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Veröffentlicht: 29.03.2015, 10:49 Uhr

Journalismus auf Facebook Die mediale Festung

Schreiben Journalisten bald hauptsächlich für Facebook? Das soziale Netzwerk hat Verlinkungen den Kampf angesagt und will Zeitungsinhalte künftig direkt bei sich veröffentlichen. Erster Partner ist die „New York Times“.

von Clemens Voigt
© Picture-Alliance Facebook ist überall: Findet Journalismus bald in erster Linie in Mark Zuckerbergs Netzwerk statt?

Es wäre nur eine kleine Änderung. Doch kommt sie, könnte sie den Online-Journalismus grundlegend verändern. Denn Facebook, dessen Bedeutung als Nachrichtenplattform stetig wächst, will künftig am liebsten nicht mehr auf fremde Seiten verweisen. Während viele Zeitungsverlage sich immer noch den Kopf darüber zerbrechen, wie sie ihre Inhalte attraktiv und rentabel auf ihren Online-Auftritten anbieten, denkt man im Silicon Valley genau in die andere Richtung.

Geht es nach dem Willen des Internetriesen, werden Inhalte in naher Zukunft nicht mehr auf den Webseiten der Magazine und Zeitungen selbst veröffentlicht, sondern direkt im sozialen Netzwerk. Links wären nicht mehr relevant. Mit großen Namen wie der New York Times, dem National Geographic und dem Unterhaltungsportal BuzzFeed ist Facebook darüber bereits im Gespräch.

Bisher funktioniert Facebook vor allem als Drehscheibe für Nachrichten: Im Newsfeed jedes Nutzers werden Artikel mit Bild und kurzen Anrisstexten angepriesen. Die vollständigen Artikel kriegt man aber erst auf den Homepages der Zeitungen zu sehen, nachdem man den Link geklickt hat. Zu umständlich in einer Zeit, in dem viele vor allem mit Smartphone oder Tablet Medieninhalte abrufen. Dort beherrschen Apps das Bild.

Einer Studie zufolge nutzen US-Amerikaner den Webbrowser ihrer Smartphones nur noch zwölf Prozent der Zeit. Durch die Methode der Verlinkung wird aber ein ständiger, langwieriger Wechsel zwischen App und Browser nötig – ein Hindernis, das Leser kostet. Künftig soll es diese Trennung nicht mehr geben, die App soll Inhalte direkt darstellen können.

Teilhabe an den Werbeeinnahmen als Lockvogel

Führt man sich vor Augen, dass Medieninhalte mittlerweile zu sechzig Prozent auf Mobilgeräten konsumiert werden und Facebook eine potentielle Reichweite von 1,4 Milliarden Menschen besitzt, wird klar, warum Autoren und Verleger daran interessiert sind, ihre Produkte direkt im sozialen Netzwerk zu veröffentlichen. Dazu kommt ein weiterer wichtiger Grund: In den Verhandlungen soll es auch darum gehen, Werbeeinnahmen zu teilen.

Bisher streicht Facebook, das Werbung mit Hilfe seiner fortgeschrittenen Analyseprogramme zielgruppengenau einsetzen kann, sämtliche Gelder ein, wenn es Anzeigen neben Artikeln platziert. Nun sollen Medienhäuser offenbar damit gelockt werden, ein Stück vom Kuchen ab zu bekommen.

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Andere populäre Plattformen wie Instagram oder Snapchat bieten bereits jetzt überhaupt keine Linkfunktion mehr an. Doch den Apps die Inhalte zu überlassen, birgt gleich mehrere Gefahren. Nicht die geringste davon ist der Verlust der Leserbindung. Wenn Leser nicht mehr im Ökosystem der eigenen Website unterwegs sind, sondern alle Inhalte vom durchdringenden Facebook-Blau umrahmt sind, gerät der Produzent der Inhalte leicht in Vergessenheit.

Gerade für ein Leitmedium wie die „New York Times“, deren Name für bestimmte Werte steht, nämlich Qualität und einen gewissen Anspruch, stellt dies ein Risiko dar. Leitet man die Nutzer nicht mehr auf die hauseigene Plattform, braucht es nicht viel Phantasie, um zu erkennen, dass die Identifikation mit der Marke schwinden wird. Insbesondere wenn die eigenen Artikel gleichberechtigt neben anderen, weitaus weniger seriösen Beiträgen stehen.

Wer hat bei der Veröffentlichung das letzte Wort?

Darüber hinaus riskieren Zeitungen, die Kontrolle über ihre Inhalte zu verlieren. Es braucht noch nicht einmal den Hinweis auf die immer wieder aufflammende Diskussionen um Facebooks Zensurpolitik – bekanntlich zeigt sich der Konzern bei sexuellen Thematiken oder bissiger Satire immer wieder empfindlich. Gewichtiger scheint, dass die Präsentation der Artikel nur noch im Rahmen des Designs von Facebook stattfinden kann – eine Verlust gestalterischer Möglichkeiten. Dazu kommt die bekannte Problematik der Verbreitung, die von undurchschaubaren Algorithmen geregelt wird. Verbringen die Menschen mehr Zeit auf Facebook, steigt logischerweise die Bedeutung dieser Mechanismen und damit die Abhängigkeit der Journalisten von den Programmierern eines fremden Unternehmens.

Der Umbau des sozialen Netzwerks zum größten Nachrichtenkanal der Welt ist jedenfalls deutlich zu erkennen. „Torwächter“ für Inhalte ist man durch schiere Reichweite und Marktmacht schon jetzt. Durch die direkte Einbindung von Artikeln aber würde Facebook zur medialen Festung.

© dapd, Deutsche Welle Neue Berufe: Social Media Manager
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