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Abschied von Jon Stewart : Der Löwe der Nachrichtensatire brüllt zum letzten Mal

  • -Aktualisiert am

Nach sechzehn Jahren „Daily Show“ nimmt Jon Stewart Abschied. Der Moderator hat bewiesen, dass Satire etwas verändern kann. Und er erreichte ein jüngeres Publikum als alle anderen.

          Für seine Kritiker war „Daily Show“-Gastgeber Jon Stewart die Medien-Marionette der Liberalen. Für seine Fans der Freund, auf den man sich immer – zumindest montags bis donnerstags, wenn die Nachrichtensatire auf Comedy Central lief – verlassen konnte. In dieser Nacht läuft die letzte Folge mit dem Zweiundfünfzigjährigen. Die Menschen stehen schon Schlange vor den Studios.

          Eins ist sicher: Nachdem Stewart 16 Jahre lang unermüdlich das politische Geschehen kommentiert, sortiert und pointiert hat, verliert das amerikanische Fernsehen eine seiner wichtigsten Kultfiguren. Vor allem junge Zuschauer – insbesondere liberale, männliche Akademiker - sahen seine Sendung. Viele von ihnen vertrauten Stewart kluger Einordnung des Tagesgeschehens mehr als anderen Nachrichtenformaten im amerikanischen Fernsehen.

          Tiraden mit Grips

          Als Jonathan Stuart Leibowitz, wie der Sohn jüdischer Eltern bürgerlich heißt, 1999 seinen Vorgänger Craig Kilborn ablöste, der für einen höhnisch-parodisierenden Stil stand, konnte niemand ahnen, dass damit eine neue Ära beginnen würde. Mit einer Pointe auf Kosten Bill Clintons, der damals mit der Lewinsky-Affäre haderte, läutete Stewart sie ein, und mit den Jahren etablierte sich „The Daily Show“ als ein medialer Ort, der selbst für gestandene Politiker die Höhle des Löwen war.

          Der Löwe der Nachrichtensatire konnte ordentlich brüllen: Stewart, so der amerikanische Komiker Denis Leary, besaß ein großartiges Gefühl für Timing, konnte regelrechte Tiraden loslassen, hatte Grips und große, echte Wut. Stewart war der angry little Jew des amerikanischen Fernsehens, und das mit Erfolg.

          Fox News als liebster Feind

          Auch wenn Stewarts Zuschauer eher wegen seiner bissigen Kommentare und dem hohen Unterhaltungswert seiner Show einschalteten: „The Daily Show“ hatte nicht nur einmal Einfluss auf das mediale und politische Geschehen Amerikas. Als Jon Stewart 2004 die Moderatoren der Politshow „Crossfire“ für ihre polarisierende Berichterstattung kritisierte, dauerte es nicht lange, bis CNN die Sendung einstellte. Im deutschen Fernsehen, wo „The Daily Show“ zuletzt nicht auf legale Weise zu sehen war, fand seine Nachrichtenparodie in der „heute show“ mit Oliver Welke einen leidlichen Nachahmer.

          „The only person who's more overhyped than me, is you", sagte Obama 2010 über Jon Stewart, dessen Rücktritt seit Februar bekannt ist: Sie sind der einzige Mensch, um den noch mehr Wirbel gemacht wird als um mich. Stewarts Nachfolger, der Südafrikaner Trevor Noah, tritt in große Fußstapfen. Doch zunächst darf Stewart noch einmal ordentlich brüllen: Zum letzten Mal moderiert er seine „Daily Show“ am heutigen Donnerstag. Wie gut, dass sich am selben Abend zehn republikanische Präsidentschaftskandidaten in Cleveland mit Schlamm bewerfen werden. Noch besser, dass Fox News überträgt, der Sender, den der Satiriker am liebsten aufs Korn genommen hat. Perfekte Voraussetzungen für eine würdige Abschiedssendung.

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