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Interview mit Iris Berben : Über mein Privatleben gab es nie viel zu sagen

  • Aktualisiert am

Zum Schreien - „Columbo”-Darsteller Peter Falk kommt Iris Berben näher Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Iris Berben ist seit 33 Jahren im Geschäft. Doch eine Rolle fiel der Schauspielerin besonders schwer: Als Akteurin in einem Film ihres Sohnes Oliver. Ob sie das Muttertier in sich bändigen konnte, verrät Iris Berben im Interview.

          Sie ist lieber gelassen als entspannt - Die Schauspielerin Iris Berben spricht über den Umgang mit den Medien, ihren Sohn Oliver und entspannten Patriotismus.

          Frau Berben, nächste Woche sind Sie in dem Fernsehfilm „Die Mauer - Berlin '61“ zu sehen. Sie waren 1961, als die Mauer gebaut wurde, elf Jahre alt. Haben Sie denn Erinnerungen an diese Zeit?

          Ja, natürlich. Ich war damals im Internat, und als die Nachricht vom Mauerbau kam, entstand dort sehr schnell eine enorme Unruhe, zuerst unter den sogenannten Großen und den Erwachsenen. Ich habe das ganze Ausmaß nicht gekannt, aber ich merkte einfach: Da passiert etwas Entscheidendes. Es war vielleicht das erste politische Geschehen, das ich wahrgenommen habe, wenn auch in einer vagen Form.

          Auch bei Lesungen macht die Schauspielerin eine gute Figur

          Sie spielen eine gescheiterte russische Pianistin, die es nach Ost-Berlin verschlagen hat, wo sie nun als Klavierlehrerin arbeitet, eine desillusionierte Alkoholikerin, die etwas aus der Zeit geraten ist, aber im Chaos der Tage des Mauerbaus ihr Verantwortungsgefühl entdeckt. Obwohl sie etwas heruntergekommen ist, ist sie eine sehr starke und stolze Frau. Ist das eine typische Iris-Berben-Rolle?

          Nein, das wäre schrecklich. Im Grunde versucht man doch immer, Stoffe zu bekommen, die weit von einem entfernt sind. Auch wenn ich im Laufe der vielen Jahre, die ich nun Fernsehen mache, immer weniger weiß, was das eigentlich bedeutet: weit von einem weg. Je mehr Erfahrungen du gemacht hast, je mehr du zugelassen hast an Unbekanntem und Fremdem, um so mehr ist das alles auch irgendwo in dir. Eine Frau zu sein, die eine Moral behält und das zu ihrer Stärke macht; die die erste und die einzige ist, die handelt - das würde ich sicherlich auch als Teil meines Lebens bezeichnen. Ich bin dafür immer wach genug gewesen. Aber es ist keine typische Iris-Berben-allure.

          Was kennt man denn von Ihnen, wenn man Sie nur aus dem Fernsehen kennt?

          Das Bild von mir ist über viele Jahre erst mal ein äußeres Bild gewesen. Heute hat es auch etwas mit meiner Haltung zu ganz bestimmten Themen der deutschen Geschichte zu tun. Aber es ist sehr unterschiedlich, wie einen die verschiedenen Gazetten wahrnehmen. Wenn ich ein Interview mit Ihnen oder der „Süddeutschen Zeitung“ mache, ist das etwas anderes, als wenn ich mit einem Boulevardjournalisten rede. Ich will das gar nicht gegeneinander ausspielen, aber es sind zwei unterschiedliche Welten, und ich merke das. Ich hatte ein großes Interview mit der Zeitschrift „Galore“, in dem wir wirklich nur darüber reden wollten: Was bedeutet Einsatz, was bedeutet Haltung? Und dann passiert mir, wenn Sie so wollen, ein Satz, in dem ich eben auch sagte, welche Einschränkungen es gibt - das man auch manchmal unter Polizeischutz steht. Der Boulevard macht das am nächsten Tag zu einer Geschichte. Da werde ich fast atemlos, weil ich denke: Daß mir das wieder passiert ist, nach all diesen Jahren.

          Nach 33 Jahren kennen Sie die Spielregeln des Geschäfts - und dennoch passieren Ihnen noch solche Fehler?

          Was heißt Fehler? Wir waren in einem seriösen Gespräch, aber in dem Moment, wo es in andere Kanäle geht, wird daraus eine andere Geschichte gemacht. Das muß man wissen, das muß man lernen. Und entweder man macht dann ganz zu und ist verstockt oder regelt alles nur noch über seine Anwälte. Oder man geht das Risiko immer wieder ein, weil man sagt: Diese Form der Eingrenzung will ich auch nicht haben. Es gäbe sonst effektiv nur noch die Möglichkeit, extrem reduziert und allgemein über etwas zu reden, damit man nicht in die Falle tappt. Da will ich nicht hinkommen.

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