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Katrin Bauerfeind Abschied einer Online-Ikone

19.06.2007 ·  Als Moderatorin von „Ehrensenf“ wurde Katrin Bauerfeind zum einzigen echten Star des deutschen Internet-Fernsehens. Heute läuft ihre letzte Sendung - es zieht sie ins „richtige“ Fernsehen. Ein harter Schlag für ihre Fans.

Von Jörg Thomann
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Es ist die Zeit der Abschiede im deutschen Fernsehen: Am Sonntag verabschiedet sich Anne Will von den „Tagesthemen“ und Sabine Christiansen von „Sabine Christiansen“. Harald Schmidt verabschiedet sich von der „Late Night“ und zugleich von höheren Ambitionen, bleibt aber noch ein bisschen auf Sendung. Außerdem geht, und zwar mit dem heutigen Tage, auch noch Katrin Bauerfeind.

Der breiten Masse dürfte dieser Name weniger geläufig sein als die anderen drei, was daran liegt, dass Katrin Bauerfeind ihrer täglichen Arbeit nicht im „normalen“ Fernsehen nachgeht: Sie tritt im Internet auf. Seit dem November 2005 hat sie wochentäglich die Show „Ehrensenf“ (ein Anagramm des Wortes Fernsehen; http://www.ehrensenf.de/) moderiert, eine viereinhalb Minuten kurze Mischung aus Comedy, Satire, Info und Service, die Websites vorstellt, Spieletipps gibt, aktuelle Nachrichten persifliert und kuriose Dinge aus den Weiten des Webs präsentiert wie das Saugglockenbügelbrett oder die Revolverkrabbe. Produziert von der Firma „Ravenrocker“ und gefilmt in einem kleinen Kölner Studio, findet jedes „Ehrensenf“- Filmchen rund 30 000 Zuschauer, viele davon über „Spiegel Online“, wo man das Format vor gut einem Jahr übernahm.

Preise und schwarze Zahlen

Hinter dem Begriff „Internet-Fernsehen“ verbirgt sich noch vieles Minderwertige, Amateurhafte: Selbstdarsteller auf der Wohnzimmerbühne. „Ehrensenf“ hingegen sah von Anfang an so aus, als könnte es auch bei einem großen Sender laufen; die Produzenten Carola Haase-Sayer und Rainer Bender waren jahrelang als Autoren für diverse Fernsehsender tätig. Im vergangenen Jahr wurde „Ehrensenf“ mit zwei Grimme-Online-Awards ausgezeichnet und schreibt inzwischen schwarze Zahlen. Doch ohne die Verdienste der Köpfe dahinter schmälern zu wollen: Zum Großteil verdankt sich der Erfolg von „Ehrensenf“ Katrin Bauerfeind, die sich einst auf eine Internet-Anzeige beworben hatte und sofort engagiert worden war. Die Mutmaßung sei gestattet, dass „Ehrensenf“ mit einem Mann als Moderator nie so populär geworden wäre und mit einer anderen Frau vermutlich auch nicht.

Bauerfeinds Moderationen sind es, die der Show die besonders pikante Note verleihen. Sie ist hübsch, aber nicht so unnahbar schön, dass sie die schüchternen Computerjungs verschrecken würde, ihre Stimme hat ein angenehm rauchiges Timbre, und ihr Mienenspiel beweist wohldosierte Schauspielkunst. Sie wirkt natürlich, sympathisch und lustig - was vor allem das Verdienst Rainer Benders ist, der ihr die Pointen in den Mund legt. So ist Bauerfeind zum einzigen wirklichen Star des hiesigen Internet-Fernsehens avanciert, den eine treue Fangemeinde geradezu vergöttert. „Die scharfe Web-Katrin“ taufte sie eine Schweizer Zeitschrift; der „Spiegel“ würde schreiben: das Alphamädchen des Internets. Sie war bei Stefan Raab zu Gast und bei Harald Schmidt, der sie ausführlich zu ihrer Zukunft befragte und prophezeite, mit ihr werde es „steil nach oben gehen“. Als sein Gast von Angeboten „aus dem Comedy-Bereich“ sprach, mahnte er: „Da können Sie doch mehr.“

Viele Gespräche, spannende Angebote

Was sie kann oder will, werden wir bald erfahren. Mit der Folge, die im Lauf des heutigen Tages ins Netz geht, verabschiedet sich Katrin von den „Ehrensenf“-Zuschauern. Vor kurzem hat sie ihr Studium beendet - Technikjournalismus an der FH Bonn-Rhein-Sieg - und nun auch den Studentenjob, der „Ehrensenf“ im Grunde für sie war. Ihre Diplomarbeit befasst sich mit den „Perspektiven des Internet-Fernsehens“. Ihre eigenen liegen woanders. Sie hat kürzlich für 3sat das „Berlinale-Journal“ moderiert und eine Sendung im ZDF. Sie hat sich ein Management zugelegt, das beunruhigenderweise auch „Elton“ und Ingo Appelt betreut, doch beruhigenderweise auch Charlotte Roche. Und sie ist, wenigstens dieser Tage, praktisch nicht zu erreichen, fliegt von einer „Ehrensenf“-Abschiedstour durch Kanada direkt zu einer Moderation nach Hamburg. Als vierundzwanzig Jahre junge, preisgekrönte Journalistin mit reichlich Kameraerfahrung dürfte sie für etliche Sender interessant sein. Ihr Manager sagt, es gebe viele Gespräche und spannende Angebote; man werde in Ruhe entscheiden, welches Format zu Katrin passe.

Wer mag, kann in Bauerfeinds Abgang einen Beleg dafür sehen, dass das neue Medium mit den alten doch noch nicht mithalten kann; dazu passt, dass es „Das Beste aus Ehrensenf“ nun auch als Buch gibt. Die Sendung soll weitergehen, macht aber erst mal Pause. „Radikal wird das Konzept nicht geändert. Es kann aber gut sein, dass es ein paar Veränderungen geben wird“, sagt Bender und kündigt ein neues, zusätzliches Format an. Den neuen Kopf für „Ehrensenf“, der am 2. Juli präsentiert werden soll, sucht man nach guter Tradition übers Internet: „Moderationstalente (m/w) mit Sinn für Humor und Überstunden! Dauerhafte Wohnmöglichkeit im Kölner Raum erforderlich!“ Es wird wohl wenig nutzen, mal bei Harald Schmidt anzufragen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 19.06.2007, Seite 42
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Jahrgang 1971, Redakteur im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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