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Kategorien bei Google : Zum Draufschauen bestellt

  • -Aktualisiert am

„Der breite und der schmale Weg“- Farblithographie nach einem Entwurf von Charlotte Reihlen Bild: akg-images

Übersichtlich sind die Begriffe, mit denen uns die Suchmaschine die Pforte zur Welt eröffnet. Und zuletzt läuft dabei alles auf Videos hinaus: Einige Betrachtungen über die Kategorien bei Google.

          Für einen Vortrag wurde eine Folie mit der Lithographie „Der breite und der schmale Weg“ benötigt. Das ist die fromme Bildtafel, welche die Pietistin Charlotte Reihlen 1867 in Druck gegeben hatte, und die seitdem in vielen Versionen und Übersetzungen weltweit verbreitet wurde und wird. Wie in einer Modellbaulandschaft bebildert sie die Worte Jesu aus der Bergpredigt: „Geht hinein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis führt.“ Schnell war ich fündig geworden, dabei fiel der Blick auf die Leiste der Schlagworte, die Google dem Suchenden anbietet. Oft waren sie schon benutzt worden, aber noch nie waren sie mir so nahe, wie in diesem Moment, da es um Entscheidung und um Access ging. Nicht um lebenswichtige Entscheidungen wie bei der Wahl zwischen dem breiten Weg, der den Christen in die Verdammnis führt, und dem schmalen, der mühsam ist und das Heil bedeutet. Aber hier wie dort werden uns Pforten und damit Zugänge zu Welten eröffnet, und man kann schon vergleichend untersuchen, was in beiden Fällen der Fall ist.

          Die Pforten, die uns Google zur Verfügung stellt, haben in erster Linie einen nach Themen sortierenden und keinen wertenden Charakter. In einer Linie stehen nebeneinander: „All Images Videos Maps Shopping News More“. Kant sagt an einer Stelle in der „Kritik der reinen Vernunft“: „Über die Tafel der Kategorien lassen sich artige Betrachtungen anstellen“ – artige Betrachtungen und kritische Nachfragen. Wenn sie den Anspruch haben, komplett zu sein, oder sich auch nur in ständigem Gebrauch bewährt haben, verweisen solche Listen auf massive Voreinstellungen, auf Systeme und auf Weltbilder. Im Fall von Google ist der Anspruch besonders hoch, denn Google gilt als der Minimalist unter den Suchmaschinen. Die Welt according to Google lässt sich durch sieben Terme ansprechen, die sich in einem harten darwinistischen Verfahren durchgesetzt haben. Seit 2007 stehen sie als vertikale Suchmaschinen fest. Der Minimalismus von Google erscheint brutal und will vermutlich als werkgerecht verstanden werden. Will er sagen, dass im Grunde nichts unmöglicher ist, als ein Netz aufteilen zu wollen: hier das Kompartiment für die Heringe, dort eines für den Lachs? Und weil die Teilerei so unnatürlich ist, stehen am Anfang und Ende der Kategorienreihe die heilenden Termini „All“ und „More“, zwei Wächter, die sich der Nominalisierung des Verschlagwortens widersetzen und das Versprechen auf Totalität wiederherstellen.

          Über-Medium „Video“

          Im Moment bleibt die Zahl der vertikalen Suchmaschinen also gleich, aber es verändert sich je nach Suchwort ihre Reihenfolge. Gebe ich den Namen einer Stadt ein, kommen selbstverständlich „Maps“ und „Shopping“ an zweiter und dritter Stelle; wenn ich „schmaler und breiter Weg“ suchen lasse, wird mir angeboten: „All Shopping Images Videos Maps More“. Wobei die Vorrangstellung von „Shopping“ nur scheinbar nicht im Sinne der Erfinder des pietistischen Bildtraktates wäre. Als erster Eintrag wartet schon unter „All“ eine „Versandbuchhandlung für evangelische Theologie“ auf uns und bietet ein Poster an. Und wenn man sich wundert, wie die Kategorie „Video“ hier greifen könnte, wo es doch um ein Bibelwort und um ein buntes Bild geht, dann hat man nicht verstanden, dass im Grunde alle Sachverhalte dieser Welt für Google ins Medium Video übertragen werden. Das erste Video in der Liste trägt den Titel „Schmaler und breiter Weg – Himmel oder Hölle. Wohin gehst Du?“ – eine Predigt, 55 Minuten lang.

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