss nur noch der Chefredakteur der „Frankfurter Rundschau“, Uwe Vorkötter, im Rennen. Klebers Absage trifft den „Spiegel“ hart - die Gesellschafter stehen ohne Kandidaten da. „Wir bedauern die Absage sehr“, sagte der Sprecher der Spiegel-Mitarbeiter KG, Armin Mahler. „Claus Kleber hätte gut zu uns gepasst. Aber wir werden ohne Zeitdruck und in Ruhe weitere Gespräche führen.“
Der Intendant des ZDF, Markus Schächter, begrüßte die Entscheidung seines Redaktionsleiters: „Claus Kleber ist der Spitzenmann des deutschen TV-Journalismus“, sagte Schächter. „Ich freue mich sehr, dass er bei uns bleibt. Als Anchorman des wichtigsten Nachrichtenmagazins im deutschen Fernsehen steht er für Kontinuität, Professionalität und Zuschauernähe.“
„Das Fernsehen ist mein Medium“
Claus Kleber selbst sagte, das Angebot des „Spiegel“ sei eine große Ehre: „Ich traue mir die Aufgabe zu und habe meine Entscheidung gründlich abgewogen. Am Ende steht die Überzeugung: Das Fernsehen ist mein Medium. Es ist also keine Entscheidung gegen das wichtigste Print-Magazin, sondern für das beste TV-Magazin. Wir stehen mit dem 'heute-journal', mit unseren Nachrichtensendungen im ZDF an der Schwelle des Digitalen Zeitalters. In einem Jahr senden wir mit neuester Technik aus dem modernsten News-Studio Europas. Die Informationsgesellschaft wird sich verändern, ein ungeheuer spannender Prozess. Den will ich zusammen mit meinem Team gestalten.“
Der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, der mit Kleber eng zusammenarbeitet, sagte, er habe ihn 2003 „von der ARD geholt, warum sollte ich ihn jetzt zum ,Spiegel‘ ziehen lassen? Wir haben verabredet, dass das ZDF-Nachrichtenmagazin 'heute journal' energisch als Topformat ausgebaut wird.“
Fleißig verhandelt
Kleber hatte in den letzten Tagen fleißig verhandelt, am Montag zunächst mit dem ZDF, am Dienstag mit dem „Spiegel“. Bei seinem Sender hatte man sich vorgenommen, ihn zu halten und deshalb ein attraktives Leistungsangebot geschnürt, das ihm dem Vernehmen nach unter anderem große Freiheiten bei der Bestellung seiner Redaktion und bei seinen eigenen journalistischen Projekten in Aussicht stellt. Zudem soll das „heute journal“ als Sendungsmarke ausgebaut werden.
Am Montag war man beim „Spiegel“ noch guter Dinge, eine turnusmäßige Mitarbeiterversammlung war von Mittwoch auf den kommenden Montag verschoben worden - alle dachten, dass zu diesem Zeitpunkt die frohe Nachricht verkündet werden sollte. Doch am Mittwochabend kurz vor achtzehn Uhr war die Sache entschieden und sprach sich im Mainzer Sender herum, dass der alte Chef des „heute-journals“ auch der neue ist. Die Chefredakteurs-Suche des „Spiegel“ aber nimmt krisenhafte Züge an.
Nun größer denn je
Bei der Weihnachtsfeier, zu der sich am Abend beim „Spiegel“ die Mitarbeiter versammelten, gab es also reichlich Grund, dem Punsch zuzusprechen. Bis Heiligabend, so hatten die Gesellschafter gedacht, werde ein neuer Chefredakteur bestellt sein. Jetzt wagt keiner mehr, eine zeitliche Prognose abzugeben.
Und neue Kandidaten? Die könnten jetzt wohl am ehesten aus dem eigenen Haus kommen, heißt es aus Verlagskreisen, die Suche nach auswärtigen Kandidaten sei nicht nur fürs Erste gescheitert. „Der Spiegel braucht einen Chef, keinen Moderator“, hatte Jakob Augstein, der Sohn des Magazingründers Rudolf Augstein, im Interview mit der F.A.Z. gesagt (Siehe auch: Das Magazin braucht einen Chef, keinen Moderator).
Die Augstein-Erben wollten sich als Minderheitsgesellschafter bei der avisierten Wahl Klebers der Stimme enthalten. Das brauchen sie nun nicht mehr - der Moderator hat abgesagt. Ein neuer Chefredakteur ist nicht in Sicht. Und beim ZDF erscheint Claus Kleber nun größer denn je.
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