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Medien und Demokratie : Brief an die deutschen Journalisten

  • -Aktualisiert am

Bundespressekonferenz in Berlin. Bild: EPA

Wie tickt die Presse in diesem Land? Anders als in meiner Heimat, den Vereinigten Staaten? Was tun gegen „Fake News“? Dazu habe ich 53 Publizisten befragt. Ihr Selbstverständnis ergibt ein spannendes Bild. Ein Gastbeitrag.

          Auf Einladung der Robert Bosch Stiftung habe ich mich drei Monate in Deutschland aufgehalten und in dieser Zeit mit vielen von Ihnen gesprochen. Heute nun möchte ich berichten, was ich über den deutschen Journalismus und seine gegenwärtige Lage herausgefunden habe.

          In meinem Forschungsprojekt ging es um die Frage, wie das berufliche Selbstverständnis der deutschen Journalisten aussieht und inwieweit es sich von dem ihrer amerikanischen Kollegen unterscheidet. Aber auch um die Frage, welche Vorstellungen die deutsche Öffentlichkeit von den Aufgaben einer freien Presse hat.

          Seit dreißig Jahren befasse ich mich mit dem amerikanischen Journalismus, und wenn es mir angebracht erschien, habe ich die Arbeit der amerikanischen Journalisten kritisiert. Um herauszufinden, wie das Selbstverständnis der deutschen Journalisten aussieht, habe ich mit vielen Menschen hier gesprochen. In einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur, das schon bald nach meiner Ankunft stattfand, wurde ich gefragt: Woher wollen Sie wissen, ob Ihre Beobachtungen zutreffen?

          Ich weiß es nicht. Dies ist ein offener Brief an deutsche Journalisten, keine wissenschaftliche Studie. Auf mögliche Fehler wird man mich gewiss hinweisen, und in meinem Twitter-Feed werden zahllose Beschwerden eingehen. Das ist völlig in Ordnung.

          (Zur englischen Version des Essays.)

          Die nachfolgenden Überlegungen gründen auf den dreiundfünfzig Interviews, die ich im Rahmen meines Projekts geführt habe (Die Liste der Gesprächspartner finden Sie hier.). Ich habe mich bemüht, mit möglichst verschiedenen Leuten zu sprechen. Ich habe mit Nachrichtenredakteuren gesprochen, mit Volontären und freien Mitarbeitern, mit Dozenten und Professoren, die sich mit den deutschen Medien beschäftigen. Weil mich Institutionen interessieren (in denen sich „eingefrorenes Denken“ materialisiert), habe ich mit dem Presserat in Berlin gesprochen und mit dem Aufsichtsgremium des Rundfunks Berlin-Brandenburg, dem Rundfunkrat. Ich habe mit den Neuen Deutschen Medienmachern gesprochen, einer Gruppe von Medienschaffenden, die frischen Wind in den deutschen Journalismus bringen wollen. Ich habe mit zwei ehemaligen Chefredakteuren von „Bild“ gesprochen und mit dem Gründer des pressekritischen Bildblogs. Und mit vielen anderen.

          Dies sind meine Beobachtungen:

          Das Selbstverständnis deutscher Journalisten gründet auf fünf Säulen. Die erste ist die Pressefreiheit (genau wie in den Vereinigten Staaten). Der Staat soll sich aus ihrer Arbeit heraushalten. Die zweite Säule besagt, dass manche Dinge wichtiger sind als das Recht auf ungehinderte Berichterstattung – beispielsweise das Persönlichkeitsrecht, der Opferschutz und die Verhinderung von Hasskommentaren. Diese Dinge haben deutlich mehr Gewicht als in Amerika.

          Die dritte Säule besagt, dass der Rundfunk zu wichtig ist, als dass er dem Markt oder dem Staat überlassen werden dürfe. Zwischen Markt und Staat steht in Deutschland der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der den Auftrag hat, die Bürger zu informieren, damit sie sich ihre eigene Meinung bilden können. Er ist dezentral organisiert und finanziert sich über Gebühren, was manchen Leuten nicht gefällt. Wäre ihnen Fox News lieber?

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