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Johanna von Koczian zum Achtzigsten : Minnas Witz und Hausfraus Protest

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Wie sie uns gefällt: Johanna von Koczian in jungen, buntbewegten Jahren Bild: HIPP-FOTO

Weil das deutsche Kino zu Beginn der fünfziger Jahre schwächelte, beglückte das „Wunderkind“ Johanna von Koczian jahrzehntelang eben das Fernsehen durch ihre Präsenz. An diesem Mittwoch wird sie achtzig Jahre alt.

          „Das bisschen Haushalt macht sich von allein - sagt mein Mann!“ Mit diesem Chansonschlager, dessen Wiedererkennungseffekt unglaubliche 36 Jahre überdauert hat, brachte es Johanna von Koczian 1977 fertig, als Schauspielerin die ZDF-Hitparade zu dominieren. Das Lied tanzte damals auf dem Scheitelpunkt zwischen altem Hausfrauen-Schmollen und neuem Aufbegehren. Für die Künstlerin war es eine der raren Gelegenheiten, an die Doppelleistung früher Erfolge anzuknüpfen.

          Die reizende junge Dame mit den Kulleraugen

          Erst 33 Jahre nach diesem Hit kam mit Peter Quilters „Glorious“ für Johanna von Koczian noch einmal die Gelegenheit, singend und spielend zugleich abzuräumen: Als Florence Foster Jenkins, jene Millionärin, die 1930, unentwegt falsch singend, Konzertsäle wie New Yorks Carnegie Hall mietete, um als Operndiva zu glänzen, füllte die Schauspielerin monatelang Berlins „Komödie am Kurfürstendamm“. Zum Brüllen komisch ihre Arien mit den haarscharf danebeniegenden Tönen - bewundernswert die schauspielerische Leistung, die Foster Jenkins nicht Lachsalven opferte, sondern den holden Wahn und die leise Tragik idealistischer Verblendung bot.

          Johanna von Koczian 1959 in dem Film „Bezaubernde Arabella“ Bilderstrecke
          Johanna von Koczian 1959 in dem Film „Bezaubernde Arabella“ :

          So etwas hätte der jungen von Koczian niemand zugetraut, als sie 1957 neben Georg Thomalla und Johannes Heesters im Remake von „Viktor/Viktoria“ die Kinosäle füllte. Die prüde Adenauer-Ära hatte aus der frivol-ironisch Geschlechtergrenzen sprengenden Komödie der Zwanziger einen Hosenrollen-Schwank gemacht. Prompt engagierte man die reizende junge Dame mit den schwarzen Kulleraugen und der netten Singstimme als Partnerin des aufstrebenden Filmtenors Mario Lanza. Doch „For the first Time“, in Deutschland zunächst als „Serenade einer großen Liebe“, dann, eingedenk des Evergreens „Capri Fischer“, als „Der Sänger von Capri“ in den Kinos, floppte.

          Keine Verwendung für die Charakterdarstellerin

          Den internationalen Ruhm, den deutsche Produzenten erhofft hatten, brachte Kurt Hoffmanns ein Jahr zuvor gedrehte Filmsatire „Wir Wunderkinder“. Die von den Kabarettisten Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller gepfefferte Moritat über Mitläufertum zwischen 1933 und 1956 erhielt den Golden Globe und trug Johanna von Koczian den Bundesfilmpreis ein. Der war die logische Folge der Leistungen, die sie zuvor im Theater gezeigt hatte: Ausgebildet am Salzburger Mozarteum, hatte sie 1951 bei den dortigen Festspielen unter der Regie von Gustaf Gründgens in „Wie es euch gefällt“ geglänzt. Unter Boleslaw Barlog war sie in Berlin als „Käthchen von Heilbronn“ gefeiert und für die Titelrolle in „Anne Frank“ ausgezeichnet worden und hatte sich danach in München, Wien und Hamburg als Charakterdarstellerin etabliert.

          Der schwächelnde deutsche Film hatte trotz „Wunderkinder“ dafür wenig Verwendung. Als 1961 die Verfilmung von Dürrenmatts „Die Ehe des Herrn Mississippi“ auch für die zu sanft agierende Johanna von Koczian zum Misserfolg wurde, sprang sukzessive das Fernsehen in die Bresche. Von Lessings „Minna von Barnhelm“ und „Emilia Galotti“ bis zur „Praxis Bülowbogen“ und „Traumschiff“ ist die Schauspielerin dem Medium treu geblieben. Nun - am Mittwoch wird sie 80 Jahre - wäre wieder einmal die Zeit für eine große Charakterrolle.

          Quelle: F.A.Z.

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