http://www.faz.net/-gqz-8q6qw

Kai Diekmann im Gespräch : „Trump legt gerade eine steile Lernkurve hin“

Mein Eindruck ist, dass Trump gerade eine ziemlich steile Lernkurve hinlegt. Zumindest ist er seit dem Wahlkampf vorsichtiger geworden. Ich war zum Beispiel überrascht, wie erstaunlich kritisch er in der Syrien-Frage mit Wladimir Putin umgeht. Auch Angela Merkel kritisiert er mit Blick auf die Flüchtlingskrise zwar weiter scharf und bezeichnet ihre Politik als „irrsinnig“. Auf der anderen Seite lobt er sie aber über den grünen Klee und sagt, wenn es in Europa einen Ansprechpartner für ihn gebe, dann sie. Es war schon festzustellen, dass Trump sich an der ein oder anderen Stelle nicht mehr festlegen möchte. Für das Iran-Abkommen trifft das allerdings nicht zu.

Präsidentschaft voraus: Donald Trump wird am kommenden Freitag in Washington vereidigt

Das klingt, als ob Ihr Eindruck deutlich besser war als befürchtet.

Donald Trump ist Donald Trump, und mit Sicherheit war dieses Gespräch das ungewöhnlichste Interview, das ich je geführt habe. Denn die Aussagen kommen nicht feingeschliffen aus der Waschmaschine, nachdem sich noch etliche Kommunikationsberater über sie gebeugt haben. Was Trump im Gespräch gesagt hat, wird von uns genau so transkribiert und in seine Sprache übersetzt. Also keine Formelsprache wie sonst oft üblich, sondern Trump pur. Das war die vielleicht größte Schwierigkeit: Seine Sprache ins Deutsche zu übersetzen. Und wenn man das Interview liest, liest es sich völlig anders als die Politiker-Gespräche, die wir sonst gewohnt sind.

Das heißt, trotz seines Misstrauens gegenüber den Medien wurde auch dieses Gespräch nicht von Trump autorisiert, was in Amerika, anders als in Deutschland, ja ohnehin nicht üblich ist?

Nein, es gab weder vorher eine Absprache, worüber wir reden, noch hinterher irgendeine Form der Autorisierung. Es wurde innerhalb des Gesprächs an zwei, drei Stellen off-the-record gesprochen, etwa beim Lockheed-Abkommen, Geheimdiensterkenntnissen zu Afghanistan oder Details zu seinem Schwiegersohn Jared. Den Rest haben wir so aufgeschrieben, wie er gesagt wurde.

Sorgt sich Trump wegen der zunehmenden Kritik der Amerikaner an ihm?

Den Eindruck habe ich überhaupt nicht. Trump sagt, dass es klare Erwartungen an ihn gebe und mit denen er die Wahl gewonnen habe, und die will er schnell umsetzen. Das betrifft sichere Grenzen nicht nur nach Mexiko, das Militär und vor allem neue Jobs.

Gibt es eine Anekdote aus dem Gespräch, die für Sie als Journalist besonders bemerkenswert ist?

Donald Trump ist definitiv anders als alle anderen Präsidenten der letzten Jahrzehnte. Und in seiner Direktheit und Offenheit ist er durchaus sehr unterhaltsam. Trump hat zum Beispiel erzählt, dass ihn ein netter Herr von der EU angerufen hat, um ihm zur Wahl zu gratulieren, aber wusste den Namen nicht mehr. Wir haben ihm dann weitergeholfen: Ein Herr Juncker? Ach ja, stimmt, Juncker hieß der. Die EU ist Trump sowieso völlig egal, für ihn wurde sie nur gegründet, um dem amerikanischen Handel zu schaden. Das sagt er auch so. Für uns Journalisten, die wir sonst nur diesen abgewogenen Politikersprech gewohnt sind, ist das, als wäre das Interview durch die chemische Reinigung gegangen. Das ist auch unglaublich erfrischend.

Warum haben eigentlich Sie das Gespräch geführt, obwohl Sie Ende Januar beim Springer-Verlag ausscheiden? War das ein Abschiedsgeschenk des Verlags?

Mir war in den letzten 16 Jahren immer wichtig, dass ich meine Interviews selber vereinbare und auch selber führe.

Weitere Themen

Trump will eigene Weltraumarmee Video-Seite öffnen

Dominanz im All : Trump will eigene Weltraumarmee

Größer, schneller, weiter: Präsident Donald Trump will eine amerikanische Dominanz im All haben. Die Space Force soll als eigenständiger Teil der Streitkräfte die Vereinigten Staaten im Weltraum verteidigen.

Familien mit Kindern inhaftieren Video-Seite öffnen

Trump lenkt ein : Familien mit Kindern inhaftieren

Das radikale Vorgehen der amerikanischen Behörden bei illegalen Einwanderern sorgt selbst in der republikanischen Partei für zunehmende Kritik. Nach einem innerparteilichen Treffen unterstützt US-Präsident Donald Trump nunmehr zwei Gesetzesentwürfe seiner Partei.

Topmeldungen

Joachim Löw: „Wir haben immer geglaubt, dass wir das Spiel noch drehen können.“

Löw nach Schweden-Spiel : „Es war ein Sieg der Moral“

Die Wende gegen Schweden sieht Bundestrainer Löw als positives Zeichen für das weitere Turnier. Über ein mögliches Achtelfinale gegen Brasilien will er aber noch nicht sprechen.

Flüchtlinge : EU-Staaten drängen auf Abschottung

Vor dem Sondergipfel zur Flüchtlingspolitik verlangt Österreich den Einsatz von Soldaten an der EU-Außengrenze. Frankreich und Spanien fordern die Einrichtung von Flüchtlingszentren. Bundestagspräsident Schäuble warnt Horst Seehofer.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.