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„Heidi“ wird wieder verfilmt : Komm nach Haus, find dein Glück!

Der Schnee ist nicht echt, die Geiß schon: Anuk Steffen als Heidi und Bruno Ganz als Alm-Öhi Bild: Walter Wehner

Holadio, Heidis Welt sind die Berge. In der neuen Verfilmung von Johanna Spyris Roman darf die Titelheldin zum ersten Mal ans Erwachsenwerden denken. Ein Besuch am Set.

          Sie ahnt nicht, was es bedeutet, die berühmteste Figur der Schweizer Literatur zu verkörpern, und wie es schließlich sein wird, wenn sie sich nächstes Jahr als Heidi auf den Kinoplakaten sieht. Wie sollte sie auch, sie ist ja erst neun Jahre alt. Kameraerfahrung hat sie keine. Sie steht in einer tief verschneiten Gasse der Ortschaft Latsch in Graubünden, über ihr der wolkenverhangene Himmel, neben ihr zwei Geißen, die eine heißt Schwänli, die andere Bärli. Die Tiere sind beinahe so groß wie sie selbst. Ihr Haar, das früher halblang und dunkelblond war, ist jetzt kurz und dunkelbraun gelockt, ihre Nasenspitze wurde rot geschminkt, der Winter ist bitterkalt.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Sie heißt Anuk Steffen und stammt aus der Gegend. Zum Schluss, als beim Heidi-Casting nur noch sie und ein zweites Mädchen im Rennen waren, da gelang es ihr sofort, Bruno Ganz, der den Alm-Öhi spielt, für sich zu gewinnen. Damit war die Entscheidung gefallen. Der Öhi und Heidi, zwischen den beiden musste die Chemie stimmen. Am Ende hatte sich Anuk, auf die die Beschreibung aufgeweckt perfekt zutrifft, gegen fünfhundert Konkurrentinnen durchgesetzt. Sie sagt: „Anfangs war’s mir gar nicht so wichtig, die Rolle zu bekommen, aber dann wollte ich unbedingt gewinnen!“

          Auftritt Bruno Ganz: weißer Vollbart, zerfurchtes Gesicht, mürrischer Blick, in der Hand einen Stock, auf dem Kopf einen Hut. Er trägt einen schweren Rucksack. So hat man sich den Öhi als Kind vorgestellt. Abweisend. Furchteinflößend. Es heißt, der Öhi habe ein Menschenleben auf dem Gewissen, und das Erbe soll er auch versoffen haben. Eine zwiespältige Figur. Er stapft durch den Kunstschnee. Fünfhundert Kilogramm, ein Gemisch aus Zellulose und Wasser, das an den Schuhen wie Kaugummi klebt, wurden in stundenlanger Arbeit in die Gasse geblasen.

          Die Fassaden der Häuser wurden patiniert, wir schreiben das Jahr 1880. Lediglich die modernen Dächer mit ihren Rinnen sind geblieben. Ihre historische Umgestaltung wäre schlicht zu aufwendig und zu kostspielig gewesen, weshalb sie später am Computer digital ersetzt werden. Als die Sonne kurz durch die Wolken bricht, leuchtet die Winterszenerie unwirklich.

          Geruchsfreier Misthaufen auf dem Dorfplatz

          Es ist nicht das erste Mal, dass Latsch als Kulisse für das Heidi-Dörfli dient, bereits 1952 wurde hier gedreht, damals mit Elsbeth Sigmund und Heinrich Gretler in den Hauptrollen. Freilich gefällt nicht jedem die Okkupation des Dorfes durch das gut fünfzig Mann starke Filmteam. Die meisten Häuser sind Ferienhäuser, und im Urlaub möchte man eigentlich seine Ruhe haben, anstatt Zeuge zu werden, wie wochenlang ein Filmset präpariert wird. Besonders das Auftragen gigantischer Dreckmassen, die nun die gepflasterten Straßen bedecken, sowie der Misthaufen im Dorfzentrum sorgten für Unruhe. Doch die Furcht, beim morgendlichen Fensteröffnen von einer Wolke aus Gestank eingehüllt zu werden, war unbegründet. Der Misthaufen ist künstlich.

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