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Anti-Edeka-Werbespot : „Du perverser alter Mann“

Pures Entsetzen: In der Version des Weihnachtswerbespots #heimkommen von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf finden die Protagonisten die Geschichte mit dem vorgetäuschten Tod gar nicht witzig. Sie schreiten zur Tat. Bild: Screenshot FAZ.NET/Pro Sieben

Der Edeka-Werbespot #heimkommen hat für eine Kontroverse gesorgt: Ein alter Mann täuscht seinen Tod vor, damit sich zu Weihnachten die Familie versammelt. Die Comedians Joko und Klaas zeigen jetzt ihre Version nach dem Motto: Das mit dem Ableben kannst du haben, Alter!

          Da sitzt er, der alte Mann, ganz allein an Heiligabend, jahrein, jahraus, und da wäre niemand, der das Weihnachtsmenü mit ihm teilte. Die Familie ist verstreut um den gesamten Erdkreis, die Tochter, die Söhne, die Enkel – alle haben etwas Besseres zu tun, als den Großvater zu besuchen. Und dann? Täuscht er seinen Tod vor und verschickt Trauerkarten. Selbstverständlich rücken jetzt alle an, sind zuerst bestürzt, dann wenigstens noch beschämt, als sie begreifen, was geschehen ist, und nehmen Platz am Tisch, auf dass es doch noch ein fröhliches Fest in Gemeinschaft werde.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Und das wird es auch in der Edeka-Werbung, die im Netz unter #heimkommen und im Fernsehen läuft und seit Wochen für eine Kontroverse sorgt. Darf man, soll man derart mit emotionaler Überwältigung arbeiten, um für sich zu werben? Hauptsache Edeka und alles wird gut?

          „Die Ente riecht aber ganz gut“

          Die Comedians Joko und Klaas haben das Ganze für ihre Sendung „Circus Halligalli“ bei Pro Sieben nun nachgedreht und ihre Antwort auf die Frage formuliert. Sie deuten den Edeka-Spot um – bei ihnen wird der alte Herr nicht gefeiert, sondern erschossen. Und danach wird fröhlich gezecht: ein Leichenschmaus an Heiligabend.

          Wie hätte ich Euch denn sonst herbekommen sollen, sagt der Alte zur Rechtfertigung seines vorgetäuschten Ablebens sowohl bei Edeka wie bei Joko und Klaas. Doch wo die Herrschaften im Werbefilm der Supermarkt-Kette ein Einsehen haben und sich schämen, poltern Joko und Klaas und ihre Entourage los. „Du perverser, alter Mann. Das ist moralische Erpressung“, brüllt Olli Schulz in der Rolle des Schwiegersohns dem von Udo Walz gespielten Großvater entgegen (und ergänzt noch etwas sehr Unflätiges).

          Das Original: Der alte Herr im Werbeclip von Edeka, allein zuhaus.

          Was ihm einfalle, wer schiebe denn nun Dienst im Krankenhaus, poltert Klaas Heufer-Umlauf als vermeintlicher Arzt, der seine Schicht verlassen hat. Er habe alle Maschinen zum Stillstand gebracht, echauffiert sich Joko Winterscheidt (er gibt den Fabrikanten-Sohn). Und dass nur, um sich seinen „Edeka-Fraß“ reinzuziehen? Das mit dem Ableben kann er haben, denkt sich die Großmutter und streckt den Gastgeber per Kopfschuss nieder. Da liegt er nun. Ist das jetzt nicht der Moment der Reue? Mitnichten. Den Häschern fällt vielmehr auf, dass die auf dem Tisch vor sich hin dampfende Ente doch ganz gut riecht, sie lassen sich nieder und feiern.

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          So wird aus dem schönen, aber leider ebenso verlogenen Weihnachtsmärchen, das sich die Werbeagentur Jung von Matt unter dem Rubrum #heimkommen für Edeka ausgedacht hat und das schon als Sensation gefeiert worden ist, eine böse Satire, die den zu Weihnachten eigentlich obligatorischen Familienkrach überspitzt und an Loriots Gedicht „Advent“ erinnert, in dem es heißt:

          „Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken,
          Schneeflöcklein leis herniedersinken.
          Auf Edeltännleins grünem Wipfel
          häuft sich ein kleiner weißer Zipfel.
          Und dort vom Fenster her durchbricht
          den dunklen Tann ein warmes Licht.
          Im Forsthaus kniet bei Kerzenschimmer
          die Försterin im Herrenzimmer.
          In dieser wunderschönen Nacht
          hat sie den Förster umgebracht.“








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