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Karl Holzamer : Der erste Intendant des ZDF ist tot

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1965: Holzamer präsentiert zwei neue Fernsehansagerinnen Bild: AP

Als das ZDF 1963 erstmals auf Sendung ging, war Karl Holzamer sein Intendant. Er blieb es bis 1977. Im Alter von hundert Jahren ist Holzamer, der das Profil des ZDF maßgeblich prägte, gestorben.

          Kurz vor seinem 100. Geburtstag sagte ZDF-Gründungsintendant Karl Holzamer über das Programm „seines“ Senders: „Es ist mir so ans Herz gewachsen, dass ich gar nicht mehr davon loskomme.“ Am 1. April 1963 hatte der Sender unter Holzamers Leitung in einem Barackenstudio in Eschborn bei Frankfurt den Sendebetrieb aufgenommen, gut vier Jahrzehnte später war das ZDF, inzwischen auf dem Mainzer Lerchenberg, zu Europas größter Sendeanstalt aufgestiegen. Ein halbes Jahr nach seiner großen Geburtstagsfeier ist Karl Holzamer im Alter von 100 Jahren gestorben.

          Der Start des ZDF war für den Gründervater Holzamer nicht einfach. Der gebürtige Frankfurter setzte auf eine Mischung aus Unterhaltung, Information und Bildung. „Goldener Schuss“, „Wünsch Dir was“, „heute“, „auslandsjournal“ - die Schaffung all dieser Sendungen fiel in seine Intendanz. „Ohne ihn, ohne seine Anstrengungen der besonderen Art wäre das ZDF nicht zu dem geworden, was es heute ist“, urteilt der heutige Intendant Markus Schächter, der ihn auch „Baumeister und Hausvater“ des Senders nennt.

          1931 erste Radioreportagen

          Am 13. Oktober 1906 wurde Holzamer im Kaiserreich geboren, acht Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Nach dem Studium der Philosophie, Pädagogik, Psychologie, Romanistik und Germanistik an vier Universitäten war Holzamer bereits 1931 mit dem noch neuen Medium Radio in Kontakt gekommen: Er wurde Assistent in der Pädagogischen Abteilung beim Westdeutschen Rundfunk. Fünf Jahre später berichtete er in einer der ersten Tonband-Reportagen über die neue Lufthansa-Linie Köln-Dortmund-Berlin.

          1962: Ministerpräsident Peter Altmeier (l.) gratuliert Holzamer zur Wahl

          Während des Zweiten Weltkrieges kam er als Bordschütze der Luftwaffe und Hörfunk-Korrespondent in viele Länder. Das habe seinen Horizont sehr erweitert, sagte er selbst, aber auch: „Nur mit meiner absolut christlichen Haltung konnte ich Front machen gegen die schrecklichen Erlebnisse im Krieg.“ In französischer Kriegsgefangenschaft hielt er ohne Bücher Philosophievorlesungen für die Mitgefangenen. Bereits 1946 berief die Mainzer Universität Holzamer zum Professor für Philosophie, Pädagogik und Psychologie. Parallel beteiligte er sich an der Gestaltung der neuen Radiolandschaft in der Bundesrepublik - unter anderem als Vorsitzender des Rundfunkrats des damaligen Südwestfunks.

          Als erster ZDF-Intendant führte Holzamer bald ein neues Programm-Schema mit früherem abendlichen Sendebeginn ein und bewältigte einen jahrelangen Steuerstreit mit dem Bund und den Finanzbehörden. Das zunächst spannungsreiche Verhältnis zur ARD wandelte er in eine „konkurrierende Partnerschaft“ um. Bis 1977 leitete er den Mainzer Sender. Im Jahr 1932 heiratete Holzamer seine Verlobte Helene. Das Paar hatte vier Kinder, von denen zwei noch leben. Helene Holzamer starb 1992 kurz nach der diamantenen Hochzeit. Karl Holzamer veröffentlichte zahlreiche Bücher - zuletzt 2003 die Autobiographie „Lebensreise zwischen Philosophie und Fernsehen“ - und erhielt viele Auszeichnungen.

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