http://www.faz.net/-gqz-889v4

Cybermobbing : Schikane im Internet

  • -Aktualisiert am

Daumen rauf oder Daumen runter? Cybermobbing unter Jugendlichen nimmt zu. Bild: dpa

Wie viele Jugendliche werden Opfer von Cybermobbing? Die Zahlen einer Studie von Vodafone und dem Umfrageinstitut YouGov sind erschreckend. Und viele, die gemobbt werden, schämen sich, darüber zu sprechen.

          Sie werden beleidigt, bedroht und beschimpft. Fast jeder fünfte deutsche Jugendliche ist schon einmal im Internet gemobbt worden. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Studie von Vodafone und des Meinungsforschungsinstituts YouGov. Beim Mobbing im Netz werden die Betroffenen per Mail, auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter oder über Chats wie Whatsapp schikaniert. Das kann über Beleidigungen oder Gerüchte passieren, aber auch über Fotos, die ohne Einverständnis des Mobbingopfers online gestellt werden, um es bloßzustellen.

          Insgesamt 5000 Jugendliche im Alter von dreizehn bis achtzehn Jahren aus elf Ländern wurden zu ihren Erfahrungen befragt. 510 Teilnehmer stammten aus Deutschland. Achtzehn Prozent von ihnen gaben an, schon einmal selbst Opfer von Cybermobbing gewesen zu sein. 34 Prozent kennen einen Freund oder ein Familienmitglied, das im Internet gemobbt wurde. 65 Prozent haben von einem Fall gehört, bei dem jemand online schikaniert worden ist. Dass diese Zahl höher ist als die derjenigen, die angeben, selbst betroffen zu sein, kann daran liegen, dass sich viele schämen, Opfer von Cybermobbing zu sein.

          Schlimmer als im realen Leben

          Mehr als die Hälfte findet die Schikane im Netz schlimmer als Mobbing im realen Leben. Fast 50 Prozent hatten nach den Vorfällen ein schlechteres Bild von sich selbst. Die Schikane im Internet wirkt sich also negativ auf das Selbstbewusstsein aus. Häufig wurden die Jugendlichen wegen ihres Aussehens gemobbt. Viele zogen sich zurück, vermieden soziale Kontakte oder gingen nicht mehr zur Schule. 27 Prozent gaben an, ihren Ärger an anderen ausgelassen zu haben, doch auch Selbstverletzungen gehörten zu den Reaktionen. Hilflosigkeit, Wut, Depression und Scham sind die Gefühle, die häufig mit den Attacken im Internet verbunden waren. Oft fühlten sich die Jugendlichen allein gelassen. Achtzehn Prozent hatten aufgrund von Cybermobbing Selbstmordgedanken. In der Vergangenheit ist es bereits zu mehreren Suiziden gekommen, die in Verbindung mit Cybermobbing stehen.

          47 Prozent der Jugendlichen, die gemobbt wurden, sprechen mit ihren Eltern über das Problem. Interessant ist auch: Die meisten Jugendlichen, deren Freunde oder Familienmitglieder Opfer geworden sind, gaben an, die Person unterstützt oder etwas gegen das Mobbing getan zu haben. Nur sechs Prozent unternahmen nichts. Sie wussten nicht, wie sie helfen sollten, oder hatten Angst, selbst Opfer zu werden. Einige wollten sich nicht einmischen, weil auch der Täter ein Freund war.

          Die Anonymität im Internet senkt die Hemmschwelle. Dieses Argument hört man im Zusammenhang mit Cybermobbing häufig. Die Studie fragt allerdings nicht, ob die Betroffenen wissen, wer sie schikaniert hat. Bei fast der Hälfte der Studienteilnehmer handelte es sich um Gymnasialschüler. Damit kann man der Studie nur schwer zusprechen, etwas über die allgemeine Situation der Jugendlichen in Deutschland auszusagen. Aufschlussreich wäre auch gewesen, zu erfahren, über welche Kanäle genau die Opfer gemobbt werden. Zwischen dem Mobbing im öffentlichen Raum der sozialen Netzwerke und per Privatnachricht bestehen vermutlich Unterschiede.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Höhere Wahlbeteiligung in Niedersachsen Video-Seite öffnen

          Landtagswahl : Höhere Wahlbeteiligung in Niedersachsen

          Bei der Landtagswahl in Niedersachsen zeichnet sich eine höhere Wahlbeteiligung als bei der Wahl 2013 ab. Bis zum frühen Nachmittag gaben rund 26,9 Prozent der 6,1 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie die Landeswahlleiterin in Hannover mitteilte. Bei der letzten Landtagswahl in Niedersachsen hatte die Wahlbeteiligung zu dem Zeitpunkt bei rund 23 Prozent gelegen.

          Eminems wütender Rap gegen Trump Video-Seite öffnen

          Viraler Hit : Eminems wütender Rap gegen Trump

          Im Internet ist ein Video viral gegangen, in dem der bekannte Rapper Eminem seiner Wut über Donald Trump freien Lauf lässt. Eine Nachricht an seine Fans, die auch Trump gut finden, hat er ebenfalls.

          Topmeldungen

          Platz machen und neu anordnen: Der Plenarsaal des Bundestages wird für die neue Regierung umgebaut.

          Kommentar : Merkels Stichworte für Jamaika

          In der Renten- und Pflegepolitik warten schwierige Aufgabe auf Union, Grüne und FDP. Merkels Jamaika könnte der großen Koalition hier ähnlicher sein, als dem Land guttut.
          Dieses von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zur Verfügung gestellte Handout zeigt das Cargoschiff „Tianzhou 1“ (Himmlisches Schiff) beim Andocken mit dem Raumlabor „Tiangong 2“ (Himmelspalast).

          China : Raumlabor stürzt ab, Experten warnen vor Trümmern

          China kann das Raumlabor „Tiangong 1“ nicht mehr steuern, bald werden Teile davon wohl unkontrolliert auf der Erde aufschlagen. Es ist nicht das erste Mal, dass Weltraumschrott auf Kollisionskurs mit der Erde geht.

          TV-Kritik „Hart aber fair“ : Der Wunderknabe aus Österreich

          Sebastian Kurz ist der neue Hoffnungsträger der europäischen Konservativen. Bei „Hart aber fair“ zeigt sich, dass Kurz vor allem von Politikern profitiert, die sich für die Probleme der Menschen als unzuständig erklären.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.