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Kai Diekmann im Gespräch : „Trump legt gerade eine steile Lernkurve hin“

Überrascht, wie gut vorbereitet Donald Trump in dem Interview war: Noch-„Bild“-Herausgeber Kai Diekmann Bild: dpa

Erstaunlich gut vorbereitet, vorsichtiger als früher, aber zugleich selbstsicher wie eh und je: So hat „Bild“-Herausgeber Kai Diekmann Donald Trump beim Interview erlebt. Ein Gespräch über eine bemerkenswerte Begegnung.

          Herr Diekmann, Sie haben den künftigen Präsidenten Donald Trump im Trump Tower in New York gesprochen – welchen Eindruck hat er auf Sie gemacht?

          Ich habe ihn als sehr aufgeräumt empfunden. Er war selbstsicher und bei bester Laune, vom Stress dieser Tage und vor allem der letzten Woche war ihm überhaupt nichts anzumerken. Mich hat auch überrascht, wie bescheiden sein Büro ist, von dem aus er den Machtübergang organisiert. Sein Büro im 26. Stock ist sehr überschaubar und unglaublich überfüllt. Überall liegen Bücher und Fotos, es stehen Pokale und Souvenirs herum, vor allem Sportmemorabilien wie Baseball-Helme. Die einzige sichtbare Veränderung ist, dass der Secret Service Panzerglasscheiben vor die ohnehin schon große Fensterfront montiert hat.

          Von Selbstzweifeln ist bei Trump also weiterhin keine Spur?

          Überhaupt nicht. Man hätte ja meinen können, dass jemand mit einem so schwierigen Verhältnis zu Journalisten in einem Einzelgespräch, von denen Trump ja nicht viele macht, aggressiv und dünnhäutig ist oder auch zurückhaltend. Aber das war nicht der Fall. Er hat sich 50 Minuten Zeit genommen und dem Kollegen Michael Gove von der britischen „Times“ und mir ausführlich alle unsere Fragen beantwortet. Das war der angriffslustige Donald Trump, wie wir ihn kennen.

          Bei seiner ersten Pressekonferenz seit langem hat Trump in der letzten Woche einen CNN-Reporter rüde beschimpft. War dieses gestörte Verhältnis zu den Medien in dem Gespräch Thema?

          Ich hatte nicht den Eindruck, dass ihn der Vorfall mit dem CNN-Reporter länger bedrücken oder aufhalten würde. Wir haben aber natürlich über seinen Umgang mit Öffentlichkeit gesprochen und vor allem darüber, warum er mit allen herkömmlichen Kommunikationsregeln gebrochen hat und fast ausschließlich über Twitter kommuniziert. Er begründet das aber sehr überzeugend und sagt, dass es für ihn viel sinnvoller ist, eine Aussage auf 140 Zeichen zu begrenzen als sich die Mühe zu machen, eine Pressekonferenz zu machen und nicht zu wissen, ob er damit durchdringt. Trump sagt, er mache die Erfahrung, dass alles, was er über Twitter absetze, direkt „Breaking News“ sei. Und dann stellt er die Frage: Warum soll ich mein Kommunikationsverhalten ändern?

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          War jemand von Trumps Stab bei dem Gespräch dabei? Etwa sein rechtspopulistischer Chefberater Stephen Bannon?

          Nein, Bannon nicht, nur Hope Hicks, seine Beauftragte für strategische Kommunikation, die aber kein einziges Mal in das Gespräch eingegriffen hat. Überhaupt war es für mich interessant, wie gut vorbereitet Trump war. Er hatte alle Zahlen präzise abrufbereit, ob es nun um Wirtschaftsdaten ging oder darum, welcher Nato-Partner wie viel in das Bündnis einzahlt und wer nicht. Nach einer Stunde Gespräch hatte man so das Gefühl, im Kern betrachtet Trump die Vereinigten Staaten wie ein Großunternehmen, in dem es nicht mehr richtig läuft und das nur noch schlechte Zahlen abwirft. Und er ist der neue CEO, der es jetzt richten muss. Deshalb spielt das Wort „Deal“ bei Trump auch eine ganz große Rolle, im Verlauf des Gesprächs hat er es an Dutzenden Stellen erwähnt. Auch beim Atomabkommen mit dem Iran.

          Wurde Trump nur gut gebrieft – oder hat er die Wochen seit der Wahl wirklich dazu genutzt, sich profund auf das Amt vorzubereiten?

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