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ZDF-Show „Das Spiel beginnt!“ : Wir wollen doch bloß spielen

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Vielleicht eine Nummer zu groß geraten? Johannes B. Kerner und seine Ko-Moderatorin Emma Schweiger haben es in ihrer Show „Das Spiel beginnt!“ mit einem überdimensionalen „Hütchen Hüpf“ zu tun. Bild: Frank W. Hempel

Die große Samstagabend-Show ist mausetot. Trotzdem können Familien vor dem Fernseher ihren Spaß haben. Mit „Das Spiel beginnt!“ macht das ZDF es möglich. Auch wenn das Erwachsene zumeist nicht verstehen werden.

          An einem Samstagabend kann man alles Mögliche unternehmen. Zu einem Bundesligaspiel oder ins Kino gehen, ins Theater oder ins Konzert. Man kann sich auch auf der hochgerüsteten Heimkino-Anlage fast jeden Film ansehen. Es gibt daher keinen Grund mehr, auf das ZDF zu warten, um das Wochenende unterhaltsam zu verbringen. Trotzdem scheinen alle immer noch auf das ZDF zu warten. Mit Argusaugen wurde also der Nachfolger von „Wetten, dass ..?“ beäugt.

          „Das Spiel beginnt“ heißt die Show, moderiert wird sie von Johannes B. Kerner. Ihm zur Seite steht die zwölfjährige Emma Schweiger. Das Konzept beruht auf einem schlichten Gedanken: Was in Familien für Spaß sorgt, kann auch im Fernsehen funktionieren. Warum also nicht Spiele-Klassiker wie Memory, Halli Galli oder Trivial Pursuit in den Mittelpunkt einer TV-Show setzen? Der Spaß erschließt sich aber nur dem, der Memory schon selbst einmal mit seinen Kindern gespielt hat und sich die Show zudem mit seinen Kindern ansieht. Es geht um den Wettstreit zwischen Eltern und Kindern; es geht um die Freude der Kinder, wenn die Erwachsenen verloren haben. Wobei die Eltern die Fallstricke solcher Spiele kennen. Bei Memory gewinnen häufig die Kinder. Da muss man sie noch nicht einmal mit Absicht gewinnen lassen. Das war am Samstag anders. Dort gewannen die Stars, weil sie als Schauspieler ein gutes Gedächtnis haben müssen.

          Familie spielte mit

          Die Dramaturgie von „Das Spiel beginnt“ ist somit nichts Neues. Sie funktioniert seit Jahrzehnten am Wohnzimmertisch. Die Familie als Zuschauer spielte gestern Abend mit. Sie zählte die Bananen bei Halli Galli oder wunderte sich über den Sohn, der bei Trivial Pursuit die Frage beantworten konnte, in welcher Nationalflagge die Tempelanlage von Angkor Wat zu sehen ist. Alle fieberten mit, wie die Stars bei Vier gewinnt plötzlich in eine für alle Eltern bekannte Situation gerieten. Man will ja nicht den Kindern den Spaß am Spiel verderben, aber trotzdem entwickeln Erwachsene plötzlich Ehrgeiz. Bloß nicht verlieren, vor allem nicht unabsichtlich, diese Blöße will man sich lieber nicht geben. Die Sendung braucht keinen überragenden Moderator, auch keine besonders originellen Gäste. Sie lebt von der Atmosphäre, die jeder aus dem eigenen Erleben kennt. Sie besticht, weil sie gerade nicht wie die große Samstagabend-Fernsehshow daherkommt. Es ist auch nicht entscheidend, wie originell Johannes B. Kerner ist oder ob Emma Schweiger fehlerlos Fragen vom Blatt ablesen kann.

          „Das Spiel beginnt“ ist so gelungen altmodisch, weil es allem widerspricht, was die Fernsehkritik ansonsten verlangt. Das erschließt sich aber nur dem, der diesen Samstagabend tatsächlich als Familienunterhaltung versteht. Ihren Spaß dürften nämlich vorzugsweise Familien mit Kindern im Alter zwischen sechs und 16 Jahren gehabt haben. Die konnten mitspielen, sogar die Teenager, die ansonsten alles für langweilig halten, was Eltern an Vorschlägen auf Lager haben. Der Fernsehkritiker von „Spiegel Online“, Arno Frank, hat daher nichts verstanden. Diese Show  ist nicht für Zuschauer gedacht, die einsam vor ihrem Fernseher sitzen, weder für „sehr dumme Dreijährige“, noch für „ziemlich senile 99-Jährige“. Das mag als Pointe cool rüberkommen, ist aber nichts als ein großes Missverständnis.

          Spaß ohne „große Ansprüche“?

          Natürlich kann man auch die „Sendung mit der Maus“ dafür kritisieren, dass sie es an Spannung nicht mit einem „Tatort“ aufnehmen kann. Nur hielte man dann nicht die Maus für blöd, sondern den Kritiker, der solche Erwartungen formuliert. Wer alleine vor seinem Fernseher sitzt, um Kerner beim Spielen zuzusehen, dem ist nicht zu helfen. Er kann ein Konzert besuchen, ins Theater oder ins Kino gehen.

          Es gibt tausend Möglichkeiten, den Samstagabend zu verbringen. Dafür brauchen Erwachsene ohne Kinder nicht das ZDF. Aber Familien können mit diesem  altmodischen Format beim Mitspielen ihren Spaß haben. Dafür braucht man keine „großen Ansprüche“ zu stellen. Das ist der Witz und das ist Erfolgsrezept solcher Formate. Wahrscheinlich müssen wir das erst wieder lernen anstatt der Wahnidee der großen „Samstagabend Fernsehshow“ hinterherzulaufen. Die verfing bekanntlich auch bei „Wetten, dass ..?“ nicht mehr, ist aber als Mythos bei professionellen Fernsehkritikern immer noch zu finden. Vielleicht sollten die wieder einmal mit ihren Kindern einen Spiele-Abend machen. Oder scheitert auch das an den eigenen Ansprüchen?

          Hinter „Harter Brocken“

          „Das Spiel beginnt“ erreichte 3,94 Millionen Zuschauer (12,8 Prozent). Der ARD-Krimi „Harter Brocken“ kam im Samstagabendprogramm auf im Schnitt fast doppelt so viele, nämlich 7,51 Millionen Zuschauer. Das entspricht einem Marktanteil von 24,3 Prozent.

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